Mit dem Rad durch Marokko – 6. Etappe

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht unter Palmen begrüßt uns der Morgen mit einem fantastischen Sonnenaufgang. Schon zum Frühstück, es gibt köstliches Früchtebannock, herrscht in der Oase überraschend viel Trubel. Viele Frauen sind unterwegs und sammeln die auf dem Boden liegenden Datteln ein. Interessiert schauen sie uns beim Frühstücken und beim anschließenden Zusammenpacken zu, auch das ein oder andere kleine Gespräch entwickelt sich.

Wieder auf der Strasse geht es weiter entlang der, mit Bewässerungskanälen durchzogenen, Oasengärten. Vieles blüht und gedeiht. Ein schöner Kontrast zu der kargen Landschaft der letzten Tage. An einer kleinen Quelle am Strassenrand füllen wir im warmen Sonnenschein unsere Wasservorräte wieder auf. Viele Frauen in festlichen Kleidern sind heute morgen mit uns auf der Strasse unterwegs. Sie grüßen uns und scherzen sie möchten auf dem Gepäckträger mitgenommen werden.

Die 10 km nach Tagmoute sind schnell gefahren. Die Strasse entlang des ausgetrockneten Flussbetts führt die meiste Zeit leicht bergab. Tagmoute selbst ist ein hübscher Ort innerhalb einer weit ausgedehnten Oase und so machen wir im Ort noch eine kleine Pause. Beim Bäcker decken wir uns mit einem zweiten Frühstück ein und setzen uns mit zwei Schokoladencroissants und marokkanischen Keksen in die Sonne. Der Ort erstreckt sich eine Weile entlang der Oase und so gönnen wir uns an der letzten Kreuzung noch einen Tee. Beim Geflügelmetzger nebenan, bei dem Verkaufsraum und Stall auf engstem Raum miteinander vereint sind, hole ich uns noch eine Portion Oliven für das Abendessen. Hinter dem Ort endet die Oase schlagartig und weicht einer großen und weiten, wüstenartigen Ebene. Wir gleiten durch die faszinierende Landschaft.

Wir durchqueren die Ebene und erreichen den nächsten, kurzen Anstieg, der uns zunächst in eine teilweise canyonartige  Landschaft mit bizarren Felsformationen führt. In einem Wechsel aus steil abfallenden Berghängen und offener Landschaft geht es Richtung Tata, einem Städtchen am Rande der Wüste.

Bevor wir Tata jedoch erreichen, machen wir an einer Schlucht mit vielen Grotten noch eine Pause. Wir setzen und in den Schatten eines Baumes und futtern ein paar Müsliriegel. Hier fallen uns zum ersten Mal unsere hochroten Köpfe auf. Trotz Kopfbedeckung und Sonnencreme scheinen wir heute etwas viel Sonne abgekommen zu haben.

Nach dieser Pause machen wir uns auf den Weg in das nur noch wenige Kilometer entfernte Tata. Als wir den Ort erreichen fallen uns sofort die mit Wohnwagen überfüllten Parkplätze auf. Der Ort scheint aufgrund des deutlich spürbaren Tourismus relativ wohlhabend zu sein. Die Strassen sind hervorragend ausgebaut und selbst ein Schwimmbad, hier am Rande der Wüste, ist für die Touristen im Bau. Noch kopfschüttelnd erreichen wir den ersten Laden, kaufen Wasser und ordentlich Süssigkeiten. Unser Bedürfnis nach Süssigkeiten ist in den letzten stark gestiegen. Um unseren roten Köpfen noch eine kleinen Sonnenpause zu gönnen, essen wir in einem Hotel mit Restaurant noch eine Tajine und trinken natürlich noch einen Tee. Unsere Köpfe kühlen nur langsam ab, immer noch sind sie ziemlich rot und so beschliessen wir uns nach einem Sonnenschutz umzusehen. An einem Stoffladen erwerben wir 2 Tücher und lassen uns zeigen wie man damit einen Turban bindet.  In unsere neuen Tücher gewickelt verlassen wir die Stadt.

Nach einigen Kilometer verlassen wir die Strasse und fahren querfeldein durch die umliegende Steinwüste, um einen Platz für die Nacht zu finden. Es ist recht windig hier draussen. Das Aufbauen des Zeltes bereitet uns wieder mal etwas Mühe.

Wir haben trotz der Tajine großen Hunger, dementsprechend üppig fällt das Abendessen aus. Es gibt Bannock mit Oliven, Nudeln mit Hackfleisch und Karotten und Süßigkeiten. Jede kleine Windböe wirbelt den feinen Sand auf und wir müssen aufpassen unser Essen halbwegs frei vom Sand zu halten. Mit mässigem Erfolg. Selbst im geschlossenen Zelt hat sich eine Schicht aus feinstem Sand auf dem Boden gebildet.

Trotz des Sandes geniessen wir das Essen, beobachten den Sonnenuntergang am Horizont und bestaunen das Farbenspiel am Himmel. Kaum geht die Sonne im Westen unter, geht im Osten bereits der Mond auf. Es ist fast Vollmond. Bevor wir uns ins Zelt zurückziehen versuchen wir das Zelt noch etwas vom Sand zu befreien. Wir müssen aber schnell feststellen, dass das Vorhaben sinnlos ist. Kaum ist etwas Sand aus dem Zelt draussen, schon kommt die nächste Böe und treibt den Sand unter dem Vorzelt wieder ins Innere des Zeltes. Wir werden uns wohl mit dem Sand arrangieren müssen. Aufgrund unserer Müdigkeit aber kein grösseres Problem und so schlafen wir trotz Wind und Sand schnell ein. Es ist eine warme Nacht.

  • Tageskilometer: 72km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 17 km/h
  • Anstieg gesamt: 650m
  • Fahrzeit: 4 h 10 min
  • Übernachtung auf 730

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