Ammergauer Überschreitung – 4. Etappe

Nach dem Gewitter bleibt die restliche Nacht ruhig und so kommen wir am Morgen gut erholt und ausgeschlafen aus den Zelten. Das Frühstück geniessen wir mit den ersten wärmenden Strahlen der im Osten aufgehenden Sonne. Unglaublich was gestern passiert ist. Zelten bei Gewitter, immer wieder ein einprägsames Erlebnis, auf das man aber eigentlich gut verzichten kann. Nach einem regen Erlebnisaustausch packen wir zum letzten Mal unser Equipment und ziehen weiter.

Über Stock und Stein geht es zunächst im stetigen Wechsel leicht bergauf, leicht bergab den Weg weiter. Alles ist ziemlich nass und matschig vom Vorabend. Der weitere Wegverlauf ist dennoch sehr schön, verlangt aber aufgrund der Bodenbeschaffenheit einige Konzentration und Trittsicherheit. Kaum haben wir uns warm gelaufen führt uns unser Weg auch schon hinunter zur August-Schuster-Hütte. Hier gönnen wir uns ein zweites Frühstück.

Gestärkt machen wir uns startklar für den letzten Abschnitt der Tour. Immer gratnah und mit einem tollen Ausblick geht es mal rechts, mal links des Grates immer weiter in Richtung Oberammergau.

Unser nächstes und leider auch schon vorletztes Gipfelziel ist die Sonnenspitze. Schon bald erreichen wir die entsprechende Abzweigung zum Gipfel. Von hier aus geht es über einen steilen Pfad auf den schmalen Gipfelgrat und schliesslich weiter zum Gipfel der Sonnenspitze, ein Berg der seinem Namen heute alle Ehre macht. Uns erwartetet ein herrlicher Ausblick bei bestem Wetter und lassen wir es uns natürlich nicht nehmen hier erst mal eine kurze Pause einzulegen.

Über den gleichen Pfad geht es zunächst wieder bergab. Der nun folgende Weg ist leicht zu begehen und gut ausgetrampelt. Wir peilen wie geplant den Aufstieg zum Kofel an. Schnell verlieren wir an Höhe und unterschreiten die Baumgrenze. Im dichten Wald geht es von nun an schnell voran. Immer wieder können wir durch das Laub des Waldes den Gipfel des Kofels erahnen und ehe wir uns versehen stehen wir bereits an der Abzweigung zum Gipfelaufstieg. Die Nähe Oberammergaus ist nicht zu übersehen. Dutzende Ausflügler tummeln sich hier in den Bergen.

Wir stehen nun an der Einstiegsstelle zum Kofel, eine steile Flanke mit Drahtseilen, die zu queren ist. Gut gesichert und etwas ausgesetzt geht es weiter hoch über eine Felsrinne zum Gipfelplateau. Der Gipfel ist völlig überlaufen und wir versuchen etwas abseits ein ruhiges Plätzchen für eine Rast zu finden. Mit einem tollen Blick auf  Oberammergau futtern wir unseren letzten Proviant.

Der Weg bergab führt uns in Serpentinen durch den Wald. Schnell sind wir im Tal angekommen und folgen dem Weg am Ufer der Ammer in Richtung des Ortes. Bis zur Abfahrt des Buses verbleiben noch 2 Stunden, also lassen wir es uns nicht nehmen uns in der Ammer noch ein Bad zu gönnen. Wir werfen die Rucksäcke ins hohe Gras und springen in das eiskalte Wasser des Flusses. Eine herrliche Erfrischung und das perfekte Ende  einer gelungenen Tour.

Incoming search terms for the article:

Ammergauer Überschreitung – 3. Etappe

Wieder erwartet uns ein neuer sonniger Tag. Nach einem üppigen Frühstück vor unseren Zelten fangen wir an unsere Sachen einzupacken. Während jeder mit seinem Hab und Gut beschäftigt ist, streunert Aska einwenig umher. Wir geniessen den herrlichen Ausblick.

Plötzlich fliegt ein Schlafsack an mir vorbei. Ich schaue ihm hinterher und sehe ihn in Richtung Abgrund rollen. Peter hinterher, es ist seiner. Doch der Schlafsack rollt den Berg runter. Er rollt und rollt und rollt bis ins Tal hinab. Schier endlos schauen wir drei dem Schlafsack fassungslos hinterher, bis wir ihn nicht mehr sehen. Innerlich verabschiede ich mich schon von dem guten Stück und biete Peter zum Zudecken eine Zeitung an.

Peter kann sich nicht so einfach von dem Schlafsack trennen, immerhin sind die Nächte bis jetzt recht frisch gewesen. So steigt Peter dem Schlafsack nach. Unverantwortlich nimmt er den steilen Hang, wie sein Schlafsack auch. Schnell verlieren wir ihn aus den Augen. Ich tippe vorsichtshalber die Rufnummer von der Bergrettung. Wir bangen um Peter, auch Aska ist unruhig geworden. Nach einer halben Stunde versuchen wir Peter anzurufen. Kein Empfang. Wir probieren es wiederholt bis wir ihn erreichen. Er ist schon fast unten im Tal, vom Schlafsack leider noch keine Spur. Nach einer weiteren viertel Stunde meldet er sich mit der frohen Botschaft, er habe ihn gefunden. Für ihn jetzt nur noch den mühseligen Aufstieg von gestern und wir können nach einer eineinhalbstündigen Verzögerung endlich aufbrechen.

