Ammergauer Überschreitung – 4. Etappe

Nach dem Gewitter bleibt die restliche Nacht ruhig und so kommen wir am Morgen gut erholt und ausgeschlafen aus den Zelten. Das Frühstück geniessen wir mit den ersten wärmenden Strahlen der im Osten aufgehenden Sonne. Unglaublich was gestern passiert ist. Zelten bei Gewitter, immer wieder ein einprägsames Erlebnis, auf das man aber eigentlich gut verzichten kann. Nach einem regen Erlebnisaustausch packen wir zum letzten Mal unser Equipment und ziehen weiter.

Über Stock und Stein geht es zunächst im stetigen Wechsel leicht bergauf, leicht bergab den Weg weiter. Alles ist ziemlich nass und matschig vom Vorabend. Der weitere Wegverlauf ist dennoch sehr schön, verlangt aber aufgrund der Bodenbeschaffenheit einige Konzentration und Trittsicherheit. Kaum haben wir uns warm gelaufen führt uns unser Weg auch schon hinunter zur August-Schuster-Hütte. Hier gönnen wir uns ein zweites Frühstück.

Gestärkt machen wir uns startklar für den letzten Abschnitt der Tour. Immer gratnah und mit einem tollen Ausblick geht es mal rechts, mal links des Grates immer weiter in Richtung Oberammergau.

Unser nächstes und leider auch schon vorletztes Gipfelziel ist die Sonnenspitze. Schon bald erreichen wir die entsprechende Abzweigung zum Gipfel. Von hier aus geht es über einen steilen Pfad auf den schmalen Gipfelgrat und schliesslich weiter zum Gipfel der Sonnenspitze, ein Berg der seinem Namen heute alle Ehre macht. Uns erwartetet ein herrlicher Ausblick bei bestem Wetter und lassen wir es uns natürlich nicht nehmen hier erst mal eine kurze Pause einzulegen.

Über den gleichen Pfad geht es zunächst wieder bergab. Der nun folgende Weg ist leicht zu begehen und gut ausgetrampelt. Wir peilen wie geplant den Aufstieg zum Kofel an. Schnell verlieren wir an Höhe und unterschreiten die Baumgrenze. Im dichten Wald geht es von nun an schnell voran. Immer wieder können wir durch das Laub des Waldes den Gipfel des Kofels erahnen und ehe wir uns versehen stehen wir bereits an der Abzweigung zum Gipfelaufstieg. Die Nähe Oberammergaus ist nicht zu übersehen. Dutzende Ausflügler tummeln sich hier in den Bergen.

Wir stehen nun an der Einstiegsstelle zum Kofel, eine steile Flanke mit Drahtseilen, die zu queren ist. Gut gesichert und etwas ausgesetzt geht es weiter hoch über eine Felsrinne zum Gipfelplateau. Der Gipfel ist völlig überlaufen und wir versuchen etwas abseits ein ruhiges Plätzchen für eine Rast zu finden. Mit einem tollen Blick auf  Oberammergau futtern wir unseren letzten Proviant.

Der Weg bergab führt uns in Serpentinen durch den Wald. Schnell sind wir im Tal angekommen und folgen dem Weg am Ufer der Ammer in Richtung des Ortes. Bis zur Abfahrt des Buses verbleiben noch 2 Stunden, also lassen wir es uns nicht nehmen uns in der Ammer noch ein Bad zu gönnen. Wir werfen die Rucksäcke ins hohe Gras und springen in das eiskalte Wasser des Flusses. Eine herrliche Erfrischung und das perfekte Ende  einer gelungenen Tour.

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Ammergauer Überschreitung – 3. Etappe

Wieder erwartet uns ein neuer sonniger Tag. Nach einem üppigen Frühstück vor unseren Zelten fangen wir an unsere Sachen einzupacken. Während jeder mit seinem Hab und Gut beschäftigt ist, streunert Aska einwenig umher. Wir geniessen den herrlichen Ausblick.

Plötzlich fliegt ein Schlafsack an mir vorbei. Ich schaue ihm hinterher und sehe ihn in Richtung Abgrund rollen. Peter hinterher, es ist seiner. Doch der Schlafsack rollt den Berg runter. Er rollt und rollt und rollt bis ins Tal hinab. Schier endlos schauen wir drei dem Schlafsack fassungslos hinterher, bis wir ihn nicht mehr sehen. Innerlich verabschiede ich mich schon von dem guten Stück und biete Peter zum Zudecken eine Zeitung an.

