Korsika 2010 – 2. Etappe

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud

Wir schlafen lange und kriechen erst gegen 10 Uhr aus unseren Schlafsäcken. Es scheint ein schöner Tag zu werden. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die Baumwipfel und lässt vereinzelte Bereiche auf dem Waldboden im Licht erstrahlen. Wir suchen uns einen sonnigen Platz in der Nähe des Zeltes und wärmen uns etwas auf. Nach dem Zähneputzen beginnen wir mit unserem allmorgendlichen Frühstücksritual. Wasser für Cappuccino aufkochen, einen solchen trinken und danach mit dem restlichen, jetzt nur noch lauwarmen Wasser unser Schokomüsli zubereiten.

Wir packen Zelt und Ausrüstung zusammen und machen uns startklar für den kommenden Tag. Cartalavonu sollte schnell erreicht sein und so laufen wir los.

Der Weg führt leicht ansteigend durch den frisch duftenden, feuchten Wald. Die Sonne macht sich leider rar und Wolken ziehen auf. 15 Minuten später erreichen wir auf 1020 m die Gite d‘Etape in Cartalavonu, die etwas abseits des Ortes liegt. Hier füllen wir nach vorheriger Anfrage unsere Wasservorräte wieder auf.

Es ist mittlerweile ziemlich frisch und windig geworden und so gehen wir schnell weiter um nicht all zu sehr auszukühlen. Der Weg verläuft zunächst bergauf in nordwestlicher Richtung. Jedoch endet dieser kurze Zeit später und es geht über Felsen und große Steine weiter bergauf. Von der Sonne ist mittlerweile nichts mehr zu sehen. Dicke Wolken werden vom Wind über die benachbarten Berge geschoben und hängen knapp über unseren Köpfen. Von Regen bleiben wir aber verschont.

Wir erreichen bei 1171 m eine Anhöhe, die Foce Alta. Ein heftiger Wind bläst uns um die Ohren. Wir bleiben kurz hier stehen und bestaunen wie die Wolken rasend schnell über die Berge ziehen. Ein toller Anblick.

Wir nehmen den Weg wieder auf und folgen ihm weiter in einen Wald.

Laut GPS müsste östlich der Ospedale Stausee einige hunderte Höhenmeter unter uns liegen, doch die dichten Wolken versperren den Blick. Nur hin und wieder reisst die dichte Wolkendecke etwas auf und gewährt einen flüchtigen Blick auf den Stausee.

Es ist immer noch sehr kühl hier oben, doch das laufen wärmt und die frische Luft ist sehr belebend.

An einem Wegweiser teilt sich schliesslich der Weg. Geradeaus geht es weiter zur Punta di a Vacca Morta, einem wohl sehr schönen Aussichtspunkt, doch der leicht aufwärts führende Weg verschwindet schon wenige Meter hinter dem Schild im dichten Nebel.

Wir folgen dem orange markierten Weg nach rechts. Dieser führt abwechselnd leicht ansteigend, leicht abfallend in nördlicher Richtung zum Col de Mela auf 1068 m.

Bald darauf zweigt der Weg in östlicher Richtung ab. Wir folgen zunächst der Höhenlinie, müssen dabei immer wieder kleine Bäche überqueren und beginnen schliesslich mit dem Abstieg nach Carbini auf 560 m. Der Weg windet sich in engen und steilen Serpentinen durch moosbewachsene Wälder den Hang hinab. Oft ist der Weg mehr Bach als Weg. Überall quillt Wasser aus dem Berg. Wir laufen langsam und müssen aufpassen auf dem glitschigen und matschigen Untergrund nicht auszurutschen. Nachdem der Abstieg etwa zur Hälfte geschafft ist, entdecken wir einen großen Felsen neben dem Weg.

Wir “klettern“ hinauf und vor uns tut sich ein wunderschöner Blick auf die korsische Bergwelt auf. Ein perfekter Platz für eine Pause. Wir legen die Rucksäcke ab, gönnen unseren Füßen etwas Freiheit und geniessen das Bergpanorama. Auch das Wetter hat ein einsehen. Die Wolken geben nach und nach immer mehr blauen Himmel frei.

Doch so schnell der Wetterumschwung gekommen war, so schnell kommen die Wolken leider auch wieder und so machten wir uns nach 15 Minuten Rast daran unseren Abstieg fortzusetzen.