Uns erwartet eine weitere schöne Gratwanderung, die nicht gerade einfach ist, vor allem mit einem kleinen Hund. Hier muss man schwindelfrei sein. Die schwierigsten Kletterstellen sind gesichert und mit ein wenig Erfahrung gut zu meistern. Ein paar ausgesetzte Kletterstellen verlangen unsere volle Konzentration, denn immerhin sind wir mit schweren Rücksäcken unterwegs, die gerne an unserem Gleichgewicht zerren. Die Wanderung auf dem Grat beschert uns einen wunderbaren Rundblick. Kurz vor dem Gipfel der schroffen Klammspitze wird es voll. Viele Tageswanderer kommen uns entgegen.

Am geräumigen Gipfel machen wir eine Pause und geniessen den hervorragenden Ausblick auf die Ammergauer Gipfel und den Foggensee. Weiter im Westen zeigen sich die Allgäuer Alpen, und im Süden sieht man die Bergwelt rund um die Zugspitze. Hier verewigen wir uns im Gipfelbuch. Über eine weitere kleine Kletterstelle gelangen wir zum Südgrat. Bei diesem rutschigen Abstieg müssen wir vorsichtig sein, um keinen Steinschlag los zu treten.

Der weitere Abstieg zur Brunnenkopfhütte über ein kurzes Gehstück geht flott und so erreichen wir die Hütte nach gut einer halben Stunde. Das kühle Bier und den Kaffee haben wir uns an diesem Mittag redlich verdient. Geplant hatten wir hier unsere Wasservorräte aufzufüllen. Leider geht das nicht, da die Hütte an Wasserknappheit leidet. Wir werden an eine kleine Quelle ein paar Meter unterhalb verwiesen.

Nach dem wir unsere Wasservorräte aufgefüllt haben geht es noch ein paar Meter die Straße hinunter, bevor wir dann links in den Wald einbiegen und mit dem Aufstieg zum Hennenkopf beginnen. Leider zieht sich das schöne Wetter vom Nachmittag zu und die Sonne verschwindet hinter den aufziehenden Wolken. Gut die Hälfte haben wir geschafft. Zeit um eine kleine Pause zu machen. Wir stärken uns und wehren uns gleichzeitig gegen kleine fiese Zecken, die an unseren Hosenbeinen hoch krabbeln. Peters Spiritusvorräte neigen sich dem Ende zu. Zum Glück können wir ihm aushelfen.

Der weitere Weg, der direkt zum Hennenkopf führt, wird noch einmal richtig schön. Eine kleine Gratwanderung, die nicht wie die bisher anderen ausgesetzt ist. Latschen und Tannen säumen in lichten Abständen rechts und links den Grat. Man erkennt dennoch, dass es steil nach unten geht. Schnell haben wir die Abzweigung zu unserem zweitem Bergziel des Tages, dem Hennenkopf, erreicht. Peter mit Hund und unsere Rucksäcke lassen wir zurück und erklettern flott über eine Geröllwüste den Gipfel. Oben angekommen kommt tatsächlich noch einmal kurz die Sonne raus. Von hier oben haben wir einen herrlichen Blick zurück auf die Klammspitze im Westen und auf die Zugspitze im Süden.

Auf dem Abstieg sammeln wir unsere Rucksäcke und Peter wieder ein. Der Weg verlässt den lichten Wald und wir kommen auf eine große freie Grasfläche. Diesen Sattel haben wir schon vom Hennenkopf aus gesehen und er eignet sich perfekt für diese Nacht. Die Stelle bietet einen perfekten Ausblick auf die Zugspitze. Schnell bauen wir uns unsere Zelte auf und da unser Hunger groß ist wird auch gleich gekocht. Ein warmes Chili ist jetzt genau das Richtige.

Dicke Cummuluswolken ziehen auf. Von weitem sehen wir wie ein Gewitter an uns vorbei zieht. Ein schönes Schauspiel aus Blitzen und Regen. Uns wird mulmig. Gämse rennen an uns vorbei.

Wir bekommen Besuch. Ein netter älterer Herr in kurzen Hosen und einem langen knorrigen Wanderstock sagt uns Hallo. Wir plaudern ein wenig und erfahren, dass er hier in der Nähe seine Hütte hat. Wind zieht auf. Er lädt uns ein, falls das Gewitter zu uns zieht und wir Schutz brauchen. Er verabschiedet schliesslich sich von uns und wir bedanken uns für sein Angebot. Der aktuelle Wetterbericht zeigt uns nur Regen an. Die Regenwolken ziehen immer näher an uns vorbei. Die Himmel wird tiefschwarz. Nun hat der Wetterdienst auch für unsere Gegend eine Gewitterwarnung rausgegeben. Kaum lesen wir die Nachricht setzt auch der Regen ein und wir verkriechen uns schnell im Zelt. Der Regen wird heftiger und es gesellt sich Hagel dazu. Wir hören es donnern. Der Regen wird heftiger. Ein lauter Schlag, ein Blitz. Alles wir taghell. Der Blitz ist anscheinend nur ein paar Meter neben uns eingeschlagen. Wir hocken auf Zehenspitzen im Zelt und hoffen, dass das Unwetter schnell wegzieht. Und das tut es auch. Das Gewitter ist vorbei.

Wir schauen raus aus dem Zelt. Das Wetter hat sich wieder beruhigt und während Peter bereits schlafendend im Zelt liegt, geniessen wir zu zweit die Ruhe nach dem Sturm, als wäre nie etwas passiert.

