Korsika 2010

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud

Im Mai diesen Jahres war es für Anja und mich wieder mal an der Zeit der Mittelmeerinsel Korsika einen Besuch abzustatten. Auf unseren ersten beiden Reisen hatten wir bereits die Gelegenheit die Insel bei zahlreichen Tagestouren ausgiebig zu erkunden. Dieses mal allerdings wollten wir einen Schritt weiter gehen, die Ost-West Überquerung der Insel auf dem Mare a Mare Sud stand auf dem Programm.

Die gesamte Strecke gliedert sich in 5 Tagesetappen, von je etwa 6-8 Stunden Gehzeit. Ausgangspunkt der Tour ist die Hafenstadt Porto-Vecchio im Südosten der Insel, das Ziel Propriano im Südwesten, dazwischen eine einmalige korsische Landschaft fernab des Massentourismus…

Endlich kann es los gehen! Unser erstes Ziel liegt ca. 200 km entfernt und heisst Bahnhof Troisdorf. Unser Plan ist, das Auto am dortigen P&R Parkplatz abzustellen, um anschliessend mit der letzten S-Bahn zum Flughafen weiter zu fahren. Auf telefonische Anfrage bei der Stadt Troisdorf versicherte man mir zuvor, dass der P&R Parkplatz kostenlos und zeitlich unbegrenzt genutzt werden kann. So können wir uns die zeitintensive Anreise mit der Bahn sparen und günstiger ist es auch noch. Also die Rucksäcke in den Smart gepackt und los geht‘s. Zieladresse ins Navi eingegeben und schon kam der erste Schreck. Die berechnete Ankunftszeit lag gerade einmal 20 Minuten vor der Abfahrt der letzten S-Bahn. „Oh je“, denken wir uns. Ein bisschen früher hätten wir schon los fahren können. Auf der Autobahn verlangen wir unserem Smart einiges ab um doch noch etwas Zeit gut zu machen. Mit maximal 130 km/h geht es Richtung Troisdorf.

Der Taunus und seine Hügel bremsen uns allerdings immer wieder aus, bergab wird anschliessend jedoch wieder Schwung geholt und da die Autobahn zu dieser späten Stunde nahezu leer ist, kommen wir auch halbwegs flott voran. Kurz vor Troisdorf haben wir etwa 10 Minuten gut gemacht. „Eine halbe Stunde bis zur S-Bahn, das sollte reichen“ denken wir uns. In Troisdorf angekommen lotst uns das Navi zu einem Parkhaus direkt an der S-Bahnstation. Doch was ist das? Es handelt sich nicht um einen P&R Parkplatz der kostenfrei genutzt werden kann, sondern um ein ganz normales kostenpflichtiges Parkhaus. Das Auto hier 10 Tage abzustellen hätte ein kleines Vermögen gekostet. Es bleibt uns also nicht anderes übrig als durch Troisdorf zu kurven und einen Parkplatz zu suchen.

“Parken nur für Anwohner“ überall dieses Schild. Stress macht sich breit, die Zeit verrinnt. Endlich finden wir in der nähe einer Baustelle eine Reihe freier Parkplätze, die nicht nur für Anwohner reserviert zu sein scheinen und auch sonst keinen zeitlichen Beschränkungen unterliegen. Jetzt muss es schnell gehen. Schuhe ausziehen, Stiefel anziehen, Rucksäcke aufsetzen und ab zum Bahnhof, das Ticket lösen. Wir erreichen das Gleis und nur wenige Minuten später trifft auch die S-Bahn ein. Entspannung macht sich breit. Am Flughafen angekommen ist es etwa 1 Uhr nachts, der Flieger startet um 5 Uhr 15 und da die Check-In Schalter noch geschlossen sind, rollen wir unsere Isomatten aus und versuchen ein wenig zu schlafen.

Als wir die Augen wieder öffnen erblicken wir bereits eine lange Schlange am Schalter. Wir reihen uns ein. Gepäckabgabe, Sicherheitscheck und schon kurz darauf werden wir mit dem Bus zum Flieger gebracht.

Zeitgleich zu unserem Start geht die Sonne am Horizont auf und taucht den Himmel in ein intensives Rot. Ich schaue noch ein wenig aus dem Fenster und schlafe schliesslich ein. Starke Turbulenzen über den Alpen schütteln mich jedoch schon bald wieder wach. Anja scheint einen tieferen Schlaf zu haben. Ein erneutes einschlafen fällt mir schwer und so warte ich müde, aber voller Vorfreude auf unsere Ankunft.

