Mit dem Rad durch Marokko – 11. Etappe

Nach einer ruhigen Nacht stehen wir etwas verspätet gegen 6:30 auf. Wir gehen den Tag gemütlich an, das heisst ich nutze das wunderbare Licht des Morgens und gehe erst einmal eine Runde fotografieren, Anja wärmt sich in den ersten Sonnenstrahlen. Zum Frühstück treffen wir uns wieder in unserem Palmenhaus. Wirklich ein fantastisches Plätzchen.

Routinemäßig packen wir unser Zelt zusammen und verabschieden uns von unserem tollen Schlafplatz. Der Wetter ist herrlich und die Temperaturen bereits zu dieser frühen Stunde angenehm warm.

Zunächst geht es entlang des ausgetrockneten Flussbetts zurück auf die Strasse. Von hier aus sind es noch 23 km bis nach Agdz, wo wir hoffentlich endlich unsere Benzinflasche auffüllen können. Die Strasse führt entlang der Bergketten meist leicht bergab und so erreichen wir schon bald die ersten Häuser der Stadt. An der ersten Tankstelle lassen wir unsere Flasche für 3 Dirham mit Benzin auffüllen und werden auch prompt von einem Teppichhändler angequatscht, der uns zu einem Tee in seinen Teppichladen einlädt. Wir probieren im klar zu machen, dass wir mit dem Fahrrad unterwegs sind und unsre Möglichkeiten einen Teppich zu transportieren eher begrenzt sind, aber er lässt nicht locker. Zuerst fahren wir mit ihm, er ist auch mit dem Rad unterwegs, noch ein Stück weiter, können in dann aber, als wir uns für ein zweites Frühstück in ein Restaurant am zentralen Platz der Stadt setzen, endlich abwimmeln. Wir essen Käsebrot und trinken einen Tee.

Wir sind erstaunt wie groß die Stadt ist, beziehungsweise wie groß sie uns vorkommt. Nach Tagen der Ruhe und Einsamkeit sind wir von den vollen Strassen regelrecht erschlagen. Uns sind die kleinen Dörfer wesentlich lieber als die Städte, die Atmosphäre entspannter, die Menschen herzlicher und weit und breit keine aufdringlichen Teppichhändler, die einen anquatschen und ihr Zeug loswerden wollen. Wir beschliessen daher auch recht bald wieder weiter zu fahren, raus aus der Stadt. Am CTM-Büro auf der anderen Seite des Platzes erfrage ich noch schnell die Busverbindungen von Zagora nach Tarroudant. Die Verbindungen scheinen reibungslos zu funktionieren und so steht unsere Entscheidung fest, durch das Draa-Tal weiter nach Zagora zu fahren, aber nicht ohne vorher noch Wasser, Süßigkeiten sowie Datteln auf dem Markt zu kaufen.

Gerade als wir losfahren, kommt der Teppichhändler von vorhin wild gestikulierend auf uns zu gerannt, ruft etwas von “Tee, Einladung und Gastfreundschaft”, aber wir kümmern uns nicht weiter um ihn, treten kräftig in die Pedale und lassen den Trubel der Stadt hinter uns.

Die Strasse führt uns nun weiter Richtung Süden. Das Tal links und rechts des des Draa Flusses ist eine einzige, riesige Oase und dementsprechend dicht besiedelt. Immer wieder gibt es kleinere Anstiege zu überwinden, die uns mit fantastischen Blicken auf die ausgedehnten Oasen inmitten dieser kargen Berg- und Wüstenlandschaft belohnen.

Am frühen Nachmittag finden wir eine Gelegenheit einen Tee zu genießen. Im Schatten eines schönen Beduinenzeltes machen wir Rast und entgehen so der heissen Mittagssonne. Ein neugieriger Hahn und seine zwei Hennen leisten uns Gesellschaft.

Bevor es weiter geht nutzen wir noch die Waschgelegenheiten, die wir hinter dem Beduinenzelt; fließendes Wasser, welch’ ein Luxus. So erfrischt geht es voller Elan weiter durch das Tal: Oase reiht sich an Oase, Dorf reiht sich an Dorf. Das Draa-Tal ist mit Abstand die am dichtesten besiedelte Region unserer bisherigen Reise.

Plötzlich tauchen hinter einer Kurve zwei Radfahrer auf. “Die kennen wir doch”, denken wir uns. Tatsächlich, es sind die beiden Holländer, die wir bereits am ersten Tag der Reise getroffen haben. Wir unterhalten uns eine Weile an der Strasse und tauschen Erlebtes aus. Die beiden haben eine ähnliche Route hinter sich, sind jedoch nicht wie wir in Foum-Zguid nach Norden abgebogen, sondern über die Wüstenpiste nach M’hamid gefahren. Drei harte Tage wie die beiden zu berichten wissen.

Gegen Nachmittag sind immer mehr Menschen entlang der Strasse unterwegs. Ein völlig ungewohntes Gefühl inmitten so vieler Menschen zu sein. Die Männer sitzen in Gruppen im Schatten der Häuser, die Frauen sind größtenteils mit Wäsche waschen beschäftigt oder erledigen Arbeiten in den Oasen, die Kinder, die nun Schulfrei haben, spielen am Strassenrand, winken uns zu und haben ihren Spass daran uns hinterher zu laufen.

Als die Sonne schon lange Schatten wirft beginnen wir Ausschau nach einem Zeltplatz zu halten. Inmitten dieses dicht besiedelten Tals keine leichte Aufgabe. Eigentlich würden wir gerne wieder in einer Oase übernachten, diese sind hier hier aber so intensiv bewirtschaftet, so dass wir die Strasse stattdessen rechter Hand verlassen, die Oasen und die Dörfer hinter uns lassen und etwas raus in die Wüste fahren. Wir folgen zunächst einen kleinen Trampelpfad und lassen den Trubel schnell hinter uns. Einzig ein Nomadenzelt steht hier draussen in der weiten Ebene, aber auch das lassen wir noch links liegen und erspähen schliesslich in einiger Entfernung einen einsamen Baum mitten im Nichts. Hier lassen wir uns nieder und bauen unser Zelt auf.

Gerade als unser Zelt steht kommt noch ein Hirte mit seiner Herde Ziegen vorbei. Er grüßt uns nett und läuft weiter zum Nomadenzelt. Einen netten Nachbarn haben wir also auch.

Pünktlich zum Sonnenuntergang beginnen wir mit dem Kochen. Wir experimentieren ein wenig und bereichern unser Bannock heute mit Datteln. Wow, wie das schmeckt!

Bald schon ist die Sonne hinter den Bergen verschwindet und die Dunkelheit breitet sich aus. Wir liegen noch lange in der warmen Nacht vor dem Zelt, bewundern den unglaublichen Sternenhimmel und zählen die Sternschuppen.

  • Tageskilometer: 75km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 17 km/h
  • Anstieg gesamt: 620m
  • Fahrzeit: 4 h 20 min
  • Übernachtung auf  760m

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One thought on “Mit dem Rad durch Marokko – 11. Etappe

  1. Wow, ich las gerade den Artikel und am meisten hat mich die morgendliche Aussicht sowie die Nächtliche Aussicht auf den Sternenhimmel fasziniert. Einfach unglaublich!
    Es ist genauso schön wie in Australien. Nur auf eine andere Weise. Ich finde jeder sollte die Chance haben so etwas zu erleben. :-)

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