Peter kann sich nicht so einfach von dem Schlafsack trennen, immerhin sind die Nächte bis jetzt recht frisch gewesen. So steigt Peter dem Schlafsack nach. Unverantwortlich nimmt er den steilen Hang, wie sein Schlafsack auch. Schnell verlieren wir ihn aus den Augen. Ich tippe vorsichtshalber die Rufnummer von der Bergrettung. Wir bangen um Peter, auch Aska ist unruhig geworden. Nach einer halben Stunde versuchen wir Peter anzurufen. Kein Empfang. Wir probieren es wiederholt bis wir ihn erreichen. Er ist schon fast unten im Tal, vom Schlafsack leider noch keine Spur. Nach einer weiteren viertel Stunde meldet er sich mit der frohen Botschaft, er habe ihn gefunden. Für ihn jetzt nur noch den mühseligen Aufstieg von gestern und wir können nach einer eineinhalbstündigen Verzögerung endlich aufbrechen.

Uns erwartet eine weitere schöne Gratwanderung, die nicht gerade einfach ist, vor allem mit einem kleinen Hund. Hier muss man schwindelfrei sein. Die schwierigsten Kletterstellen sind gesichert und mit ein wenig Erfahrung gut zu meistern. Ein paar ausgesetzte Kletterstellen verlangen unsere volle Konzentration, denn immerhin sind wir mit schweren Rücksäcken unterwegs, die gerne an unserem Gleichgewicht zerren. Die Wanderung auf dem Grat beschert uns einen wunderbaren Rundblick. Kurz vor dem Gipfel der schroffen Klammspitze wird es voll. Viele Tageswanderer kommen uns entgegen.

Am geräumigen Gipfel machen wir eine Pause und geniessen den hervorragenden Ausblick auf die Ammergauer Gipfel und den Foggensee. Weiter im Westen zeigen sich die Allgäuer Alpen, und im Süden sieht man die Bergwelt rund um die Zugspitze. Hier verewigen wir uns im Gipfelbuch. Über eine weitere kleine Kletterstelle gelangen wir zum Südgrat. Bei diesem rutschigen Abstieg müssen wir vorsichtig sein, um keinen Steinschlag los zu treten.

Der weitere Abstieg zur Brunnenkopfhütte über ein kurzes Gehstück geht flott und so erreichen wir die Hütte nach gut einer halben Stunde. Das kühle Bier und den Kaffee haben wir uns an diesem Mittag redlich verdient. Geplant hatten wir hier unsere Wasservorräte aufzufüllen. Leider geht das nicht, da die Hütte an Wasserknappheit leidet. Wir werden an eine kleine Quelle ein paar Meter unterhalb verwiesen.

Nach dem wir unsere Wasservorräte aufgefüllt haben geht es noch ein paar Meter die Straße hinunter, bevor wir dann links in den Wald einbiegen und mit dem Aufstieg zum Hennenkopf beginnen. Leider zieht sich das schöne Wetter vom Nachmittag zu und die Sonne verschwindet hinter den aufziehenden Wolken. Gut die Hälfte haben wir geschafft. Zeit um eine kleine Pause zu machen. Wir stärken uns und wehren uns gleichzeitig gegen kleine fiese Zecken, die an unseren Hosenbeinen hoch krabbeln. Peters Spiritusvorräte neigen sich dem Ende zu. Zum Glück können wir ihm aushelfen.

Der weitere Weg, der direkt zum Hennenkopf führt, wird noch einmal richtig schön. Eine kleine Gratwanderung, die nicht wie die bisher anderen ausgesetzt ist. Latschen und Tannen säumen in lichten Abständen rechts und links den Grat. Man erkennt dennoch, dass es steil nach unten geht. Schnell haben wir die Abzweigung zu unserem zweitem Bergziel des Tages, dem Hennenkopf, erreicht. Peter mit Hund und unsere Rucksäcke lassen wir zurück und erklettern flott über eine Geröllwüste den Gipfel. Oben angekommen kommt tatsächlich noch einmal kurz die Sonne raus. Von hier oben haben wir einen herrlichen Blick zurück auf die Klammspitze im Westen und auf die Zugspitze im Süden.

