Mit dem Rad durch Marokko – 9. Etappe

Gegen 6 Uhr kriechen wir aus dem Zelt. Wir sind die ersten auf dem Platz die wach sind. Alle Wohnwagen noch verriegelt, kein Franzose in Sicht und so frühstücken wir in aller Ruhe unser Müsli und vernichten die Brotreste vom Vorabend. Das fließende Wasser, welch Luxus, nutzen wir aus, um uns und unser Kochequipment mal richtig ordentlich zu waschen. Wir packen schliesslich zusammen und machen uns bereit für den Weg nach Agdz, den wir in den kommenden zwei Tagen schaffen wollen. Langsam erwacht der Campingplatz und auch unser deutscher Campingnachbar, der mit seinem uralten Bully und Hund von Deutschland nach Marokko gefahren ist, ist schon wieder zu einem Plausch vorbeigekommen. Wir unterhalten uns noch eine Weile und verabschieden uns schliesslich. In der Ortsmitte von Foum-Zguid decken wir uns noch mit einer nicht unerheblichen Menge an Süßigkeiten ein. Unsere Benzinreserven nähern sich langsam aber sicher auch ihrem Ende und so halten wir noch Ausschau nach einer Tankstelle. Am Ortsausgang werden wir schliesslich fündig, nur den Tankwart vermissen wir. Nach einer Weile schaut schliesslich jemand vorbei. Er bedauert, es gäbe kein Benzin. Wie bitte? Kein Benzin? Sicher? Irgendwie fällt es mir schwer ihm zu glauben. Ich frage nochmals nach, zeige auf unsere kleine Brennstoffflasche und sage ihm, dass wir nur wenig brauchen. Aber nein, es scheint kein Benzin zu geben. Er vertröstet uns schliesslich und meint, dass es im nächsten Dorf in drei Kilometer Entfernung noch eine Tankstelle gäbe. Na gut, damit können wir leben.

Die Strasse folgt zunächst einem weiten, ausgetrockneten Flussbett, immer wieder gesäumt von kleineren Palmenoasen. Die drei Kilometer zum nächsten Dorf sind schnell gefahren und schon wieder suchen wir nach einer Tankstelle. Vergeblich. Wir finden einen kleinen Polizeiposten an der Strasse. Ich frage den anwesenden, äusserst höflichen Polizisten nach der Tankstelle. Tankstelle? Hier? Nein, gibt hier es keine Tankstelle. Die nächste Tankstelle sei in Tazenakht. Noch über 70 Kilometer entfernt und der Ort liegt noch nicht mal auf unserem Weg. Wir geben die Hoffnung auf vor Agdz noch eine Tankstelle zu finden. Wenn wir sparsam kochen und etwas Glück haben reicht das Benzin vielleicht bis dahin. Wir fahren weiter. Die Strasse mündet schliesslich in eine weite, trockene Ebene. In der Ferne vor uns liegen wieder die Berge. Am Fuße der Berge erreichen wir ein hübsches Dorf inmitten einer Oase. Ein kurzer aber steiler Anstieg ist zu bewältigen, belohnt uns aber mit einem schönen Ausblick über die zurückgelegte Strecke.

Die Landschaft ist fortan wieder sehr schön, die Strasse leider oft um so schlechter. Immer im Tal zwischen zwei Bergketten, dem Verlauf des zunächst noch ausgetrockneten Flusses folgend, führt uns die Strasse Richtung Norden. Es ist wieder ein sehr warmer Tag heute. Als wir zur Mittagszeit ein kleines Dorf erreichen nutzen wir die Gelegenheit natürlich für eine Teepause. Mit jedem Kilometer den wir immer leicht bergan weiter durch die Berge fahren, füllt sich der Fluss langsam mit Wasser. Die zunächst nur kleinen Pfützen werden nach und nach zu immer größeren Wasserbecken. An einem dieser Wasserbecken treffen wir sogar Marokkaner die hier Angeln und ein Picknick veranstalten. Die Frauen sitzen im Schatten, die Männer sitzen mit ihren Söhnen am Wasser und Angeln. Wir unterhalten uns ein wenig mit ihnen und fahren schliesslich weiter.

Am frühen Nachmittag beginnen wir uns nach einem schönen Schlafplatz umzusehen. Nach einigen Kilometer finden wir am Strassenrand ein ausgedehnte Oase, die sich weit entlang eines ausgetrockneten Flussbeets erstreckt. Eine Piste zweigt von der Strasse ab und führt uns entlang des Flussbeets zu einer herrlichen Stelle am Rande der Oase. Wir bauen unser Zelt auf und verbringen noch einige schöne Stunden in der warmen Nachmittagssonne. Wir spielen Karten und kochen und als die Sonne schon lange hinter den Bergen untergegangen ist, sitzen wir immer noch draussen und geniessen den warmen Abend. Die Temperaturen sind wunderbar mild und der Himmel voller Sterne.

  • Tageskilometer: 60km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,5 km/h
  • Anstieg gesamt: 800m
  • Fahrzeit: 4 h 8 min
  • Übernachtung auf 980m

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