Incoming search terms for the article:

Ammergauer Überschreitung – 2. Etappe

Das strahlende Gelb im Inneren das Zelts lässt beim aufwachen bereits erahnen, was sich beim ersten Blick aus dem Zelt bestätigt. Der Nebel hat sich über Nacht verzogen; über uns ein strahlend blauer Himmel. Bei dem Wetter hält es uns natürlich nicht lange im Zelt. Schnell Schlafsack und Isomatten zusammen packen und raus an die Sonne. Beim Frühstück geniessen wir die ersten wärmenden Strahlen, der gerade über die umliegenden Berge steigenden Sonne, und hoffen, dass sich das Wetter den Tag über hält. Etwas skeptisch sind wir zugegebenermassen schon und so lassen wir uns auch gar nicht viel Zeit, sondern packen recht bald unsere Sachen zusammen und machen uns auf den Weg. Doch bevor es richtig los geht nutzen wir den, in unmittelbarer Umgebung fließenden, natürlich eiskalten Bach noch für eine ausgiebige Morgenwäsche und füllen unsere Wasservorräte auf. Die nächste Möglichkeit mit Sicherheit an Wasser zu kommen ist die Brunnenkopfhütte. Da wir diese aber frühestens in eineinhalb Tagen erreichen werden, muss das Wasser bis dahin reichen. Mit 5 Litern Wasser im Rucksack brechen wir schliesslich auf.

In einer langgezogenen Kehre am Niederen Straußberg gewinnen wir langsam an Höhe bis sich der Weg schliesslich Richtung Norden wendet. Passieren eine mächtige, zu dieser Zeit noch völlig im Schatten liegende, senkrecht abfallende Felswand und erreichen bald darauf den Schwangauer Kessel. Von hier ergeben sich schöne Ausblicke auf den bereits hinter uns liegenden Niederstraußbergsattel sowie auf das Alpenvorland, das jedoch unter einer dichten Wolkendecke liegt. Es folgt die erste konditionell herausfordernde Stelle das Tages. In unzähligen, engen Kehren geht es nun steil bergauf zum Gabelschroffensattel. Das Alpenvorland liegt zwar unter dichten Wolken, aber ab etwa 1500m Höhe herrscht strahlender Sonnenschein, der uns beim Aufstieg ordentlich ins Schwitzen kommen lässt. Der mit jeder gewonnenen Kehre aber immer schöner werdende Ausblick entschädigt uns dafür. Vom Gabelschroffensattel ist es nicht es nicht mehr weit bis zum ersten Gipfel der Tour, der Krähe. Der kurze Weg dahin sollte aber noch für ordentlich Aufregung sorgen. Kurz hinter dem Gabelschroffensattel sind zwei steile Altschneefelder zu queren. Als Anja, die gerade vorne läuft, den zweiten Schritt auf dem Schneefeld macht, gibt der Schnee plötzlich nach. Anja stürzt und kommt ins rutschen. Auf unser Zurufen hin dreht sie sich in die Liegestützposition und schafft es glücklicherweise ihren Sturz schnell zu bremsen, der ansonsten 20m weiter unten an den angrenzenden Felsen ein wahrscheinlich unschönes Ende gefunden hätte. Wir eilen mit der nötigen Vorsicht herbei und helfen ihr wieder auf die Beine. Alles noch mal gut gegangen. Auf die Schneefelder folgt noch eine kleine, für Abwechslung sorgende Kletterstelle und schliesslich stehen wir kurz unterhalb des Gipfels. Über Wegloses Wiesengelände geht es die letzen Meter zum Gipfel der Krähe (2012m).

Die Bedingungen am Gipfel sind traumhaft. Stahlender Sonnenschein und eine gute Weitsicht Richtung Süden. Klar, dass wir unter diesen Voraussetzungen erst einmal eine ausgiebige Pause für ein zweites Frühstück einlegen. Zunächst sind wir noch allein auf dem Gipfel, doch schon bald gesellen sich nach und nach immer mehr Krähen zu uns. Der Berg macht seinem Namen alle Ehre. Die anfänglich noch etwas scheuen Tiere legen ihre Skepsis uns gegenüber jedoch bald ab und fressen die ihnen von uns hingehaltenen Brotkrümmel sogar aus der Hand. Ein scheinbar besonders begabtes Exemplar fängt ihm zugeworfene Krümmel elegant direkt aus der Luft. Wir vertreiben uns mit den Tieren noch ein wenig die Zeit und machen uns daraufhin auf zur nächsten Herausforderung des Tages; der Überschreitung der Hochplatte.

In noch gemächlichem Gelände geht es bergab bis zum Fensterl, einem Felsenfenster genau zwischen Krähe und Hochplatte. Hier beginnt auch der Einstieg in den Westgrat der Hochplatte, der teilweise über sehr exponierte Stellen zum Gipfel führt. Die am Vormittag noch weit unterhalb im Alpenvorland hängenden Wolken drängen immer weiter in den Süden vor und stauen sich nun an den senkrechten Nordwänden von Krähe und Hochplatte. Eine Gratwanderung an der Grenze zwischen Nebel und Sonnenschein beginnt. Immer wieder sind kleinere Kletterpassagen zu meistern, sei es bergauf oder bergab. Die ausgesetzten Stellen erfordern Trittsicherheit und natürlich Schwindelfreiheit, machen den Weg aber erst interessant. Als wir schliesslich den Gipfel der Hochplatte (2082m) erreichen, stehen wir leider mehr oder weniger im Nebel. Der Weg über den Westgrat hat die Besteigung der Hochplatte dennoch zu einem überaus spannenden Erlebnis werden lassen.