Auf dem Abstieg sammeln wir unsere Rucksäcke und Peter wieder ein. Der Weg verlässt den lichten Wald und wir kommen auf eine große freie Grasfläche. Diesen Sattel haben wir schon vom Hennenkopf aus gesehen und er eignet sich perfekt für diese Nacht. Die Stelle bietet einen perfekten Ausblick auf die Zugspitze. Schnell bauen wir uns unsere Zelte auf und da unser Hunger groß ist wird auch gleich gekocht. Ein warmes Chili ist jetzt genau das Richtige.

Dicke Cummuluswolken ziehen auf. Von weitem sehen wir wie ein Gewitter an uns vorbei zieht. Ein schönes Schauspiel aus Blitzen und Regen. Uns wird mulmig. Gämse rennen an uns vorbei.

Wir bekommen Besuch. Ein netter älterer Herr in kurzen Hosen und einem langen knorrigen Wanderstock sagt uns Hallo. Wir plaudern ein wenig und erfahren, dass er hier in der Nähe seine Hütte hat. Wind zieht auf. Er lädt uns ein, falls das Gewitter zu uns zieht und wir Schutz brauchen. Er verabschiedet schliesslich sich von uns und wir bedanken uns für sein Angebot. Der aktuelle Wetterbericht zeigt uns nur Regen an. Die Regenwolken ziehen immer näher an uns vorbei. Die Himmel wird tiefschwarz. Nun hat der Wetterdienst auch für unsere Gegend eine Gewitterwarnung rausgegeben. Kaum lesen wir die Nachricht setzt auch der Regen ein und wir verkriechen uns schnell im Zelt. Der Regen wird heftiger und es gesellt sich Hagel dazu. Wir hören es donnern. Der Regen wird heftiger. Ein lauter Schlag, ein Blitz. Alles wir taghell. Der Blitz ist anscheinend nur ein paar Meter neben uns eingeschlagen. Wir hocken auf Zehenspitzen im Zelt und hoffen, dass das Unwetter schnell wegzieht. Und das tut es auch. Das Gewitter ist vorbei.

Wir schauen raus aus dem Zelt. Das Wetter hat sich wieder beruhigt und während Peter bereits schlafendend im Zelt liegt, geniessen wir zu zweit die Ruhe nach dem Sturm, als wäre nie etwas passiert.

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Ammergauer Überschreitung – 2. Etappe

Das strahlende Gelb im Inneren das Zelts lässt beim aufwachen bereits erahnen, was sich beim ersten Blick aus dem Zelt bestätigt. Der Nebel hat sich über Nacht verzogen; über uns ein strahlend blauer Himmel. Bei dem Wetter hält es uns natürlich nicht lange im Zelt. Schnell Schlafsack und Isomatten zusammen packen und raus an die Sonne. Beim Frühstück geniessen wir die ersten wärmenden Strahlen, der gerade über die umliegenden Berge steigenden Sonne, und hoffen, dass sich das Wetter den Tag über hält. Etwas skeptisch sind wir zugegebenermassen schon und so lassen wir uns auch gar nicht viel Zeit, sondern packen recht bald unsere Sachen zusammen und machen uns auf den Weg. Doch bevor es richtig los geht nutzen wir den, in unmittelbarer Umgebung fließenden, natürlich eiskalten Bach noch für eine ausgiebige Morgenwäsche und füllen unsere Wasservorräte auf. Die nächste Möglichkeit mit Sicherheit an Wasser zu kommen ist die Brunnenkopfhütte. Da wir diese aber frühestens in eineinhalb Tagen erreichen werden, muss das Wasser bis dahin reichen. Mit 5 Litern Wasser im Rucksack brechen wir schliesslich auf.