Leichter bis mäßiger Nieselregen setzt ein. Der Weg führt weiterhin durch den dichten, mit Moos bewachsenen Wald, bis wir schliesslich die ersten Häuser von Carbini erreichen. Wir schlendern gerade gemütlich durch den hübschen Ort als plötzlich starker Regen einsetzt. Wir suchen Schutz unter einem Baum. Ein älterer Dorfbewohner, der bereits seit einigen Metern hinter uns gelaufen war gesellt sich zu uns. Er fragt uns bis wohin wir heute noch gehen wollen. Wir berichten, dass unser Ziel der 2 Stunden und 30 Minuten entfernte Ort Levie ist. Er schaut uns skeptisch an und empfiehlt bei diesem Wetter lieber per “Autostop“ weiter zu reisen. Wir aber wollen lieber laufen und so ziehen wir uns unter dem kritischen Blick des Mannes unsere Ponchos über. Wir verabschieden uns und der Mann wünscht uns viel Glück.



Im Regen geht es zunächst einige Minuten durch Macchia bis der Weg schliesslich wieder in einen Wald führt. Der Weg führt bergab in das Tal des Fiumicicoli. Langsam lässt auch der Regen wieder nach, um schliesslich ganz aufzuhören. Wir entledigen uns unserer Ponchos und gehen weiter. Auf einer Höhe von nur noch 260 m erreichen wir den Fluss. Jetzt ist auch endlich Zeit für eine ausgiebige und warme Mahlzeit. Wir packen Trangia, Spiritus, eine gedörrte Mahlzeit aus und es machen es uns auf unseren Isomatten bequem. Zum kochen verwenden wir wieder das Wasser aus dem Fluss, was wir auch in den kommenden Tagen so praktizieren werden. Ein leckerer Duft steigt  auf und bald darauf kann gegessen werden.

Der sonst so lästige Abwasch kann an einem solchen Fluss übrigens sehr schnell und einfach erledigt werden. Ich fülle den Topf mit Flusssand und etwas Wasser, anschliessend nur noch etwas schwenken und der Topf ist im Handumdrehen sauber. Diese Methode hat sich wirklich super bewährt.

Nach dem Essen noch ein paar Stückchen Schokolade als Nachtisch und schon packen wir wieder zusammen und gehen weiter Richtung Levie. Bis dahin gibt es noch 350 Höhenmeter zu überwinden und so führt der Weg nach der Überquerung der Flusses zunächst gerade, bald in Serpentinen den Hang hinauf. Der Weg führt durch Wald, doch immer wieder ergeben sich schöne Blicke auf die umliegenden Berge und den schon hinter uns liegenden Ort Carbini.

Langsam beginnen wir die Augen nach einem geeigneten Zeltplatz offen zu halten, doch die Suche gestaltet sich schwierig. Der Weg ist oft nur sehr schmal und auch neben dem Weg finden sich keine wirklich geeigneten Stellen. Wir kommen Levie immer näher und auch als wir schon vor dem ersten Haus der Dorfes stehen, haben wir noch keinen Zeltplatz gefunden. Was tun? Das Haus ist von einer Mauer umgeben, daneben ein augenscheinlich kaum befahrener und von hohem Gras bewachsener Fahrweg, der entlang eines kleinen, aber laut rauschenden Baches verläuft. Da die Sonne schon bald untergeht, beschliessen wir kurzerhand unser Zelt auf diesem Weg aufzustellen, möglichst nah an der Mauer um vom Haus aus nicht gesehen werden zu können. Gesagt, getan.

Das Zelt ist schnell aufgebaut und wir verkriechen uns in unsere Schlafsäcke um anschliessend noch etwas in unserer Reiselektüre, dem “Bahnwärter Thiel“ zu lesen. Wir stellen unseren Wecker früh um den eher ungünstigen Lagerplatz am Morgen zeitig zu verlassen.

Eine sehr unruhige Nacht erwartete uns. Der neben unserem Zelt vorbei rauschende Bach lässt uns kaum ein Auge zu tun und wenn, dann nur für kurze Zeit. Irgendwie können wir trotz Müdigkeit nicht in den Tiefschlaf finden.

Als der Wecker endlich klingelt fühlen wir uns ganz schön gerädert, sind aber froh unser Lager abbrechen zu können. Wir beschliessen nicht mehr in der Nähe eines Baches zu zelten.

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