Crête de Muratello – Col de Rinoso
Der Morgen beginnt stürmisch. Die Nacht über haben wir aufgrund des starken Windes kaum geschlafen und da es bei Sonnenaufgang immer noch ziemlich windig und ungemütlich ist, beschließen wir heute ohne Frühstück aufzubrechen und direkt zur Befuge de l’Onda hinunter zu laufen.
Der steile Abstieg zur Bergerie l‘Onda, in unmittelbarer Nachbarschaft zur gleichnamigen Befuge gelegen, ist schnell geschafft. An der Bergerie nehmen wir uns dann endlich Zeit für ein Frühstück mit leckerer Wurst und Käse. Auch frisches Brot können wir erstehen. Auf der großen Wiese zwischen der Bergerie und der angrenzenden Koppel, die den Wanderern als Zeltplatz dient, machen wir es uns gemütlich und geniessen unser frühstück. Kaum setzen wir uns, sind wir von einer Ziegenherde umgeben, deren Geruch exakt mit dem unseres Käses übereinstimmt. Die Ziegen gehören zur Bergerie und werden jeden Tag aufs Neue zu den Weiden gebracht. Nach unserem ausgiebigen Frühstück nutzen wir die hiesigen Waschanlagen und füllen hier an der Quelle unsere Wasservorräte auf.
Die alpine Variante des GR20 verläuft von der Refuge de l‘Onda zur Refuge Petra Piana über den Grat der Höhenzüge Serra di Tenda und Serra di Bianca. Der Normalweg des GR20 führt stattdessen durch das Manganellotal und ist ca. 1 Stunde Gehzeit länger. Eine Entscheidung zwischen Badegumpen im Tal oder Fernblicken auf dem Grat. Einen Badetag bei den Gumpen der „Cascades des Anglais“ hatten wir ja bereits am Vortag und da der Wind mittlerweile nachgelassen hat, ist unsere Entscheidung schnell gefallen. Wir wählen die alpine Variante. Der kurze Aufstieg zur Serra di Tenda führt uns über üppige Wiesen. In der Nähe entdecken wir etliche Ziegenherden, die sich an dem satten Grün laben. Bis zur Bocca a Meta gleicht der Kamm einem Spaziergang, bietet aber bereits ein fantastischen Blick bis an die Westküste der Insel mit der Hauptstadt Ajaccio. Danach beginnt der Weg anspruchsvoller zu werden. Die doppelten gelben Farbstreifen markieren die alpine Variante. Immer wieder scheint die alte Markierung in rot-weiß durch und lässt erahnen, dass dies die ursprüngliche GR20-Route war. Von nun an müssen zahlreiche Kletterstellen passiert werden, die uns schließlich auf den bizarren Felsrücken des Pointe de Pinzi Corbini führen. Hier legen wir eine Pause ein und geniessen das 360° Panorama.
Von nun an geht es in leichterem Gelände 200 Höhenmeter bergab bis zur Bocca de Manganello. Von hier ist es nicht mehr weit zur Refuge de Petra Piana.
An der Refuge de Petra Piana angekommen gibt es eine herrliche Aussicht über unseren zurückgelegten Weg bis hin zum Monte d‘Oro. Wie zu erwarten treffen wir hier auf eine Vielzahl an Wanderern. Wir merken schnell, dass der GR20 Nord besser besucht wird, als der südliche Teil. Es ist noch früh am Nachmittag und so machen wir nur kurz Rast und gehen schliesslich weiter.
Hinter der Refuge geht es steil über Geröll zwischen Erlenbüschen den Hang hinauf. Hier kommt uns tatsächlich eine Familie mit einem kleinen Pudel entgegen. Kühe grasen in dieser unwirklichen Landschaft auf kleinen grünen Wiesen zwischen all dem Geröll. Wie auf grünen Inseln inmitten der kargen Felslandschaft stehen die Kühe dicht beieinander. Wir traversieren den Hang und erreichen den Col de la Haute Route. Ein letztes Mal lassen wir den Blick über das Tal zurück nach Süden schweifen. Ein neuer Abschnitt erwartet uns.
Wir befinden wir uns nun auf einer kleinen Hochebene, auf der sogar noch Schnee liegt. Vor zwei Wochen dürfte selbst auf den Wegen Schnee gelegen haben. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick auf den malerischen Lac de Ronoso, der dunkel und geheimnisvoll vor uns liegt.
Bis zum Col de Rinoso ist es nicht mehr weit, doch wir sind so fasziniert von diesem Ort, dass wir beschliessen die Etappe für heute zu beenden und unser Zelt hier aufbauen. Eine kleine Wiese umgeben Felsen bietet uns eine ideale Stelle.
Wir geniessen den Rest des Tages in der Einsamkeit der Berge mit faulenzen, kochen und sonnenbaden auf über 2000m Höhe.
Ein letztes Highlight des Tages bildet der fantastische Sonnenuntergang, der kaum farbintensiver sein könnte. Die umliegenden Felsen sind mit neongrünen Flechten überzogen, die in der untergehenden Sonne mystisch leuchten.
Tags: Bergsteigen, Col de Rinoso, GR 20, Korsika, Trekking































































































