In einer langgezogenen Kehre am Niederen Straußberg gewinnen wir langsam an Höhe bis sich der Weg schliesslich Richtung Norden wendet. Passieren eine mächtige, zu dieser Zeit noch völlig im Schatten liegende, senkrecht abfallende Felswand und erreichen bald darauf den Schwangauer Kessel. Von hier ergeben sich schöne Ausblicke auf den bereits hinter uns liegenden Niederstraußbergsattel sowie auf das Alpenvorland, das jedoch unter einer dichten Wolkendecke liegt. Es folgt die erste konditionell herausfordernde Stelle das Tages. In unzähligen, engen Kehren geht es nun steil bergauf zum Gabelschroffensattel. Das Alpenvorland liegt zwar unter dichten Wolken, aber ab etwa 1500m Höhe herrscht strahlender Sonnenschein, der uns beim Aufstieg ordentlich ins Schwitzen kommen lässt. Der mit jeder gewonnenen Kehre aber immer schöner werdende Ausblick entschädigt uns dafür. Vom Gabelschroffensattel ist es nicht es nicht mehr weit bis zum ersten Gipfel der Tour, der Krähe. Der kurze Weg dahin sollte aber noch für ordentlich Aufregung sorgen. Kurz hinter dem Gabelschroffensattel sind zwei steile Altschneefelder zu queren. Als Anja, die gerade vorne läuft, den zweiten Schritt auf dem Schneefeld macht, gibt der Schnee plötzlich nach. Anja stürzt und kommt ins rutschen. Auf unser Zurufen hin dreht sie sich in die Liegestützposition und schafft es glücklicherweise ihren Sturz schnell zu bremsen, der ansonsten 20m weiter unten an den angrenzenden Felsen ein wahrscheinlich unschönes Ende gefunden hätte. Wir eilen mit der nötigen Vorsicht herbei und helfen ihr wieder auf die Beine. Alles noch mal gut gegangen. Auf die Schneefelder folgt noch eine kleine, für Abwechslung sorgende Kletterstelle und schliesslich stehen wir kurz unterhalb des Gipfels. Über Wegloses Wiesengelände geht es die letzen Meter zum Gipfel der Krähe (2012m).

Die Bedingungen am Gipfel sind traumhaft. Stahlender Sonnenschein und eine gute Weitsicht Richtung Süden. Klar, dass wir unter diesen Voraussetzungen erst einmal eine ausgiebige Pause für ein zweites Frühstück einlegen. Zunächst sind wir noch allein auf dem Gipfel, doch schon bald gesellen sich nach und nach immer mehr Krähen zu uns. Der Berg macht seinem Namen alle Ehre. Die anfänglich noch etwas scheuen Tiere legen ihre Skepsis uns gegenüber jedoch bald ab und fressen die ihnen von uns hingehaltenen Brotkrümmel sogar aus der Hand. Ein scheinbar besonders begabtes Exemplar fängt ihm zugeworfene Krümmel elegant direkt aus der Luft. Wir vertreiben uns mit den Tieren noch ein wenig die Zeit und machen uns daraufhin auf zur nächsten Herausforderung des Tages; der Überschreitung der Hochplatte.

In noch gemächlichem Gelände geht es bergab bis zum Fensterl, einem Felsenfenster genau zwischen Krähe und Hochplatte. Hier beginnt auch der Einstieg in den Westgrat der Hochplatte, der teilweise über sehr exponierte Stellen zum Gipfel führt. Die am Vormittag noch weit unterhalb im Alpenvorland hängenden Wolken drängen immer weiter in den Süden vor und stauen sich nun an den senkrechten Nordwänden von Krähe und Hochplatte. Eine Gratwanderung an der Grenze zwischen Nebel und Sonnenschein beginnt. Immer wieder sind kleinere Kletterpassagen zu meistern, sei es bergauf oder bergab. Die ausgesetzten Stellen erfordern Trittsicherheit und natürlich Schwindelfreiheit, machen den Weg aber erst interessant. Als wir schliesslich den Gipfel der Hochplatte (2082m) erreichen, stehen wir leider mehr oder weniger im Nebel. Der Weg über den Westgrat hat die Besteigung der Hochplatte dennoch zu einem überaus spannenden Erlebnis werden lassen.

Wir halten uns nicht lange auf dem Gipfel auf und beginnen den Abstieg über den leider weniger spektakulären Ostgrat. Der Weg ist zu Beginn noch ausgesetzt, die Stelle aber abgesichert, und führt bald darauf durch dichtes Erlengestrüpp und ein sich daran anschliessendes Geröllfeld. Wir erreichen das Weitalpjoch und lassen den Abstieg von der Hochplatte damit hinter uns. Auf gemütlichen Wanderwegen geht es weiter Richtung Norden bis der folgende Anstieg uns zum Lösertaljoch bringt und umrunden daraufhin eine gewaltige Mulde zwischen dem Vorderscheinberg und dem Hasentalkopf. Die Höhenmeter des Tages und die schweren Rucksäcke machen sich langsam bemerkbar, insbesondere Aska ist fix und fertig und so legen wir in der Nähe der verfallenen Kesselhütte noch eine Pause ein.