Wir halten uns nicht lange auf dem Gipfel auf und beginnen den Abstieg über den leider weniger spektakulären Ostgrat. Der Weg ist zu Beginn noch ausgesetzt, die Stelle aber abgesichert, und führt bald darauf durch dichtes Erlengestrüpp und ein sich daran anschliessendes Geröllfeld. Wir erreichen das Weitalpjoch und lassen den Abstieg von der Hochplatte damit hinter uns. Auf gemütlichen Wanderwegen geht es weiter Richtung Norden bis der folgende Anstieg uns zum Lösertaljoch bringt und umrunden daraufhin eine gewaltige Mulde zwischen dem Vorderscheinberg und dem Hasentalkopf. Die Höhenmeter des Tages und die schweren Rucksäcke machen sich langsam bemerkbar, insbesondere Aska ist fix und fertig und so legen wir in der Nähe der verfallenen Kesselhütte noch eine Pause ein.

Von hier aus geht es in steilen Serpentinen mehrere hundert Meter bergab zum Bäckenalmsattel, von dem aus es ebenso steil, dieses mal jedoch auf matschigen Wegen, eben diese mehreren hundert Meter wieder bergauf geht. Oben angekommen sehnen wir uns nach einem Lagerplatz. Das Gelände hier oben eignet sehr gut. Halbwegs ebene Wiesen und einen schönen Ausblick auf die gegenüberliegenden Berghänge sowie in das ganze Sägertal. Gerade als gegen Abend wieder dichter Nebel aufzieht bauen wir in der Nähe des Abhangs unsere Zelte auf, kochen noch ein Abendessen und verziehen uns aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters schnell in die Zelte. Es kommt Wind auf und kurz darauf beginnt es zu regnen.

Incoming search terms for the article:

Ammergauer Überschreitung – 1. Etappe

Der Wecker klingelt um 6 Uhr und ein erster Blick aus dem Zelt zeigt, der Tag beginnt wie der gestrige endete, neblig und nass. Dennoch, voller Tatendrang geht es raus aus dem Zelt. Wir frühstücken, bauen unser Lager ab und starten in den Tag.

Entlang der Landstrasse geht es zurück nach Hohenschwangau. Eigentlich müsste links von uns Schloss Neuschwanstein inmitten seiner wunderbaren Alpenkulisse zu sehen sein, aber der dichte Nebel lässt dies nicht zu. Wir sehen nichts von all dem, kein Schloss, keinen einzigen Berg, nichts ausser grauem Nebel.

Zu dieser frühen Stunde hat sich noch kein Tourist hierher verirrt, die Parkplätze sind, wie gestern Abend auch, alle leer und so beginnen wir völlig ungestört über eine Asphaltstrasse den Aufstieg zum Schloss Neuschwanstein.

Als wir schliesslich am Fuße des Schlosses stehen, machen wir eine erste, kurze Pause. Direkt unterhalb des Schlosses gibt es eine kleine Aussichtsplattform, von der aus sich mit etwas Phantasie die Umrisse des Schlosses im Nebel erkennen lassen.

Als wir weiter gehen tauchen nach und nach auch die ersten Touristengruppen auf. Aska ist mit ihrem schicken roten, von Peter selbst entworfenem Regencape der absolute Hingucker und zieht dementsprechend alle Blicke auf sich. Wir umrunden das Schloss und erreichen die Marienbrücke, aber auch von hier sind nicht mehr als die Konturen des Schlosses im Nebel zu erkennen.

Von hier an lassen wir für die nächsten Tage endlich den Asphalt hinter uns und tauchen ein in die Bergwelt der Ammergauer Alpen. Auf schmalen Pfaden, eingerahmt von herrlich grünen Wäldern geht es über feuchte Wurzeln und nasse Steine nun stetig bergauf. Die Luft ist wunderbar frisch, aber die Luftfeuchtigkeit von 100% macht uns zu schaffen und so kommen wir gut ins Schwitzen. Teilweise direkt am Abhang windet sich der Weg in zahllosen engen Serpentinen immer weiter nach oben. Die Aussicht wäre mittlerweile bestimmt phänomenal, wenn…, ja richtig, wenn der Nebel nicht wäre. Als der Weg langsam flacher wird, näher wir uns dem Tegelbergkopf und haben somit einen Großteil des Aufstiegs für heute geschafft. Wir gönnen uns noch eine kleine Pause und futtern unsere selbstgemachten Müsliriegel.

Weiter geht es in mehr oder weniger flachem Gehgelände, bis kurz vor dem Tegelberghaus noch ein steiler, aber nur kurzer Anstieg zu bewältigen ist. Am späten Vormittag erreichen wir das Tegelberghaus auf knapp über 1700 m. In der Hütte angekommen legt der Hüttenwirt gerade Holz in den Ofen. Wir machen es uns am benachbarten Tisch gemütlich und entspannen eine Weile.

Bevor wir uns wieder auf dem Weg machen füllen wir noch unsere Wasservorräte für den Rest des Tages auf. Das “Kein Trinkwasser“-Schild über dem Wasserhahn wird dabei von uns ignoriert.

