Mit dem Rad durch Marokko – 10. Etappe

Um heute ein etwas längere Pause zur Mittagszeit machen zu können und so der größten Hitze zu entgehen, haben wir den Wecker heute noch etwas früher gestellt. Zum Frühstück gibt es Bannock und Müsli; noch reicht das Benzin. Auf unseren morgendlichen Kaffee müssen wir aufgrund von Wassermangel aber leider verzichten. Zügig packen wir unsere Sachen zusammen und sitzen bereits um 8:30 Uhr auf den Rädern. An einem Friedhof vorbei geht es weiter Richtung Norden; weiter in die Berge.

Wir kommen gut voran und gönnen uns daher an der Kreuzung nach Agdz an einem Campingplatz im Schatten eines Beduinenzelts ein zweites Frühstück. Minztee, hausgemachtes Brot und Datteln. Endlich gibt es mal Datteln. Wir pausieren noch etwas im Schatten des Zeltes und starten schliesslich den Aufstieg in die Berge. Unser Weg führt nun in östlicher Richtung steil bergauf und das auch noch auf der schlechtesten Strasse der bisherigen Reise. Der Asphalt ist sehr rau und mit einer endlosen Anzahl von Schlaglöchern durchsetzt. Bis auf 1400m geht es hinauf. Doch haben solche Strapazen auch immer etwas gutes und so werden wir mit einem tollen Ausblick auf die immer noch schneebedeckten Gipfel Hohen Atlas belohnt.

Hier oben finden wir schliesslich auch den Grund für den schlechten Strassenzustand. Mitten in den Bergen befindet sich eine riesige Kobaltmine, die von zahlreichen LKW’s angefahren wird und denen wir im weiteren Verlauf der katastrophalen einspurigen Strasse immer wieder ausweichen müssen.

Wir kommen schliesslich an eine Abzweigung. Die rechte Strasse führt direkt nach Zagora, ist jedoch nur auf der Hälfte des Weges asphaltiert. Die linke Strasse führt zunächst nach Agdz und dann durch das Draa-Tal ebenfalls weiter nach Zagora. Wir biegen links an in Richtung Agdz und welch’ ein Segen; ein komplett neu asphaltierte Strasse führt uns von nun an immer leicht bergab in Richtung Agdz. Und auch die Vegetation ändert sich schlagartig. Waren die Hänge zuvor karg und nur von Felsen bedeckt, so ist die Strasse nun auf vielen Kilometer von herrlich blühenden Frühlingsblumen gesäumt. Jetzt passt wirklich alles. Die Strasse ist in einem ausgezeichneten Zustand, es geht bergab, die Luft duftet nach Blumen und wir können mit all’ unseren Sinnen die Landschaft geniessen. Nur leider machen uns unsere Wasservorräte schon bald einen Strich durch die Rechnung, sie sind nämlich so gut wie aufgebracht. Ich schaue auf die Karte. Der nächste Ort ist Tasla. Wir hoffen dort Wasser zu bekommen. Nach einigen Kilometern nähern wir uns schliesslich dem kleinen Ort. Die Strasse selbst führt jedoch am Ort vorbei. Wir zweigen daher an einer kleinen Seitenstrasse von der Hauptstrasse ab und fahren in den, auf einem kleinen Hügel gelegenen Ort. Lange fahren wir durch den Ort, er wirkt fast wie ausgestorben. Erst nach einer Weile finden wir ein winziges Lädchen, müssen jedoch mit entsetzen feststellen, dass es kein Wasser gibt. Wir suchen weiter. Vergeblich.

Im ganzen Ort ist kein Wasser aufzutreiben, aber wir haben keine andere Wahl, wir müssen weiter und so fahren wir zurück zur Hauptstrasse. Doch plötzlich haben wir doch noch Glück. Bereits ein kleines Stück hinter Tasla finden wir direkt an der Strasse einen Campingplatz. “Wenn wir hier jetzt Wasser bekommen, hätten wir uns die ganze Suchaktion in Tasla sparen können” denken wir uns. Auf dem Platz werden wir direkt von einem sehr netten älteren Mann willkommen geheißen. Auf unsere Frage, ob es hier Wasser zu kaufen gäbe, zeigt er nur auf einen Wasserhahn. “Na ja, nicht gerade optimal”. Doch er überlegt kurz  und sagt wir sollen ihm folgen. In einem Lagerraum am Rande des Platzes findet er tatsächlich noch eine Flasche Wasser, die er uns verkauft. Lange wird das nicht reichen und so kommt unser Wasserfilter endlich mal zum Einsatz. Wir bestellen uns zunächst noch etwas zu essen und filtern in der Zwischenzeit noch mehrere Liter des Leitungswassers. Der Mann leistet uns Gesellschaft und zeigt sich sehr interessiert an unserer Reise und natürlich auch an unserem Wasserfilter.

Gestärkt, erholt und mit ausreichend Wasser geht es zurück auf die Strasse.

Die größte Hitze des Tages ist vorbei und wir radeln genüsslich dem Ende des Tages entgegen.

Von der Strasse aus sehen wir in der Ferne eine winzige, aus nur ein paar Palmen bestehende, Oase inmitten eines ausgetrockneten Flussbeets und denken uns: “Da wollen wir übernachten”. Wir verlassen die Strasse und sieben unsere Räder durch Sand und über Steine zu den Palmen. Was aus der Ferne bereits gut aussah, ist aus der Nähe betrachtet noch viel besser. Ein begehbares Palmenhaus.

Wir bauen unser Zelt auf und kochen uns eine letze Mahlzeit. Es ist zum Glück nicht mehr weit nach Agdz, wo wir morgen hoffentlich unser Benzin nachfüllen können. Zum Sonnenuntergang erkunden wir noch ein wenig die Umgebung und steigen auf die umliegenden Berge.

Die Nacht ist ruhig, sternenklar und frisch…

  • Tageskilometer: 68km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 15 km/h
  • Anstieg gesamt: 990m
  • Fahrzeit: 4 h 34 min
  • Übernachtung auf 940m
  • Tiefsttemperatur: 4 °C

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