Mit dem Rad durch Marokko – 8. Etappe

6 Uhr. Der Wecker klingelt und wir sind sofort hellwach. Unser Tag-Nachtrythmus hat sich auf erstaunlich konstante Uhrzeiten eingestellt. Die Nacht war wunderbar ruhig und dementsprechend hervorragend haben wir geschlafen. Noch bevor die Sonne am Horizont zu erahnen ist, kommen wir aus dem Zelt und bereiten das Frühstück vor. Wir lassen den Tag ganz locker angehen. Die Ruhe hier draussen in der Wüste färbt irgendwie auf uns ab und so sitzen wir noch eine ganze Weile bei leckeren Schokopfannkuchen am Flusslauf und geniessen den Sonnenaufgang. Hoch über unseren Köpfen ziehen die Störche zurück in den Norden.

Nach einer ausgiebigen Wäsche am Fluss beginnen wir alles zusammenzupacken und die Fahrräder zu beladen. Gegen 10 Uhr haben wir die Strasse wieder erreicht und starten in den heutigen Tag. Zuerst überraschenderweise mit Rückenwind, aber die Freude währt nicht lange. Der Wind lässt zunächst ganz nach und wendet sich dann doch gegen uns. Die Aussicht bleibt diesig und der Himmel ist mit Schleierwolken verhangen, was das Fahrrad fahren aber sehr angenehm macht. Nach etwa 15 km erstrecken sich immer wieder ausgedehnte Dünenlandschaften rechts neben der Strasse. Wir fahren noch eine Stunde weiter und machen schliesslich Halt um eine Pause in den Dünen einzulegen. Die Schleierwolken ziehen sich nach und nach immer weiter zurück und machen Platz für die Sonne. Wir suchen uns daher ein schattiges Plätzchen und futtern unsere letzten Reserven an Süßigkeiten. Die Sonne knallt, dennoch erkunden wir bevor es weiter geht noch ein wenig die Dünen. Der heiße Sand verbrennt uns fast die Füße.

Nach der Pause fahren wir zügig weiter und erreichen bereits gegen 14 Uhr die Stadt Foum-Zguid. Es ist mittlerweile wieder so heiß, dass wir heilfroh sind die Stadt erreicht zu haben und uns im kühlenden Schatten eines Strassencafé einen Tee und ein Brot gönnen. Wir überlegen wie es heute weiter gehen soll. Fahren wir noch ein Stück oder bleiben wir hier? Das Städtchen gefällt uns und es reizt uns auch mal einen Abend unter Menschen zu verbringen, also beschliessen wir die Nacht hier in Foum-Zguid zu bleiben. Bei der Fahrt entlang der Hauptstrasse haben wir bereits bei unserer Ankunft einen hübschen Zeltplatz mit vielen Schatten spendenden Palmen gesehen. Wir fahren das kleine Stück zum Zeltplatz zurück und quartieren uns für 30 Dirham pro Person für eine Nacht ein.

Wir bauen unser Zelt auf und gönnen uns noch ein spätes Mittagessen unter Palmen. Was wir für einen Hunger haben ist echt unglaublich. Nach dem Essen ziehen wir im Schein der Abendsonne bei wunderbar milden Temperaturen durch die Stadt. Zu Fuß. Es fühlt sich gut an mal wieder ein paar Meter zu laufen. Wir erkunden die Stadt abseits der Hauptstrassen, entdecken halb zerfallene Lehmbauten und die Oasengärten ausserhalb der Stadt. Eine fantastische Atmosphäre. Bei Einbruch der Dunkelheit und bei Beginn des Gesangs des Muezzin’s kehren wir noch einmal im Strassencafé ein, trinken einen Tee und beobachten entspannt das Leben auf den Strassen der Stadt.

Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz hält neben uns plötzlich ein Jeep an. Der Fahrer sagt er wir können einsteigen, er nehme uns mit zum Zeltplatz. Da wir gerade noch Wasser gekauft und somit einiges zu schleppen haben, nehmen wir das Angebot gerne an. Im Auto duftet es köstlich nach Brot. Der Mann hat eine Ladung frischer, von seiner Frau gebackene, Brote dabei. Wir kaufen natürlich gleich zwei Stück. Die Brote sind eigentlich für den Verkauf am nächsten Morgen gedacht, das heisst so frisch wie jetzt bekommen wir sie nie wieder. Am Zelt angekommen und machen wir uns noch eine Portion Couscous und probieren natürlich auch gleich noch ein Brot. Es schmeckt köstlich, mit einem Hauch von Anis.

Die Nacht ist mild. Als wir im Zelt liegen hören wir noch den Trubel auf der Strasse. In der Ferne spiet ein Marokkaner Gitarre und direkt neben dem Zeltplatz bellen die Hunde. Nach der Ruhe der letzten Nächte eine ungewohnte Situation.

  • Tageskilometer: 60km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 18 km/h
  • Anstieg gesamt: 320m
  • Fahrzeit: 3 h 20 min
  • Übernachtung auf 580m
  • Tiefsttemperatur: 7 °C

Incoming search terms for the article:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>