Auf schmalen Pfaden geht es an teilweise sehr steile Abhängen entlang weiter durch den Nebel. Nach einer Weile erreichen wir die Abzweigung Richtung Ahornspitze. In Anbetracht der Wetterlage entscheiden wir uns einstimmig gegen einen Gipfelabstecher und folgen dem Pfad stattdessen in Richtung Ahornsattel. Am Sattel angekommen nehmen wir uns etwas Zeit für eine kleine Stärkung und trauen unseren Augen kaum als die dichte Nebelwand plötzlich aufreisst und den Blick auf die umliegenden Berge freigibt. Der Himmel ist zwar weiterhin mit dichten Wolken bedeckt, aber immerhin können wir endlich mal weiter als 20m voraus schauen. Die Freude währt jedoch nur kurz, denn schon als wir weiter gehen ziehen bereits die ersten Wolken wieder dicht über unsere Köpfe hinweg, um uns von nun an im weiteren Verlauf des Tages in regelmäßigen Abständen immer mal wieder die Sicht zu rauben.

Unterhalb des Straußbergköpfl führt der Weg im ständigen Wechsel aus An- und Abstiegen zum Niederstraußbersattel, einer von Bergen eingerahmten, weitläufigen Wiesenlandschaft. Eigentlich wäre genug Zeit um noch etwas weiter zu laufen, aber der erste Gipfel der Tour, die Krähe, ist nicht mehr weit, das Wetter für einen Gipfelaufstieg aber immer noch alles andere als optimal. Wir beschliessen daher uns hier, trotz der frühen Stunde, einen Platz für die Zelte zu suchen und morgen, bei hoffentlich besserem Wetter, weiter zur Krähe zu laufen.

Incoming search terms for the article:

Ammergauer Überschreitung – Anreise

Endlich ist es soweit, die Alpinsaison 2011 kann beginnen. Für den Start der Saison haben wir uns die Überschreitung der Ammergauer Alpen von Füssen nach Oberammergau vorgenommen. Viele Höhenmeter gilt es zu bezwingen, mehrere Gipfel wollen bestiegen werden und spannende Momente auf den Gipfelgraten erwarten uns. Das Wetter laut Vorhersage mehr schlecht als recht, aber wir lassen es einfach mal auf uns zukommen.



Ammergauer Alpen auf einer größeren Karte anzeigen

Zu viert, Anja, Peter, seine Jack Russel Terrier Dame Aska und meine Wenigkeit starten wir am Mittwochnachmittag in Richtung Hohenschwangau. Die Fahrt zieht sich dank schier endloser Stunden im Stau merklich in die Länge und so erreichen wir Hohenschwangau, Heimat der Königsschlösser erst am späten Abend. Den Plan heute noch mit der Tour zu starten verwerfen wir schnell und sehen uns stattdessen lieber im Tal nach einem Zeltplatz um. Zunächst gar nicht so leicht, der Ort ist klar auf große Touristenströme ausgelegt. Parkplätze gibt es um diese Uhrzeit zwar reichlich, aber mit 6€ für 5 Stunden sind uns diese dann doch etwas zu teuer. Ein paar hundert Meter außerhalb des Ortes findet sich schließlich eine Parkbucht am Rande der Landstrasse. Umgeben von blühenden Wiesen sollte es nicht schwer fallen einen Zeltplatz zu finden. Wir schnappen unsere Rucksäcke und stapfen bei einsetzender Dunkelheit und leichtem Nebel durch das kniehohe, nasse Gras. Am Rande einer Gruppe von Bäumen, etwas abseits der Strasse finden wir einen geschützten Platz mit niedrigem Gras. In der Ferne lässt sich durch den Nebel noch das beleuchtete Schloss Hohenschwangau erkennen.

Mittlerweile ist es stockdunkel. Im Schein der Stirnlampen und bei leichtem Regen bauen wir die Zelte auf, kochen uns noch ein Abendessen und verkriechen uns daraufhin in unsere Schlafsäcke. Morgen wollen wir in aller Frühe in die Tour starten.

Incoming search terms for the article:

Grand Galibier

Als wir an diesem Morgen aus dem Zelt kommen erwartet uns, wie schon am Tag zuvor, ein strahlend blauer Himmel. Beim Frühstück geniessen wir das Bergpanorama und beobachten wie sich die Sonne langsam über die umliegenden Berge erhebt und die Osthänge nach und nach in ein warmes Licht taucht. Ein toller Start in den Tag. Wir packen zusammen und brechen auf. Die Fahrt führt uns zunächst auf kleinen Nebenstrassen durch die noch verschlafene Chartreuse. Wir erreichen die Hauptstrasse und machen bei der erstbesten Boulangerie halt für ein zweites Frühstück mit Kaffee und Schokocroissant. Einfach herrlich.

Nun soll es weiter gehen zum nächsten Tourpunkt. Wir wollen in die Savoyer Alpen, genauer gesagt in das Massif des Cerces, zur Besteigung des Grand Galibier (3229 m).

Vom Col du Granier geht es über die Route des Entremonts zunächst ins Tal. Von dort aus folgen der Landstrasse parallel zur A43, bis wir bei Saint-Martin-d’Arc  die Strasse verlassen und über Serpentinen auf der D902 in Richtung Col du Galibier fahren. Nach und nach breitet sich eine beeindruckende Alpenkulisse vor uns aus. Diesen Teil der Alpen kannten wir bis jetzt noch gar nicht, sind aber sehr angetan. Einige Kilometer vor dem Col du Galibier zweigt links eine üble Schotterpiste ab. Diese führt zum Hof Les Mottets, an dem wir das Auto stehen lassen und die Tour beginnen.