Von hier aus geht es in steilen Serpentinen mehrere hundert Meter bergab zum Bäckenalmsattel, von dem aus es ebenso steil, dieses mal jedoch auf matschigen Wegen, eben diese mehreren hundert Meter wieder bergauf geht. Oben angekommen sehnen wir uns nach einem Lagerplatz. Das Gelände hier oben eignet sehr gut. Halbwegs ebene Wiesen und einen schönen Ausblick auf die gegenüberliegenden Berghänge sowie in das ganze Sägertal. Gerade als gegen Abend wieder dichter Nebel aufzieht bauen wir in der Nähe des Abhangs unsere Zelte auf, kochen noch ein Abendessen und verziehen uns aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters schnell in die Zelte. Es kommt Wind auf und kurz darauf beginnt es zu regnen.

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Ammergauer Überschreitung – 1. Etappe

Der Wecker klingelt um 6 Uhr und ein erster Blick aus dem Zelt zeigt, der Tag beginnt wie der gestrige endete, neblig und nass. Dennoch, voller Tatendrang geht es raus aus dem Zelt. Wir frühstücken, bauen unser Lager ab und starten in den Tag.

Entlang der Landstrasse geht es zurück nach Hohenschwangau. Eigentlich müsste links von uns Schloss Neuschwanstein inmitten seiner wunderbaren Alpenkulisse zu sehen sein, aber der dichte Nebel lässt dies nicht zu. Wir sehen nichts von all dem, kein Schloss, keinen einzigen Berg, nichts ausser grauem Nebel.

Zu dieser frühen Stunde hat sich noch kein Tourist hierher verirrt, die Parkplätze sind, wie gestern Abend auch, alle leer und so beginnen wir völlig ungestört über eine Asphaltstrasse den Aufstieg zum Schloss Neuschwanstein.

Als wir schliesslich am Fuße des Schlosses stehen, machen wir eine erste, kurze Pause. Direkt unterhalb des Schlosses gibt es eine kleine Aussichtsplattform, von der aus sich mit etwas Phantasie die Umrisse des Schlosses im Nebel erkennen lassen.

Als wir weiter gehen tauchen nach und nach auch die ersten Touristengruppen auf. Aska ist mit ihrem schicken roten, von Peter selbst entworfenem Regencape der absolute Hingucker und zieht dementsprechend alle Blicke auf sich. Wir umrunden das Schloss und erreichen die Marienbrücke, aber auch von hier sind nicht mehr als die Konturen des Schlosses im Nebel zu erkennen.

Von hier an lassen wir für die nächsten Tage endlich den Asphalt hinter uns und tauchen ein in die Bergwelt der Ammergauer Alpen. Auf schmalen Pfaden, eingerahmt von herrlich grünen Wäldern geht es über feuchte Wurzeln und nasse Steine nun stetig bergauf. Die Luft ist wunderbar frisch, aber die Luftfeuchtigkeit von 100% macht uns zu schaffen und so kommen wir gut ins Schwitzen. Teilweise direkt am Abhang windet sich der Weg in zahllosen engen Serpentinen immer weiter nach oben. Die Aussicht wäre mittlerweile bestimmt phänomenal, wenn…, ja richtig, wenn der Nebel nicht wäre. Als der Weg langsam flacher wird, näher wir uns dem Tegelbergkopf und haben somit einen Großteil des Aufstiegs für heute geschafft. Wir gönnen uns noch eine kleine Pause und futtern unsere selbstgemachten Müsliriegel.

Weiter geht es in mehr oder weniger flachem Gehgelände, bis kurz vor dem Tegelberghaus noch ein steiler, aber nur kurzer Anstieg zu bewältigen ist. Am späten Vormittag erreichen wir das Tegelberghaus auf knapp über 1700 m. In der Hütte angekommen legt der Hüttenwirt gerade Holz in den Ofen. Wir machen es uns am benachbarten Tisch gemütlich und entspannen eine Weile.

