Korsika 2010 – 4. Etappe

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud

Wir schlafen tief und fest und werden am Morgen durch das laute Brüllen eines umherstreifenden Esels (das vermuten wir zumindest) geweckt. Unglaublich was diese Tiere für einen Krach machen können. Da wir uns nicht wirklich sicher sind um was für ein Tier es sich handelt, der Lautstärke nach zu urteilen muss es ein sehr großes sein, bleiben wir noch etwas in den Schlafsäcken liegen, bis die Geräusche in der Ferne immer leiser werden. Doch auch im Zelt bemerken wir bereits etwas. Es scheint ein schöner, sonniger Tag werden, denn das Innere des Zeltes erstrahlt in einem gute Laune verbreitenden, hellen Gelb.

Wir packen die Schlafsäcke zusammen, lassen die Luft aus unseren Isomatten und verlassen das Zelt. Unsere Vermutung wird bestätigt, es erwartet uns ein strahlend blauer Himmel. Endlich auch mal Sonnenschein. Nach den eher durchwachsenen letzten Tagen stehen wir nun auf der Wiese und geniessen die wärmenden Strahlen der Sonne. Die Wiese ist zu dieser frühen Stunde noch voller Tau und auch an unserem Aussenzelt hat sich wieder etwas Kondenswasser gebildet. Wir ziehen unsere Eva-Matten unter dem Zelt hervor und legen unsere Rucksäcke und alles andere darauf ab. Die Matten haben sich wirklich sehr bezahlt gemacht, sei es Unterlage um unsere Ausrüstung vor Nässe zu schützen, als Sitzunterlage oder als Sicherheitsunterlage für den Zeltboden. Mit einem Tuch wischen wir das Kondenswasser vom Aussenzelt und lassen es kurz an der Sonne trocknen. Hat man das Wasser erstmal grob mit einem Tuch abgewischt, trocknet die restliche Feuchtigkeit sehr schnell aus.

Da jeder nur noch etwa einen knappen Liter Wasser in seinem Trinkschlauch hat, verzichten wir auf ein sofortiges Frühstück und beschliessen in Serra-di-Scopamena zu frühstücken, wo wir unsere Wasservorräte hoffentlich an einem Brunnen wieder auffüllen können. Der Weg dahin sollte laut GPS nicht mehr weit sein. Wir packen schnell zusammen und brechen, in freudiger Erwartung auf ein baldiges Frühstück, auf. Tatsächlich erblicken wir auch schon kurze Zeit später die ersten Dächer von Serra-di-Scopamena. Die Weg windet sich in Serpentinen hinter bis zur Hauptstrasse, der wir einige Meter folgen, bis wir schliesslich auf der linken Seite die Gite d‘Etape und daneben ein plätschernden Brunnen entdecken.

Wir stellen unsere Rucksäcke ab und machen uns breit. Den Trangia stelle ich auf einer Mauer auf der gegenüberliegenden Strassenseite, mit wunderbarem Blick über Berge und Täler, ab. Die Zeit, die das Wasser zum Kochen braucht nutzen, nutzen wir für eine intensive und erfrischende Wäsche.

Ein wirklich schöner Ort für das Frühstück und dementsprechend schmeckt es auch. Cappuccino und Schokomüsli. Als wir hier so sitzen und es uns gut gehen lassen hören wir von weiten wie sich ein Auto unter lautem und energischem Hupen nähert. Ich scherze: „Das ist bestimmt der Bäcker“. Und tatsächlich, der weisse Kleintransporter fährt an uns vorbei und bleibt hundert Meter weiter vor einem Haus stehen. Eine alte Frau öffnet ihr Fenster im 4. Stock und lässt ein Körbchen an einem Seil bis zur Strasse hinunter. Der Bäcker füllt es und das Körbchen wird wieder hochgezogen. Was für ein Service. „Wie wäre es mit einem Baguette?“ Anja läuft zum Bäcker und kommt mit einem solchen wieder. Eigentlich hätten wir ja schon gestern gerne ein Baguette zum Abendessen gehabt, aber auch jetzt ist es eine Bereicherung für unser Frühstück. Die Hälfte heben wir uns für das Mittagessen auf.

Gut gestärkt und bei immer noch bestem Wetter packen wir zusammen und starten die heutige Etappe. Der Weg führt zunächst die Hauptstrasse entlang, um schliesslich am Ortsausgang nach rechts abzuzweigen. Der Weg führt bergab in das vor uns liegende Tal. Zunächst über ungleichmäßig angelegte Steinstufen, dann über steile Serpentinen durch dichte Vegetation aus Farnen und Gräsern.

Nach 400 m Abstieg erreichen wir das Asphaltband der D20. Dieser folgen wir bis uns die Markierungen nach 600 m links auf einen kleinen Weg führen. Es geht weiter bergbab. Wir überqueren den Ruisseau de Furvicilla, einen kleinen Bach, und folgen diesem am anderen Ufer, bis wir auf einer Höhe von 350 m, dem tiefsten Punkt der heutigen Etappe, den Fluss Rizzanese erreichen.

