Korsika 2010 – 3. Etappe

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud

Durch das hohe und durch den Morgentau nasse Gras haben wir zunächst mit einer ganzen Menge Kondenswasser am Aussenzelt zu kämpfen. Bevor es also weiter geht müssen wir das Zelt mit einem Tuch vom Kondenswasser befreien.

Als alles zusammengepackt ist brechen wir zügig auf. Nach wenigen Metern stehen wir bereits mitten in Levie. Da wir unseren Lagerplatz heute Morgen so schnell verlassen haben blieb natürlich keine Zeit für ein Frühstück und daher suchen wir uns ein schönes Plätzchen in Levie. Auf dem Kirchenvorplatz werden wir fündig. Wir setzen uns auf eine Bank und packen aus. Das Wetter, das bis dahin von grauen Wolken dominiert war, beginnt schlagartig sich zu bessern und bereits wenige Minuten später erstrahlt ein blauer Himmel über uns. Gerade rechtzeitig zum Frühstück. Die Sonne wärmt uns und wir lassen uns Cappuccino und Müsli schmecken.

Nach dem Essen gehe ich zum nahegelegenen Dorfbrunnen, erledige den Abwasch und fülle unsere Trinkschläuche.

Zurück auf dem Platz beginnt bereits das Wetter sich wieder zu verschlechtern. Wir packen zusammen und brechen auf. Die bisher längste Etappe unserer Tour steht uns bevor. Wir verlassen Levie am nördlichen Ortsrand über einen kleinen Weg und folgen diesem ebenfalls in nördlicher Richtung. Wir gewinnen schnell an Höhe und so ergeben sich noch ein paar schöne Blicke zurück auf den Ort.

Der Weg verläuft auch weiterhin leicht ansteigend, abwechselnd durch Wälder und an Wiesen vorbei, bis wir nach etwa einer Stunde auf einer Höhe von 760 m die Kapelle von Saint-Laurent erreichen. In ihrer unmittelbaren Umgebung befinden sich die archäologischen Stätten Cucuruzzu und Capula, bei denen es sich um torreanische Festungen aus der Bronze- und Eisenzeit handelt, die erst 1959 entdeckt wurden. Ein Besuch würde bei der Länge der heutigen Etappe vermutlich zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Wir belassen es daher bei einer kurzen Pause an der Kapelle und gehen weiter.

Der Mare a Mare führt uns weiter Richtung Norden auf einem schönen, von Felsen und später von einer typisch korsischen Steinmauer eingefassten Weg. Etwa einen Kilometer hinter der Kapelle kommt man an eine Abzweigung. Hier hat man die Möglichkeit nach rechts auf eine Variante des Mare a Mare – Süd abzubiegen, die einen zunächst nach Zonza und dann in einem kleinen Bogen nach Quenza führt. Wir folgen der Normalroute weiter geradeaus, die uns auf einem steilen und steinigen Weg hinab in das Tal des Ruisseau de St. Antoine, ein Bach an dessen Ufer wir schliesslich Rast für ein Mittagessen machen, führt. Zum Kochen verwenden wir wieder das Wasser aus dem Bach, der Abwasch wird nach den bewährten Methode erledigt. Nachdem es heute auch noch einen Nachtisch in Form eines „Süßen Moments“ gibt, gehen wir mit vollen Bäuchen weiter. Bereits nach wenigen hundert Metern ist ein zweiter Fluss zu überqueren. Wir laufen den Hang auf der anderen Seite des Tals hinauf, bis wir auf 750 m Höhe einen Forstweg erreichen. Er ist schön breit, gut zu laufen und so kommen wir schnell voran.

Wir passieren große, saftig grüne, von zahlreichen Blüten bewachsene Wiesen und Weiden, von denen uns Esel, Pferde und Kühe neugierig mustern.

Wir folgen dem Weg noch einige Kilometer, bis wir schliesslich hinter einer Kuhweide die ersten Häuser von Quenza erspähen.