Bevor wir uns wieder auf dem Weg machen füllen wir noch unsere Wasservorräte für den Rest des Tages auf. Das “Kein Trinkwasser“-Schild über dem Wasserhahn wird dabei von uns ignoriert.

Auf schmalen Pfaden geht es an teilweise sehr steile Abhängen entlang weiter durch den Nebel. Nach einer Weile erreichen wir die Abzweigung Richtung Ahornspitze. In Anbetracht der Wetterlage entscheiden wir uns einstimmig gegen einen Gipfelabstecher und folgen dem Pfad stattdessen in Richtung Ahornsattel. Am Sattel angekommen nehmen wir uns etwas Zeit für eine kleine Stärkung und trauen unseren Augen kaum als die dichte Nebelwand plötzlich aufreisst und den Blick auf die umliegenden Berge freigibt. Der Himmel ist zwar weiterhin mit dichten Wolken bedeckt, aber immerhin können wir endlich mal weiter als 20m voraus schauen. Die Freude währt jedoch nur kurz, denn schon als wir weiter gehen ziehen bereits die ersten Wolken wieder dicht über unsere Köpfe hinweg, um uns von nun an im weiteren Verlauf des Tages in regelmäßigen Abständen immer mal wieder die Sicht zu rauben.

Unterhalb des Straußbergköpfl führt der Weg im ständigen Wechsel aus An- und Abstiegen zum Niederstraußbersattel, einer von Bergen eingerahmten, weitläufigen Wiesenlandschaft. Eigentlich wäre genug Zeit um noch etwas weiter zu laufen, aber der erste Gipfel der Tour, die Krähe, ist nicht mehr weit, das Wetter für einen Gipfelaufstieg aber immer noch alles andere als optimal. Wir beschliessen daher uns hier, trotz der frühen Stunde, einen Platz für die Zelte zu suchen und morgen, bei hoffentlich besserem Wetter, weiter zur Krähe zu laufen.

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Ammergauer Überschreitung – Anreise

Endlich ist es soweit, die Alpinsaison 2011 kann beginnen. Für den Start der Saison haben wir uns die Überschreitung der Ammergauer Alpen von Füssen nach Oberammergau vorgenommen. Viele Höhenmeter gilt es zu bezwingen, mehrere Gipfel wollen bestiegen werden und spannende Momente auf den Gipfelgraten erwarten uns. Das Wetter laut Vorhersage mehr schlecht als recht, aber wir lassen es einfach mal auf uns zukommen.



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Zu viert, Anja, Peter, seine Jack Russel Terrier Dame Aska und meine Wenigkeit starten wir am Mittwochnachmittag in Richtung Hohenschwangau. Die Fahrt zieht sich dank schier endloser Stunden im Stau merklich in die Länge und so erreichen wir Hohenschwangau, Heimat der Königsschlösser erst am späten Abend. Den Plan heute noch mit der Tour zu starten verwerfen wir schnell und sehen uns stattdessen lieber im Tal nach einem Zeltplatz um. Zunächst gar nicht so leicht, der Ort ist klar auf große Touristenströme ausgelegt. Parkplätze gibt es um diese Uhrzeit zwar reichlich, aber mit 6€ für 5 Stunden sind uns diese dann doch etwas zu teuer. Ein paar hundert Meter außerhalb des Ortes findet sich schließlich eine Parkbucht am Rande der Landstrasse. Umgeben von blühenden Wiesen sollte es nicht schwer fallen einen Zeltplatz zu finden. Wir schnappen unsere Rucksäcke und stapfen bei einsetzender Dunkelheit und leichtem Nebel durch das kniehohe, nasse Gras. Am Rande einer Gruppe von Bäumen, etwas abseits der Strasse finden wir einen geschützten Platz mit niedrigem Gras. In der Ferne lässt sich durch den Nebel noch das beleuchtete Schloss Hohenschwangau erkennen.

Mittlerweile ist es stockdunkel. Im Schein der Stirnlampen und bei leichtem Regen bauen wir die Zelte auf, kochen uns noch ein Abendessen und verkriechen uns daraufhin in unsere Schlafsäcke. Morgen wollen wir in aller Frühe in die Tour starten.

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