Der Ladeanflug auf Bastia offenbart das, was der Wetterbericht prophezeit hatte. Korsika erwartet uns unter dicken, grauen Regenwolken.

Die Freude endlich auf der Insel angekommen zu sein überwiegt allerdings und so schnappen wir uns gut gelaunt unsere Rucksäcke vom Gepäckband und machen uns auf den Weg nach Porchetta, einem kleinen Vorort von Bastia, in dem irgendwo der Bus hält, der uns nach Porto-Vecchio bringen soll. Bei leichtem Nieselregen, der jedoch kurz darauf aufhört, begehen wir die 3 km lange Strecke. Aber, warum nicht einfach trampen? Laufen müssen wir heute schliesslich noch genug. Nur kurz müssen wir warten und schon werden wir mitgenommen. In Porchetta angekommen bemühe ich meine mäßigen Französischkenntnisse und frage an der Tankstelle nach der Bushaltestelle. Die Frau an der Kasse zeigt auf eine kleine Haltebucht in unmittelbarer nähe der Tankstelle. „Perfekt“ denken wir uns. Und um so besser, direkt gegenüber hat bereits eine Bäckerei geöffnet. Zeit für ein leckeres Frühstück. Mhhhh. Quiche Lorraine. Und es kommt noch besser. Langsam aber sicher verziehen sich die Wolken und immer mehr blauer Himmel kommt zum Vorschein. So kann der Tag weiter gehen.

Um 9 Uhr, mit 10 Minuten Verspätung, trifft der Bus an der Haltestelle ein. Wir laden unsere Rucksäcke in den Bus, Anja kauft beim Busfahrer 2 Tickets nach Porto-Vecchio für je 21 € und wir suchen uns in dem nahezu leeren Bus ein Plätzchen für die nächsten zwei Stunden. Wir versuchen mal wieder ein wenig zu schlafen. Eine Stunde später wache ich, bei mittlerweile strahlend blauem Himmel wieder auf und geniesse den Rest der Fahrt. Die herrliche korsische Landschaft zieht an uns vorbei. Links das türkisblaue Meer, rechts saftig grüne Berghänge.

In Porto-Vecchio angekommen gibt es noch zwei Sachen die erledigt werden müssen bevor es endlich richtig losgehen kann. Unsere Trinkschläuche müssen mit Wasser gefüllt und Spiritus für den Trangia muss organisiert werden. Beides geht schneller als erwartet. Nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen sind laufen wir erstmal die erst beste Strasse entlang und stehen schon nach wenigen Metern vor einem Brunnen Wir füllen unsere Wasservorräte. Den Spiritus finden wir direkt auf der anderen Strassenseite in einem kleinen Lädchen.

Damit haben wir unser “offizielles“ Startgewicht von knapp 14 kg pro Person erreicht und dem Beginn der eigentlichen Tour steht nun nichts mehr im Wege. Ich schalte das GPS ein, ermittle unsere Position, rufe den Wegverlauf des Mare a Mare – Süd als GPS-Track auf und navigiere uns raus aus Porto-Vecchio. Wir verlassen Porto-Vecchio und laufen auf der D159 in Richtung Westen. Der eigentliche Beginn des MAMS liegt einige Kilometer ausserhalb von Porto-Vecchio beim kleinen Dorf Alzu di Gallina. Vielfach haben wir im Zuge unserer Reisevorbereitung gelesen, dass die 90 Minuten bis dahin nur über Asphaltstrassen führen. Die Empfehlung daher, die Strecke bis dahin am besten mit dem Auto zurück zu legen, probieren wir durch trampen umzusetzen. Ein korsischer Bauer in seinem Kleinbus zeigt sich hilfsbereit und nimmt uns kurze später in unsere gewünschte Richtung mit. Anja steigt vorne ein, ich mache es mir hinten im Laderaum zwischen Sensen, Äxten und anderem Arbeitsgerät bequem.

Etwa einen Kilometer vor Alzu di Gallina steigen wir an einer kleinen Kreuzung aus und verabschieden uns von unserer netten Mitfahrgelegenheit. Wir stehen inmitten herrlich blühender und duftender Macchia. Es blüht in Gelb, Rot, Weiss, Lila und vielen weiteren Farben. Die Macchia ist zu dieser Jahreszeit eine wahre Pracht. Im Spätsommer, der Jahreszeit in der wir Korsika bisher besucht hatten, ist die Macchia überwiegend sehr trocken und die Blütenpracht vorüber. Der typische Duft der korsischen Macchia ist aber auch zu dieser Zeit allgegenwärtig.

