Mit dem Rad durch Marokko – 12. Etappe

So mild wie die Nacht war beginnt auch der frühe Morgen. Noch vor Sonnenaufgang, mittlerweile etwa 20 Minuten früher als noch zu Beginn unserer Reise, wachen wir auf. Wir frühstücken zunächst in aller Ruhe mit Kaffee und Schokopfannkuchen, um anschliessend ebenso entspannt und routiniert unsere Sachen zu packen. Kaum sind wir fertig, kommt uns der nette Hirte vom Vorabend mit seiner Herde entgegen. Wir grüßen uns gegenseitig und rollen mit unseren Rädern zurück zur Strasse.

Heute morgen ist es viel ruhiger und weitaus weniger hektisch auf der Strasse, auch der Verkehr hält sich im angenehmen Rahmen. Und das allerbeste, wir haben Rückenwind und kommen so ziemlich flott voran. Leider finden wir auf der gesamten Strecke nach Zagora kein Café mehr. Das heiß ersehnte zweite Frühstück fällt daher erstmal aus. Kurz vor Zagora erreichen wir eine Anhöhe, die uns einen Wahnsinnsblick über die Oase beschert. Wir verweilen noch einen Moment und rollen schliesslich den Toren der Stadt entgegen, die uns, wie fast jede Stadt, mit jeder Menge Müll am Strassenrand empfängt. Über breite und glatte Strassen fahren wir weiter in’s Zentrum und setzen uns in das erstbeste, leider sehr entäuschende, Café. Wir bekommen ein winziges Brot serviert, Tee aus schicken Gläsern, nicht wie sonst aus den üblichen Kännchen und Zucker aus abgepackten Tüten; das alles natürlich zu völlig überteuerten Preisen. “Nix wie weg von hier” denken wir uns. Der Trubel auf den Strassen erschlägt uns. Ständig werden wir angequatscht, ob wir einen Teppich kaufen oder in ein Hotel mitfahren wollen. Ich habe es ja bereits erwähnt, uns sind die kleinen Dörfer eindeutig lieber als diese aufdringlichen, touristischen Zentren und so treten wir in die Pedale, durchqueren die Stadt und suchen uns etwas ausserhalb einen Campingplatz. Am Rande einer Oase werden wir fündig. Der Platz ist wunderschön, ruhig gelegen und wird von netten jungen Kerlen geführt, die uns sehr nett bewirten und uns sogar einen Tisch und zwei Stühle organisieren.

Wir bauen schnell unser Zelt auf und springen unter die eiskalte Dusche, um dann erfrischt und entspannt im Schatten der Dattelpalmen die Mittagshitze zu ertragen. Wir wundern uns über Franzosen, die ihre Wäsche in der eigens mitgebrachten Waschmaschine waschen, dösen ein wenig und kochen uns noch ein kleines Mittagessen.

Am späten Nachmittag setzen wir uns noch einmal auf die Räder. Etwas ausserhalb der Stadt soll, es ein paar schöne Dünen geben, denen wir noch einen Besuch abstatten wollen. Aber zuvor gibt es noch zwei Dinge zu erledigen. Tee trinken, diesmal in einem vernünftigen Café ausserhalb der Stadt, und im CTM-Büro die Bustickets für die morgige Fahrt nach Taroudannt besorgen. Mit den Tickets in der Tasche fahren wir raus zu den Dünen und geniessen das Ende des Tages, der sich mit einem perfekten Sonnenuntergang von uns verabschiedet.

Mit einsetzender Dunkelheit fahren wir zurück an den Rand der Stadt. Unser Hunger treibt uns in’s “Chez Ali”, wo wir in einem tollen Ambiente draussen im Garten zwei brutzelnde Tajine serviert bekommen. Als Vorspeise verdrücken wir noch jede Menge Oliven, 2 Brote und köstlichen, süssen Tee.

Wieder zurück auf dem Campingplatz schaffen wir es tatsächlich noch unsere letzten Vorräte an Schokopfannkuchen zu verdrücken und fallen gegen 22 Uhr in’s Zelt. Morgen früh geht es in einer fast 10-stündigen Busfahrt nach Taroudannt.

Uns erwartet die mit Abstand heißeste Nacht der Reise. Das Einschlafen fällt angesichts der Temperaturen nicht leicht. Wie heiß ist es hier wohl erst im Sommer?

  • Tageskilometer: 62km
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 17 km/h
  • Fahrzeit: 3 h 40 min

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