Ammergauer Überschreitung – 2. Etappe

Das strahlende Gelb im Inneren das Zelts lässt beim aufwachen bereits erahnen, was sich beim ersten Blick aus dem Zelt bestätigt. Der Nebel hat sich über Nacht verzogen; über uns ein strahlend blauer Himmel. Bei dem Wetter hält es uns natürlich nicht lange im Zelt. Schnell Schlafsack und Isomatten zusammen packen und raus an die Sonne. Beim Frühstück geniessen wir die ersten wärmenden Strahlen, der gerade über die umliegenden Berge steigenden Sonne, und hoffen, dass sich das Wetter den Tag über hält. Etwas skeptisch sind wir zugegebenermassen schon und so lassen wir uns auch gar nicht viel Zeit, sondern packen recht bald unsere Sachen zusammen und machen uns auf den Weg. Doch bevor es richtig los geht nutzen wir den, in unmittelbarer Umgebung fließenden, natürlich eiskalten Bach noch für eine ausgiebige Morgenwäsche und füllen unsere Wasservorräte auf. Die nächste Möglichkeit mit Sicherheit an Wasser zu kommen ist die Brunnenkopfhütte. Da wir diese aber frühestens in eineinhalb Tagen erreichen werden, muss das Wasser bis dahin reichen. Mit 5 Litern Wasser im Rucksack brechen wir schliesslich auf.

In einer langgezogenen Kehre am Niederen Straußberg gewinnen wir langsam an Höhe bis sich der Weg schliesslich Richtung Norden wendet. Passieren eine mächtige, zu dieser Zeit noch völlig im Schatten liegende, senkrecht abfallende Felswand und erreichen bald darauf den Schwangauer Kessel. Von hier ergeben sich schöne Ausblicke auf den bereits hinter uns liegenden Niederstraußbergsattel sowie auf das Alpenvorland, das jedoch unter einer dichten Wolkendecke liegt. Es folgt die erste konditionell herausfordernde Stelle das Tages. In unzähligen, engen Kehren geht es nun steil bergauf zum Gabelschroffensattel. Das Alpenvorland liegt zwar unter dichten Wolken, aber ab etwa 1500m Höhe herrscht strahlender Sonnenschein, der uns beim Aufstieg ordentlich ins Schwitzen kommen lässt. Der mit jeder gewonnenen Kehre aber immer schöner werdende Ausblick entschädigt uns dafür. Vom Gabelschroffensattel ist es nicht es nicht mehr weit bis zum ersten Gipfel der Tour, der Krähe. Der kurze Weg dahin sollte aber noch für ordentlich Aufregung sorgen. Kurz hinter dem Gabelschroffensattel sind zwei steile Altschneefelder zu queren. Als Anja, die gerade vorne läuft, den zweiten Schritt auf dem Schneefeld macht, gibt der Schnee plötzlich nach. Anja stürzt und kommt ins rutschen. Auf unser Zurufen hin dreht sie sich in die Liegestützposition und schafft es glücklicherweise ihren Sturz schnell zu bremsen, der ansonsten 20m weiter unten an den angrenzenden Felsen ein wahrscheinlich unschönes Ende gefunden hätte. Wir eilen mit der nötigen Vorsicht herbei und helfen ihr wieder auf die Beine. Alles noch mal gut gegangen. Auf die Schneefelder folgt noch eine kleine, für Abwechslung sorgende Kletterstelle und schliesslich stehen wir kurz unterhalb des Gipfels. Über Wegloses Wiesengelände geht es die letzen Meter zum Gipfel der Krähe (2012m).

Die Bedingungen am Gipfel sind traumhaft. Stahlender Sonnenschein und eine gute Weitsicht Richtung Süden. Klar, dass wir unter diesen Voraussetzungen erst einmal eine ausgiebige Pause für ein zweites Frühstück einlegen. Zunächst sind wir noch allein auf dem Gipfel, doch schon bald gesellen sich nach und nach immer mehr Krähen zu uns. Der Berg macht seinem Namen alle Ehre. Die anfänglich noch etwas scheuen Tiere legen ihre Skepsis uns gegenüber jedoch bald ab und fressen die ihnen von uns hingehaltenen Brotkrümmel sogar aus der Hand. Ein scheinbar besonders begabtes Exemplar fängt ihm zugeworfene Krümmel elegant direkt aus der Luft. Wir vertreiben uns mit den Tieren noch ein wenig die Zeit und machen uns daraufhin auf zur nächsten Herausforderung des Tages; der Überschreitung der Hochplatte.

In noch gemächlichem Gelände geht es bergab bis zum Fensterl, einem Felsenfenster genau zwischen Krähe und Hochplatte. Hier beginnt auch der Einstieg in den Westgrat der Hochplatte, der teilweise über sehr exponierte Stellen zum Gipfel führt. Die am Vormittag noch weit unterhalb im Alpenvorland hängenden Wolken drängen immer weiter in den Süden vor und stauen sich nun an den senkrechten Nordwänden von Krähe und Hochplatte. Eine Gratwanderung an der Grenze zwischen Nebel und Sonnenschein beginnt. Immer wieder sind kleinere Kletterpassagen zu meistern, sei es bergauf oder bergab. Die ausgesetzten Stellen erfordern Trittsicherheit und natürlich Schwindelfreiheit, machen den Weg aber erst interessant. Als wir schliesslich den Gipfel der Hochplatte (2082m) erreichen, stehen wir leider mehr oder weniger im Nebel. Der Weg über den Westgrat hat die Besteigung der Hochplatte dennoch zu einem überaus spannenden Erlebnis werden lassen.

Wir halten uns nicht lange auf dem Gipfel auf und beginnen den Abstieg über den leider weniger spektakulären Ostgrat. Der Weg ist zu Beginn noch ausgesetzt, die Stelle aber abgesichert, und führt bald darauf durch dichtes Erlengestrüpp und ein sich daran anschliessendes Geröllfeld. Wir erreichen das Weitalpjoch und lassen den Abstieg von der Hochplatte damit hinter uns. Auf gemütlichen Wanderwegen geht es weiter Richtung Norden bis der folgende Anstieg uns zum Lösertaljoch bringt und umrunden daraufhin eine gewaltige Mulde zwischen dem Vorderscheinberg und dem Hasentalkopf. Die Höhenmeter des Tages und die schweren Rucksäcke machen sich langsam bemerkbar, insbesondere Aska ist fix und fertig und so legen wir in der Nähe der verfallenen Kesselhütte noch eine Pause ein.

Von hier aus geht es in steilen Serpentinen mehrere hundert Meter bergab zum Bäckenalmsattel, von dem aus es ebenso steil, dieses mal jedoch auf matschigen Wegen, eben diese mehreren hundert Meter wieder bergauf geht. Oben angekommen sehnen wir uns nach einem Lagerplatz. Das Gelände hier oben eignet sehr gut. Halbwegs ebene Wiesen und einen schönen Ausblick auf die gegenüberliegenden Berghänge sowie in das ganze Sägertal. Gerade als gegen Abend wieder dichter Nebel aufzieht bauen wir in der Nähe des Abhangs unsere Zelte auf, kochen noch ein Abendessen und verziehen uns aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters schnell in die Zelte. Es kommt Wind auf und kurz darauf beginnt es zu regnen.

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