In Quenza angekommen machen wir eine kurze Pause auf einer Wiese und stärken uns ein wenig mit einem Schokoriegel. Da wir heute noch einige Kilometer zurücklegen müssen, brechen wir auch bald darauf wieder auf.

Auf einer Asphaltstrasse verlassen wir den Ort in nordwestlicher Richtung. Nach etwa 15 Minuten endet die Strasse an einer kleinen Brücke, wir überqueren diese und beginnen auf der anderen Seite mit dem Aufstieg nach Jallicu. Der Weg ist teilweise wie eine Treppe angelegt und daher sehr steil. Nachdem wir etwa die 1000 m Höhenmarke erreichen, lichtet sich die Landschaft und wir haben einen schönen Blick auf die korsischen Berge. Auch sehen wir hier viele schöne potentielle Lagerplätze, aber um das Zelt aufzubauen ist es noch zu früh. Wir gehen weiter. Östlich von uns müsste eigentlich das Bavellamassiv mit seinen hohen Bergen zu sehen sein, doch die Gipfel verstecken sich hinter Wolken.

Als wir endlich in Jallicu ankommen sind wir ziemlich ausser Puste. Es ist ein winziges Dörfchen, welches nur aus einer Handvoll Häuser und einer Art Kneipe/ Restaurant besteht. Da heute Abend Chilli con Carne auf dem Speiseplan steht, versuche ich in der besagten Kneipe noch ein Baguette zu ergattern. Leider vergeblich.

Wenige Meter später haben wir das Dörfchen auch schon wieder verlassen und der Weg führt uns in ein wunderschönes Tal, das mit Bäumen und halbhohen Büschen bewachsen ist. Es geht etwa 200 Meter bergab, wir überqueren einen Fluss und steigen wieder bis auf 1000 m auf. Wir blicken zurück und geniessen die Aussicht über das Tal.

Der Weg wendet sich nun nach Süden in Richtung Serra-di-Scopamena, dem Ziel der heutigen Etappe. Wir folgen der 1000 m Höhenlinie lange durch eine typisch korsische Landschaft. Einige Bäume, viele wilde Kräuter und Büsche. Es ist ein wahrer Genuss hier zu laufen. Der Weg führt langsam bergab als plötzlich, wie aus dem Nichts Nebel aufzieht.

Wir sollten jetzt mal nach einem Lagerplatz Ausschau halten und entdecken auch bald unter einem Baum am Wegesrand eine ebene Stelle mit kurzem Gras. „Das sieht doch nicht schlecht aus“. Wir entledigen uns unserer Rucksäcke. Doch so richtig zufrieden sind wir beide nicht mit dem Platz. Nicht weil er nicht schön ist, es wäre dann aber am nächsten Morgen doch noch etwas weit bis Serra-di-Scopamena. Es ist noch eine Stunde Zeit bis Sonnenuntergang, fit fühlen wir uns auch noch und so beschliessen wir einstimmig noch eine dreiviertel Stunde zu laufen. Es sollte sich zeigen, dass es die richtige Entscheidung war.

Fünf Minuten später hat sich der Nebel so schnell wieder verzogen wie er gekommen war. Der Himmel klart sogar fast komplett auf und verfärbt sich aufgrund des nahenden Sonnenuntergangs in ein warmen Rotton. Wir laufen etwa zwei Kilometer weiter, bis Anja mich plötzlich rufen hört: „Stopp! Hier bleiben wir“. Ich zeige nach rechts auf eine wunderbare Wiese, schön eben und mit Blick auf die Berge. Unser schönster Lagerplatz bisher. Anja ist sofort überzeugt und wir bauen in der Dämmerung unser Zelt auf. Die Dunkelheit kommt schnell. Wir sitzen mit unseren Stirnlampen um den Trangia herum und warten auf das lang ersehnte Chilli con Carne, das sich bei Tests zu Hause schon als äusserst lecker heraus gestellt hatte. Auch ohne Baguette. Hier draussen in den korsischen Bergen schmeckt es sogar noch etwas besser.

Als es uns zu frisch wird verziehen wir uns in das schützende Zelt, lesen noch eine Weile und wünschen uns schliesslich eine gute Nacht.

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