Von hier aus geht es über zwei unterschiedliche Wege zunächst zum Col de la Ponsonnière und von dort aus zum Gipfel. Ein Weg verläuft im Talgrund, der andere führt zunächst über einen kleinen Umweg zum Lac des Cerces und von dort weiter zum Col de la Ponsonnière. Der Weg im Talgrund ist landschaftlich nicht sehr reizvoll und so entscheiden wir uns für den etwas längeren Weg. Am Lac des Cerces angekommen bauen wir unserer Lager für die Nacht auf. Eigentlich hatten wir geplant den Gipfel erst am nächsten Morgen in Angriff zu nehmen, aber da es noch sehr früh am Nachmittag ist und das Wetter einfach grandios ist, beschliessen wir uns gleich auf den Weg zu machen. Wir lassen alles was wir nicht unbedingt brauchen am Lager zurück und machen uns schon bald darauf auf den Weg, um rechtzeitig zum Sonnenuntergang wieder zurück am Lager zu sein.

Incoming search terms for the article:

Sangle de Fouda Blanc

Nach einer sternklaren und dementsprechend frostigen Nacht kriechen wir am Morgen recht früh aus den warmen Schlafsäcken. Die Wiese ist mit Raureif bedeckt und der Himmel erstrahlt in einem frischen Blau. Ein wunderbarer Morgen, auch wenn die Temperaturen immer noch recht frisch sind. Handschuhe wärmen die Hände und das warme Müsli zum Frühstück wärmt von innen.

Wir beginnen unser Zelt abzubauen und die Rucksäcke zu packen und als Sonne bald schon darauf bis über die Baumwipfel aufsteigt und die wärmenden Strahlen zu uns durchdringen, sind wir startklar. Wir nehmen den gestrigen Weg wieder auf, der nun sehr schnell an Höhe gewinnt. Wir lassen den Wald hinter uns und erreichen nach kurzer Zeit ein wunderschönes Hochplateau auf dem nur noch vereinzelte Tannen stehen und so ergeben sich schöne Ausblicke auf die umliegende Landschaft. Der Boden besteht teilweise aus ausgewaschenem Kalkgestein, was sehr bizarre Formen entstehen lässt. An einigen Stellen tun sich metertiefe Krater auf. Wir müssen aufpassen wo wir hintreten, um nicht abzurutschen.

Um zum Beginn des Sangle zu kommen müssen wir das gesamte Hochplateau überqueren, der Untergrund wird aber bald besser und so lässt es sich angenehm laufen. Die Sonne steht nun schon recht hoch am Himmel und die Temperaturen steigen. Auf der anderen Seite des Plateaus angekommen, finden wir einen schmalen Weg, der uns weiter bergauf führt. Wir erreichen erneut ein großzügiges Plateau mit einer fantastischen Aussicht. Dank guter Fernsicht ist auch der Mont Blanc zu erkennen, der seinem Namen alle Ehre macht und sich als weißer Riese von den umliegenden Bergen abhebt. Überall auf dem Plateau sind bizarre, durch Erosion entstandene Kalksteinformationen zu bestaunen.

Bevor es zum eigentlichen Beginn des Sangle de Fouda Blanc geht, machen wir noch einen kleinen Abstecher zum “Sommet du Pinet”, ein nahegelegener Aussichtsgipfel (1867 m). Am Gipfel angekommen ist es Zeit für eine Pause und eine kleine Zwischenmahlzeit.

Nach der Pause geht es zum eigentliche Höhepunkt des Tages. Wir folgen dem GPS-Track zunächst ein Stück zurück und verlassen bald darauf Weg. Trotz des GPS ist der Beginn des Sangle zunächst kaum zu finden, immer wieder müssen wir umkehren da es nicht weiter geht, bis wir schliesslich einen großen Spalt zwischen zwei Felsen finden. Hier müssen wir durch und anschliessend etwa 2 m am Felsen hinunter klettern um den Weg zu erreichen. Wir ziehen die Rucksäcke aus, um durch den Spalt zu passen und ich klettere vor. Anja reicht mir von oben die Rucksäcke und kommt nach. Der Anfang ist gefunden. Was zunächst noch recht harmlos beginnt, wird schon nach wenigen Metern wahrlich schwindelerregend. Höhenangst ist hier absolut fehlt am Platz. Der Weg verläuft am linken Rand des abschüssigen, schmalen Grasbands und danach der Abgrund. Mehrere Hundert Meter geht es senkrecht bergab. Die Aussicht ist fantastisch, aber es fällt zunächst schwer sie zu geniessen.

Hinter jeder Kurve ergeben sich neue, spektakuläre Blicke auf den weiteren Verlauf den Weges.

Als wir uns schliesslich dem Ende des Sangle nähern wird das Grasband langsam breiter. Der Abgrund rückt weiter weg, die Schritte werden sicherer. Wir erreichen wieder den Weg über den wir am Morgen aufgestiegen waren und machen uns auf den Weg ins Tal, um ein Plätzchen für die Nacht zu suchen.

