Ammergauer Überschreitung – 1. Etappe

Der Wecker klingelt um 6 Uhr und ein erster Blick aus dem Zelt zeigt, der Tag beginnt wie der gestrige endete, neblig und nass. Dennoch, voller Tatendrang geht es raus aus dem Zelt. Wir frühstücken, bauen unser Lager ab und starten in den Tag.

Entlang der Landstrasse geht es zurück nach Hohenschwangau. Eigentlich müsste links von uns Schloss Neuschwanstein inmitten seiner wunderbaren Alpenkulisse zu sehen sein, aber der dichte Nebel lässt dies nicht zu. Wir sehen nichts von all dem, kein Schloss, keinen einzigen Berg, nichts ausser grauem Nebel.

Zu dieser frühen Stunde hat sich noch kein Tourist hierher verirrt, die Parkplätze sind, wie gestern Abend auch, alle leer und so beginnen wir völlig ungestört über eine Asphaltstrasse den Aufstieg zum Schloss Neuschwanstein.

Als wir schliesslich am Fuße des Schlosses stehen, machen wir eine erste, kurze Pause. Direkt unterhalb des Schlosses gibt es eine kleine Aussichtsplattform, von der aus sich mit etwas Phantasie die Umrisse des Schlosses im Nebel erkennen lassen.

Als wir weiter gehen tauchen nach und nach auch die ersten Touristengruppen auf. Aska ist mit ihrem schicken roten, von Peter selbst entworfenem Regencape der absolute Hingucker und zieht dementsprechend alle Blicke auf sich. Wir umrunden das Schloss und erreichen die Marienbrücke, aber auch von hier sind nicht mehr als die Konturen des Schlosses im Nebel zu erkennen.

Von hier an lassen wir für die nächsten Tage endlich den Asphalt hinter uns und tauchen ein in die Bergwelt der Ammergauer Alpen. Auf schmalen Pfaden, eingerahmt von herrlich grünen Wäldern geht es über feuchte Wurzeln und nasse Steine nun stetig bergauf. Die Luft ist wunderbar frisch, aber die Luftfeuchtigkeit von 100% macht uns zu schaffen und so kommen wir gut ins Schwitzen. Teilweise direkt am Abhang windet sich der Weg in zahllosen engen Serpentinen immer weiter nach oben. Die Aussicht wäre mittlerweile bestimmt phänomenal, wenn…, ja richtig, wenn der Nebel nicht wäre. Als der Weg langsam flacher wird, näher wir uns dem Tegelbergkopf und haben somit einen Großteil des Aufstiegs für heute geschafft. Wir gönnen uns noch eine kleine Pause und futtern unsere selbstgemachten Müsliriegel.

Weiter geht es in mehr oder weniger flachem Gehgelände, bis kurz vor dem Tegelberghaus noch ein steiler, aber nur kurzer Anstieg zu bewältigen ist. Am späten Vormittag erreichen wir das Tegelberghaus auf knapp über 1700 m. In der Hütte angekommen legt der Hüttenwirt gerade Holz in den Ofen. Wir machen es uns am benachbarten Tisch gemütlich und entspannen eine Weile.

Bevor wir uns wieder auf dem Weg machen füllen wir noch unsere Wasservorräte für den Rest des Tages auf. Das “Kein Trinkwasser“-Schild über dem Wasserhahn wird dabei von uns ignoriert.

Auf schmalen Pfaden geht es an teilweise sehr steile Abhängen entlang weiter durch den Nebel. Nach einer Weile erreichen wir die Abzweigung Richtung Ahornspitze. In Anbetracht der Wetterlage entscheiden wir uns einstimmig gegen einen Gipfelabstecher und folgen dem Pfad stattdessen in Richtung Ahornsattel. Am Sattel angekommen nehmen wir uns etwas Zeit für eine kleine Stärkung und trauen unseren Augen kaum als die dichte Nebelwand plötzlich aufreisst und den Blick auf die umliegenden Berge freigibt. Der Himmel ist zwar weiterhin mit dichten Wolken bedeckt, aber immerhin können wir endlich mal weiter als 20m voraus schauen. Die Freude währt jedoch nur kurz, denn schon als wir weiter gehen ziehen bereits die ersten Wolken wieder dicht über unsere Köpfe hinweg, um uns von nun an im weiteren Verlauf des Tages in regelmäßigen Abständen immer mal wieder die Sicht zu rauben.

Unterhalb des Straußbergköpfl führt der Weg im ständigen Wechsel aus An- und Abstiegen zum Niederstraußbersattel, einer von Bergen eingerahmten, weitläufigen Wiesenlandschaft. Eigentlich wäre genug Zeit um noch etwas weiter zu laufen, aber der erste Gipfel der Tour, die Krähe, ist nicht mehr weit, das Wetter für einen Gipfelaufstieg aber immer noch alles andere als optimal. Wir beschliessen daher uns hier, trotz der frühen Stunde, einen Platz für die Zelte zu suchen und morgen, bei hoffentlich besserem Wetter, weiter zur Krähe zu laufen.

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