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und ein Fluss mit klarem Wasser. Was macht man da? Richtig, man geht baden. An einer Brücke überqueren wir den Fluss und entdecken auch schnell eine schöne Stelle, die sich als Badestelle eignet. Badehose anziehen und ab ans Wasser. Das Wasser ist eiskalt. Nein, es ist noch viel kälter. Ich gehe die ersten Schritte ins Wasser und spüren schon nach wenigen Sekunden meine Füsse und Beine nicht mehr. „Oh je, ist das Kalt“. Jetzt habe ich aber schon meine Badehose angezogen, also mache ich einen beherzten Sprung nach vorne und lande im eiskalten Wasser. Ich versuche mich durch heftiges strampeln ein wenig aufzuwärmen, doch vergeblich und so stehe ich schon bald darauf wieder am Ufer. Ich spüre meinen Körper nicht mehr, doch die Sonne wärmt mich sanft wieder auf. Anja, die die ganze Aktion vom sicheren Ufer aus beobachtet hatte, beschliesst nun lieber doch nicht ins Wasser zu gehen. Einige Meter vom Ufer entfernt liegen ein paar schöne große Felsen im Wasser, ein perfekter Ort um die Sonne zu geniessen und es ist noch nicht mal nötig dorthin zu schwimmen. Über ein paar kleinere Felsen gelangt man fast trockenen Fusses dorthin. Ich überzeuge Anja auch hierher zu kommen und so sitzen wir schliesslich zusammen auf dem Felsen und lasen die Sonne auf uns scheinen.

Was für eine herrliche Pause. Erfrischt und hellwach geht es weiter, aber nicht ohne vorher noch einmal kurz im eiskalten Wasser abzutauchen. Langsam fängt es an Spass zu machen.

Die Erfrischung ist leider schnell verflogen, denn der Weg führt in südlicher Richtung lange Zeit ziemlich steil bergauf und aus dem Tal heraus. Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel, doch der Weg führt zunächst durch einen Wald und ist größtenteils schattig. Wir steigen auf, bis wir unterhalb des Monte Grossu (802 m) auf 720 m den Col de Tarava erreichen. Der Weg führt uns zunächst um den Gipfel des Monte Grossu herum und anschliessend auf 650 m Höhe in südwestlicher Richtung am Hang entlang. Führt der Weg erst noch durch einen Wald, so endet dieser bald und gibt den Blick auf die umliegenden Berge frei. Noch im Wald kommen wir an einem kleinen Wasserlauf vorbei, an dem wir Rast für ein Mittagessen machen.

Der schöne Panoramaweg, gesäumt von blühendem Lavendel, erreicht einen Forstweg, der bald darauf in eine Strasse übergeht, die uns ich das kleine Dorf Altagene führt. Wir laufen hinauf zur Kirche und biegen nach rechts auf eine Strasse, an deren Ende ein völlig überwucherter Weg aus dem Dorf herausführt. Er führt leicht bergab in das 20 Minuten entfernte Sant‘ Andrea di Tallano. Hier ist wieder Zeit für eine kleine Pause. Am Dorfbrunnen legen wir unsere Rucksäcke ab und füllen unsere Vorräte.

Das Etappenziel, St. Lucia di Tallano ist nicht mehr weit entfernt, relativ früh ist es auch noch und da uns wir offensichtlich immer fitter werden und das Laufen uns immer mehr Spass macht, beschliessen wir die heutige Etappe etwas auszuweiten. Wir wollen nach dem eigentlichen Etappenziel gemütlich weiter laufen bis wir eine schöne Stelle für unser Lager finden. Wir verlassen Sant‘ Andrea auf der Hauptstrasse. Nach wenigen Kurven erblicken wir auch schon St- Lucia di Tallano, das majestätisch auf einer Bergkuppe thront.

Vor lauter Stauen über die schöne Lage das Dorfes haben doch tatsächlich die Stelle verpasst, an welcher der Mare a Mare rechts von der Strasse abzweigt. Ich schaue auf das GPS, bringe uns wieder auf Kurs und schon stehen wir mitten in St. Lucia di Tallano. Ein geschäftiger Ort mit vielen kleinen Geschäften und auch auf der Strasse herrscht ein regen treiben. Der mit Abstand größte Ort der bisherigen Wanderung. Wir schlendern in der warmen Nachmittagssonne ein wenig durch den Ort, erstehen beim Obst- und Gemüsehändler noch 2 Birnen und verlassen den Ort wieder. Nach der Ruhe der letzten Tage kommt uns der “Trubel“ hier ziemlich fremd vor. Es geht über eine kleine Strasse zunächst nach Poggio, einem Ortsteil von St. Lucia und anschliessend über einen schmalen und zugewucherten Weg bergab in Richtung Pont de Piombatu, eine Brücke, die den Rizzanese auf einer Höhe von 120 m überquert. Die wir heute aber nicht mehr erreichen werden. Stattdessen erreichen wir nach etwa einer halben Stunde eine schöne Kapelle, die im Abendlicht ein wunderbares Motiv darstellt.

Wir laufen weiter bergab, als sich rechts neben dem Weg eine kleine Kuppe auftut. „Ob das ein Platz zum nächtigen ist?“ Ich lege meinen Rucksack ab, laufe hoch und sehe mich um. Es wachsen viele große Disteln mit vielen gefährlichen Stacheln doch eine Stelle scheint gut geeignet. Genug Sicherheitsabstand zu den Disteln, kurzes Gras und eben. Es ist beschlossen, hier bleiben wir.

Es ist noch recht früh und so rollen wir erst einmal die Evazote Matten aus und entspannen uns in der Sonne. Nebenbei starten wir noch den Trangia und beginnen mit der Zubereitung des Abendessens: Tüte mit gedörrtem öffnen, Wasser dazu und aufkochen. So einfach kann kochen unterwegs sein. Die Sonne ist mittlerweile hinter den Bergen verschwunden und so beginnen wir unser Zelt aufzubauen, in das wir uns auch bald darauf zurückziehen.

Incoming search terms for the article:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>