Fazit: Sangle Wandern ist ein spektakuläres Erlebnis mit atemberaubenden Ausblicken, Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

Incoming search terms for the article:

Chartreuse

Eigentlich hatten wir  ja im September unsere Fahrradtour nach Polen geplant, da wir diese aber leider nicht antreten konnten, waren wir auf der Suche nach einer Alternative. Nach einigem hin und her brachte mich die 4-Seasons Herbstausgabe schliesslich auf die Idee in die französischen Alpen zu fahren, genauer  gesagt in eine Gebirgskette nahe Grenoble namens Chartreuse. Dieser Teil der französischen Alpen ist bekannt für seine senkrecht aufragenden Kalkfelsen, die in einer Höhe von etwa 2000 m von Grasbändern, den sogenannten “Sangles” durchzogen sind. Diese Grasbänder sind zum Teil von schmalen Wegen durchzogen, die schwindelerregende Ausblicke auf die Landschaft ermöglichen.

“Wandern am Abgrund” das Motto des Sangles Wanderns.

Die bekanntesten Sangles sind der “Sangle de Fouda Blanc”, der “Grand Sangle des Belles Ombres” und der “Sangle de Bellefont”. Jedoch war uns zunächst nicht ganz klar wo genau diese Sangles zu finden sind. Auf deutschen Internetseiten war kaum eine Information zu finden, schliesslich bin ich auf einer französischen Seite auf einige Informationen gestossen, sogar GPS-Tracks waren vorhanden. So kann nichts schief gehen. Wir entscheiden uns für den “Sangle de Fouda Blanc”, ein relativ langer und spektakulärer Sangle in der Nähe des Dorfs St. Pierre d’Entremont.

Wir fahren am frühen Morgen los, um rechtzeitig vor Ort anzukommen und die Tour noch am gleichen Tag starten zu können. An Nachmittag erreichen wir das Chartreuse und es erwartet uns bestes Wetter und die wunderbare Alpenlandschaft mit den markanten Kalkbergen. Ein Platz für das Auto ist schnell gefunden, wir schultern unsere Rucksäcke und brechen auf. Der Weg führt uns durch Wald, mal steiler, mal flacher, bis wir schliesslich nach gut 2 Stunden an einer schönen Wiese vorbei kommen.  Eine Stunde vor Sonnenuntergang macht es für heute keinen Sinn mehr weiter zu laufen, also beschliessen wir die Nacht hier zu verbringen und beenden den Tag mit einem gutem Abendessen.

Incoming search terms for the article:

Kreuzspitze

Trotz der sehr kurzen und strapaziösen Nacht wachen wir bereits wenige Stunden nach dem Einschlafen gegen 9 Uhr wieder auf. Das Wetter hat sich mittlerweile wieder beruhigt. Es ist aber weiterhin sehr bewölkt und windig. Wir sind zwar immer noch müde, doch der Hunger treibt uns aus den Schlafsäcken. Gesprächsthema Nummer 1 beim Frühstück, zwischen Martin, Anja und mir, ist, wie sollte es auch anders sein, die vergangene Nacht. Wir sind uns einig, dass die vergangene Nacht die schlimmste Nacht war, die wir jemals im Zelt verbracht haben. So etwas noch einmal zu erleben, darauf können wir gut verzichten….

…aber irgendwie fühlt es sich auch gut an, so eine Nacht überstanden zu haben.

Wir sind uns einig, noch eine Nacht verbringen wir heute nicht in den Bergen. Den für den nächsten Tag geplanten Aufstieg zum Similaun vertagen wir also auf ein anderes Mal, doch die Kreuzspitze…ja…, da wollen wir eigentlich schon noch hoch. Das Wetter ist zwar alles andere als gut, doch es scheint stabil zu sein. Um den Aufstieg zum Gipfel zügig zu schaffen, beschliessen wir unsere gesamte Ausrüstung hier unten am See zu lassen.

Wir bauen unser Lager ab, packen die Rucksäcke und deponieren sie hinter einigen Steinen.

Der Steig zum Gipfel verläuft zunächst an der Südostflanke des Berges. Schnell gewinnen wir an Höhe und so ergeben sich schöne Ausblicke über den unter uns liegenden Samoarsee und die umliegenden Bergen. Immer wieder müssen kleinere und größere Firnfelder gekreuzt werden. Dies ist jedoch problemlos.

Nach einer guten Stunde Aufstieg erreichen wir schliesslich den Südostgrat, der bis zum Gipfel hinauf führt. Ohne den Einsatz der Hände geht es hier nicht mehr so leicht weiter. Immer wieder müssen wir an größeren Felsbrocken etwas klettern um weiter zu kommen. Auch kommen wir mit jedem gewonnenen Höhenmeter immer näher an die Wolkendecke, bis wir schliesslich in den Wolken verschwinden. Wenigstens bleibt es trocken. Der Aufstieg am Grat zieht sich länger hin als erwartet, doch endlich sehen wir im dichten Nebel langsam das Gipfelkreuz erscheinen.

Von dem im Bergführer beschriebenen “Großartigen Rundblick” ist leider nichts zusehen und da der eisige Wind den Aufenthalt am Gipfel ziemlich ungemütlich macht, geht es auch schon bald wieder an den Abstieg.

Wieder am See angekommen, fängt es an stark zu regnen. Wir schnappen unsere Sachen und steigen weiter ab zur Martin-Busch Hütte, wo wir uns noch ein wenig aufwärmen, bevor es schliesslich zurück ins Tal nach Vent geht.

