Mit dem Rad durch Marokko – 7. Etappe

Der Wecker klingelt pünktlich um 6 Uhr. Im Laufe der Nacht hat sich der Wind gelegt und so konnten wir in Ruhe schlafen. Bevor wir das Zelt verlassen packen wir wie üblich wieder alles nicht Benötigte zusammen, aber diesmal nicht ohne alles vorher ein wenig vom Sand zu befreien. Als ich aus dem Zelt komme bietet sich mir ein beeindruckendes Bild. Die Landschaft ist in tiefes Blau getaucht und hinter den in der ferne liegenden Bergen geht gerade der Mond unter. Zum Frühstück geniessen wir erneut das Farbenspiel der schon bald darauf aufgehenden Sonne. Das Panorama ist überwältigend. Nur leider beginnt auch pünktlich zum Sonnenaufgang der Wind wieder einzusetzen, natürlich Ostwind. Wir ahnen es bereits; ein Tag mit Gegenwind.

Wir packen schliesslich ein und versuchen noch unsere Sachen so gut es geht vom Sand zu befreien. Quer durch die Steinwüste geht es zunächst zurück zur Strasse. Auf die Fahrräder, fertig, los. Der Strassenverlauf lädt eigentlich zum flotten fahren ein, doch wie erwartet macht uns der kräftige Gegenwind mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Die Landschaft wird zunehmend “afrikanischer”. Die Farbe des Gesteins wandelt sich in Ocker- und Erdtöne; wunderschön anzuschauen.

Wir durchqueren eine weite, in Norden und Süden durch Bergkämme eingebettete und zum Teil stark versandete Landschaft. Nach einiger Zeit erreichen wir mitten im Nichts eine kleine Oase. Kinder stehen am Strassenrand und wollen uns Wasser verkaufen, aber unsere Vorräte sollten noch locker bis Tissint reichen. Wir versuchen schnell voran zu kommen, um einen schönen Mittag/ Nachmittag an einer Badegumpe mitten in der Wüste zu verbringen. Die Koordinaten der Badegumpe hatte ich im Vorfeld der Reise recherchiert. Hin und wieder werden wir von französischen Wohnwagen Kolonnen überholt, teilweise zählen wir bis zu 10 Wagen. Das sind wohl die Horden, die mit ihren Wohnwagen gestern Tata belagert hatten. Wir hoffen sie so bald nicht wieder sehen zu müssen.

Vor Tissint wird es immer diesiger. Es macht auf uns den Anschein als herrscht in der benachbarten Sahara gerade ein Sandsturm. Feinster Sand liegt überall in der Luft, erschwert das Atmen und macht uns durstig. Die Sonne knallt mittlerweile fast senkrecht vom Himmel und der Gegenwind gibt uns den Rest. Von der Landschaft bekommen wir aufgrund der schlechten Sicht kaum noch etwas mit.

Wir sind heilfroh als wir endlich in Tissint ankommen und steuern das einzige um die Mittagszeit geöffnete Kiosk/ Restaurant an. Die Strassen sind menschenleer. Bei einem Tee mit viel Zucker und einem Brot lassen wir unsere Köpfe abkühlen. Von unserem schattigen Platz aus haben wir einen tollen Ausblick auf den Hausberg von Tissint. Nur wenige Meter neben der Strasse erhebt sich eine schräge Felsfläche aus dem Sand, die durch die ebene Oberfläche und den Sonnenschein fast wie poliert wirkt. Ein fast unwirkliches Bild. Wir bleiben noch eine Weile sitzen, ruhen uns aus und langsam wird die Strasse immer belebter. Bevor wir die letzten Kilometer zur Badegumpe in Angriff nehmen kaufen wir noch ordentlich Wasser und Süßigkeiten ein.

Es geht weiter durch die immer noch diesige Landschaft. Wir lassen die Oase von Tissint hinter uns und durchqueren eine karge Ebene. Laut GPS nähern wir uns der Badegumpe, doch von Wasser nicht das geringste zu sehen. Wir beginnen an den Koordinaten zu zweifeln, doch schliesslich erreichen wir eine kleine, unscheinbare Piste, die links von der Strasse abzweigt. Und tatsächlich, die Piste führt uns geradewegs auf eine Schlucht zu, an deren Grund im Sonnenlicht glitzernder Bach verläuft. Wasser in der Wüste; es ist wunderschön und wir freuen uns nach einer Woche Wasserabstinenz auf das kühle Nass. Wir schauen uns zunächst ein wenig um und suchen nach einer schönen Stelle für unser Zelt. Schon bald finden wir einen kleinen Strand direkt an einem etwas größeren Wasserbecken. Einfach perfekt. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Also bauen wir schnell unser Zelt auf und dann nichts wie ab in das salzige Nass. Es handelt sich tatsächlich um Salzwasser und es fühlt sich gut an. Wir geniessen das Baden.

Den Rest das Tages erklären wir zum “Urlaubstag” und lassen es uns am Abend mit Chilli con Carne und Bannock gut gehen. Wir liegen noch lange in der warmen Nacht vor dem Zelt und bewundern den Sternenhimmel.

  • Tageskilometer: 71km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 15,2 km/h
  • Anstieg gesamt: 440m
  • Fahrzeit: 4 h 40 min
  • Übernachtung auf 460m
  • Tiefsttemperatur: 8 °C

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