Wir schultern unsere Rucksäcke und legen den letzten Kilometer über die asphaltierte, von Blüten gesäumte Strasse zum Beginn des MAMS zurück. Es ist warm und die Sonne scheint.

Etwa 15 Minuten später erreichen wir das Schild das den Beginn des Mare a Mare – Süd darstellt. Der orange markierte Weg zweigt nach links von der Strasse ab. Es handelt sich um einen steinigen Pfad der zunächst sanft ansteigend durch die Macchia führt. Immer wieder ergeben sich schöne Ausblicke zurück zur Küste und auf den Golf von Porto-Vecchio. Nahezu überall quillt Wasser aus der Erde und macht den zu Beginn trockenen Pfad immer mehr zu einem kleinen Bach.

Das Frühstück liegt nun schon eine ganze Weile zurück und so beschliessen wir eine Rast zu machen. Wir packen den Trangia aus und entscheiden uns für ein leckeres Pilzrisotto. Natürlich selbst gekocht und zu Hause gedörrt, so wie fast unser gesamter Essensvorrat. Um Trinkwasser zu sparen verwenden wir zum Kochen das vorbei plätschernde Wasser. Schon während des Kochens müssen wir feststellen, dass immer mehr Wolken über die vor uns liegenden Berge zu uns herüber ziehen. Erste, kleine Tropfen fallen kurze Zeit später. Wir essen schnell auf, waschen ab, packen wieder zusammen und laufen weiter. Es entwickelt sich ein sehr wechselhaftes Wetter, bei dem Kurzer Nieselregen ständig mit Sonnenschein wechselt.

Der Weg wird langsam immer steiler und wir kommen in einen Kiefernwald. Es geht nun steil aufwärts und wir machen immer wieder für einige Minuten einen kleinen Stopp. Wir wollen es ja am ersten Tag nicht gleich übertreiben. Auf einer Höhe von etwa 500 m erreichen wir zum ersten mal die Strasse nach Ospedale. Während diese in Serpentinen in Richtung Ospedale führt laufen wir den Hang geradeaus nach oben. Unsere Trekkingstöcke sind uns eine große Hilfe. Im nach hinein betrachtet war die Steigung eigentlich gut zu meistern, am ersten Tag jedoch, mit noch randvollen Rucksäcken und einer zurückliegenden Nacht mit nur sehr wenig Schlaf, empfanden wir sie allerdings schon als recht anstrengend. Wir erreichen schliesslich eine Höhe von 850 m und erblicken endlich die ersten Häuser von Ospedale. Von hier aus ist es noch eine weitere halbe Stunde und weitere 170 Höhenmeter bis zum Etappenziel in Cartalavonu.

Wir beschliessen noch etwa die Hälfte des Weges zu gehen um uns anschliessend ein Plätzchen für unser Zelt zu suchen, doch davor wollen wir noch unsere Wasservorräte für den nächsten Tag auffüllen. Wir finden einen Brunnen in Ospedale. Dieser funktioniert jedoch nicht und so schnappt sich Anja unsere Wasserschläuche und fragt in einem Restaurant nebenan nach etwas Wasser. Ich bleibe draussen bei unseren Rucksäcken. Als ich Anja schliesslich mit vollen Schläuchen aus der Tür treten sehe bin ich erleichtert. Wir laufen die Strasse bergauf bis wir den Ort wieder verlassen und der Mare a Mare wieder nach links in einen Wald abzweigt. Wir kommen jedoch erstmal nicht allzu weit, da unser Weg von einem 5 m breiten Bach gekreuzt wird. Wir legen unsere Rucksäcke ab und ich suche eine geeignete Stelle um den Bach zu überqueren. Schon bald werde ich fündig und zeige Anja die Stelle. Unsere Trekkingstöcke helfen uns auch hier sicher und trockenen Fußes über den Bach zu kommen.

Wir folgen dem Weg anschliessend noch einige Minuten durch den Wald bis wir eine ebene und freie Stelle für unser Zelt finden. Das Zelt ist schnell aufgebaut. Mittlerweile sind wir auch Todmüde und verkriechen uns daher ohne Abendessen in unsere warmen Schlafsäcke. Genau rechtzeitig. Kaum liegen wir in den Schlafsäcken fängt es an zu regnen. Schnell schlafen wir ein.

Die Nacht verläuft ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Lediglich ein, zwei mal werde ich durch das periodisch lauter werdende prasseln der Regentropfen geweckt. Ich ziehe meine Kapuze am Schlafsack noch etwas weiter zu und schlafe schnell wieder ein.






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