Mit dem Rad durch Marokko – 2. Etappe

Der Wecker klingelt um 7 Uhr. Draussen ist es noch sehr frisch, aber jeden Moment muss die Sonne über den Bergen aufgehen. Es hat sich noch keine richtige Routine beim Packen der Fahrradtaschen entwickelt, daher verläuft das zusammenpacken noch etwas chaotisch und langwierig. Nach einem leckeren Frühstück schieben wir die Räder durch Gestrüpp und über Steine zurück zur Strasse. Die Sonne steht schon recht hoch am Himmel und scheint mit voller Kraft. Es erwarten uns zunächst keine weiteren steilen Anstiege. Die Strasse führt in leichtem auf und ab durch wunderbare Landschaft in Richtung Ait-Baha. Kurz bevor wir den Ort erreichen bemerke ich, dass kaum noch Luft in meinem Hinterrad ist. Beim genaueren hinsehen entdecke ich einen dicken Dorn, der seitlich im Rad steckt, den ich mir wohl beim Schieben durch das Gestrüpp eigefangen habe. Zwangspause am Strassenrand. Das Rad ist schnell geflickt, aber Anja’s Schaltung macht wieder Ärger, also müssen wir auch da noch mal ran. Nach gut einer Stunde ist alles repariert und die Fahrräder wieder bepackt.

Wir erreichen Ait-Baha zur Mittagszeit. Die Strassen sind erstaunlicherweise voller Menschen, ein kleines Geschäft reiht sich an das nächste. Eine Vielzahl von Strassenhändlern haben ihre Stände unter den am Strassenrand stehenden Orangenbäumen aufgebaut. Eine geschäftige, aber angenehme Atmosphäre. Wir kaufen zunächst Wasser und steuern anschließend zielstrebig ein Strassencafé an, von dem aus wir dem Treiben auf den Strassen bei einem Kännchen Tee gemütlich zu schauen.

Die nun folgende Strecke ist auf der Michelin-Marokkokarte nicht verzeichnet, laut GoogleEarth scheint sie aber vollständig asphaltiert zu sein. Kaum verlassen wir Ait-Baha schon kommen die ersten steilen Anstiege, die es wirklich in sich haben. Wir kommen nur sehr langsam voran, aber dafür werden wir mit einer fantastischen Landschaft und unglaublichen Ausblicken belohnt. Die Vegetation erinnert zum Teil an die korsische Macchia. Auf den Berghängen sind unzählige Terrassen angelegt, die Mandelbäume blühen und zwischendurch immer wieder kleine Dörfer.

Die Strecke führt größtenteils recht steil bergauf, nur auf ein paar kurzen Abfahrten können wir verschnaufen. Die Strasse scheint so gut wie gar nicht befahren zu werden. Seit Ait-Baha haben wir kein Auto mehr gesehen. Die Landschaft ist mittlerweile von schroffen und steilen Felswänden geprägt, die sich den Wolken in den Weg stellen und so wird es nach und nach immer bewölkter und frischer. Wir spüren die Höhenmeter in den Beinen und halten langsam Ausschau nach einem Übernachtungsplatz, doch die steilen Hänge bieten nicht viele Möglichkeiten. Direkt neben der Strasse finden wir jedoch einige Terrassen, die gerade genug Platz für unser Zelt bieten. Wir tragen die Räder die Terrassen hoch und bauen unser Lager auf. Bei mittlerweile dichter Bewölkung und frischen Temperaturen lassen wir den Tag mit Chilli con Carne und Schokopudding ausklingen und gerade als aus dem benachbarten Dorf der Ruf des Muezzin ertönt verziehen wir uns ins Zelt.

Wir haben heute kaum Kilometer gemacht, die Fitness lässt noch auf sich warten. Der späte und etwas langwierige Aufbruch am Morgen sowie die Reparaturarbeiten haben uns zusätzlich ausgebremst. Wir beschliessen in Zukunft eine Stunde vor Sonnenaufgang aufzustehen, um den Tag besser nutzen zu können.

  • Tageskilometer: 33km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 10,6 km/h
  • Anstieg gesamt: 1250m
  • Fahrzeit: 3 h
  • Übernachtung auf 1150m
  • Tiefsttemperatur: 4 °C

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