Incoming search terms for the article:

Kreuzspitze

Nach einer ruhigen Nacht erwartet uns der nächste Morgen entgegen aller Vorhersagen mit strahlendem Sonnenschein. Einfach traumhaft. Wir starten den Tag mit einem großzügigen Frühstück und beginnen daraufhin die Zelte abzubauen.

Ziel für den heutigen Tag ist die Kreuzspitze, also erstmal die Rucksäcke geschultert und zurück zum Auto. Wir fahren den Weg zurück nach Vent und machen uns auf die Suche nach einem Parkplatz für die nächsten Tage. Nachdem wir nach einigem hin und her endlich einen kostenfreien Parkplatz finden, brechen wir auf. Der Ort ist schnell verlassen und wir erreichen den Weg durch das Niedertal zur Martin-Busch-Hütte. Der Weg verläuft relativ flach durch das schöne, aber nicht sehr spektakuläre Tal.

Bis zur Hütte sind 600 Höhenmeter zu überwinden. Das Wetter hat sich mittlerweile verschlechtert. Es sind viele dichte Wolken aufgezogen, aber die Temperaturen sind noch angenehm. An der Hütte angekommen legen wir eine kleine Pause ein und geniessen von der Terrasse der Hütte den Blick auf die umliegenden Berge. Das Abschmelzen der Gletscher ist auch hier allgegenwärtig. Man kann sich sehr gut vorstellen wie mächtig die Gletscher hier einst gewesen sein müssen, viel ist nicht mehr übrig geblieben.

An der Martin-Busch-Hütte teilt sich nun der Weg.  Ein Weg führt von hier über den Marzellkamm und den Niederjochferner zum Gipfel des Similaun, ein anderer Weg führt weiter zur Similaumhütte. Unser Weg aber führt nun in nordöstlicher Richtung serpentinenartig den Hang hinauf. Wir wollen bis zum Samoarsee auf 2920 m aufsteigen, dort die Zelte aufbauen und weiter zum Gipfel laufen. Das Wetter verschlechtert sich jedoch deutlich und als wir den See schliesslich erreichen, stehen wir im Regen. Wir bauen die Zelte schnell auf und beschliessen in den Zelten erst einmal abzuwarten wie das Wetter sich entwickelt. Es ist etwa 17 Uhr als wir uns in die Zelte zurück ziehen und sie für die nächsten 16 Stunden nicht mehr verlassen sollten.

Was zunächst als mäßig starker Regen begann, entwickelt sich nach und nach zu einem Wolkenbruch. Dicke Tropfen prasseln auf die Zelte nieder. Es hat nicht den Anschein als würde das Wetter bald besser werden. Stattdessen beginnt es bereits langsam zu dämmern als Anja und ich plötzlich dumpfe Schläge hören. Ich öffne das Vorzelt einen Spalt breit und schaue hinaus. Martin, der sein Zelt etwa 10 Meter neben uns aufgebaut hat, steht barfuß mit seinem Eispickel in der Hand im strömenden Regen in einer tiefen Pfütze. Und mit ihm sein Zelt. Im Gegensatz zu ihm haben wir unser Zelt auf einer kleinen Kuppe aufgestellt, bei uns fliesst das Wasser ab, bei ihm sammelt es sich. Mit dem Eispickel schafft er es schliesslich einen kleinen Graben mit einem Abfluss um das Zelt zu schlagen. Das Wasser läuft ab.

Es ist mittlerweile dunkel und wir gerade kurz vor dem Einschlafen, als urplötzlich wie aus dem Nichts eine mächtige Sturmböe seitlich gegen das Zelt schlägt und es zu Boden drückt. Anja und ich schrecken auf. Was war das? Wird es jetzt auch noch stürmisch? Und tatsächlich, es bleibt nicht bei dieser einen Böe. Im Sekundentakt schlagen weitere Böen gegen das Zelt, drücken es teilweise komplett zu Boden. Einige Böen sind tatsächlich so stark, dass ich mit meiner Isomatte auf einer Seite vom Boden angehoben werde. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Die nächsten Stunden sind wir damit beschäftigt bei jeder größeren Böe das Zelt sicherheitshalber von innen mit den Händen etwas abzustützen. Was soll ich sagen, wir haben einfach nur Angst, sind aber froh, dass es wenigstens kein Gewitter ist.

Aber auch das sollte sich noch ändern. Wir sind mittlerweile schon völlig fertig, als die ersten Blitze um uns herum einschlagen. “Verdammt”, denken wir uns, jetzt wird’s richtig gefährlich. Wir sitzen auf 2900 m in unserem kleinen Zelt in einem ausgewachsenen Gewitter. Weit und breit keine Schutzmöglichkeit. Wir kauern uns zusammen und hoffen. Wir zählen die Zeit zwischen Donner und Blitz in der Hoffnung eine Bestätigung zu finden, das das Gewitter bald weiter zieht. Blitz!…1…2…3…Donner! 1 Kilometer! Immer wieder zählen wir, doch es tut sich kaum etwas. Uns bleibt nichts als abzuwarten, das Zelt gegen die Sturmböen etwas abzustützen und zu hoffen, dass nichts passiert.

So vergeht die ganze Nacht. Gegen 6 Uhr morgens, als es bereits beginnt heller zu werden, schwächen sich die Böen langsam ab und auch das Gewitter ist mittlerweile weiter gezogen. Wir sind völlig fertig und schlafen endlich ein.

Incoming search terms for the article: