GR 20 – 9. Etappe

Refuge Ciottulu di i Mori – Refuge de Tighiettu

Es ist stockdunkle Nacht als wir aus dem Zelt steigen. Wage lassen sich die Umrisse der Paglia Orba vor dem Sternenhimmel erkennen. Schnell packen wir ein wenig Essen sowie Wasser in die Rucksäcke und machen uns auf dem Weg. Doch schnell kommen wir zu Beginn ganz und gar nicht voran. Wir sind zu zweit unterwegs, haben aber nur eine Stirnlampe. Da die Besteigung der Paglia Orba umgeben von absoluter Finsternis so im Vorfeld nicht geplant war, blieb die zweite Stirnlampe, um Gewicht zu sparen, zu Hause. Bis jetzt hätten wir sie auch wirklich nicht gebraucht. Aber auch so geht es voran, nur eben etwas langsamer. Zunächst folgen wir einem relativ gut sichtbaren Weg in Richtung Col des Maures, dann weisen uns Steinmännchen den Weg über ein Feld aus großen Felsblöcken. Die erste Kletterei beginnt und richtige Route nicht immer eindeutig. Teilweise müssen wir mehrere Möglichkeiten probieren um weiter zu kommen.

Die Augen haben sich mittlerweile bestmöglich an die Dunkelheit angepasst und auch die ganz langsam einsetzende Dämmerung erleichtert nun die Orientierung. Auf gleicher Höhe ist nun schon das riesige Loch in der Felswand des Capu Tafunatu zu erkennen. Es hat beeindruckende Ausmaße. Ein paar Kletterstellen später nähern wir uns kurz vor Sonnenaufgang dem Vorgipfel der Paglia Orba. Der Ausblick ist bereits traumhaft. Es geht nun noch einmal bergab und anschliessend zum Gipfel hoch. Wenige Minuten nach Sonnenaufgang stehen wir auf dem 2525m hohen Gipfel der Paglia Orba.

Die Wegfindung ist auf der Paglia Orba nicht immer ganz einfach und so kommen wir schliesslich über einen völlig anderen Abstiegsweg wieder an der Hütte an. Ein grandioser Abstecher…

Wir packen in aller Ruhe das Zelt zusammen, frühstücken ausgiebig und folgen dem weiteren Verlauf des GR 20. 600hm geht es nun meist steil bergab, bis wir einen schattenspendenden Wald erreichen. Nach der Besteigung der Paglia Orba und diesem weiteren langen Abstieg sind unsere Beine nun ziemlich schlapp. Wir sehnen die Bergerie de Ballone und eine Pause herbei. Die Bergerie liegt in einem wunderbaren Tal ganz in der Nähe eines Baches. Hier legen wir eine Pause ein.

Wieder etwas erholt beginne ich einige Bilder zu schiessen und stelle die Kamera samt Stativ neben einer Gumpe ab. Nur einem Moment der Unachtsamkeit und einen Windstoss später liegt die Kamera plötzlich in eben jener Gumpe, komplett untergetaucht und völlig durchnässt. Ich hole fluchend die tropfende Kamera aus dem Wasser. Das war’s dann erstmal mit dem Fotografieren…

Ziemlich angefressen brechen wir schliesslich auf, um noch einen Teil des vor uns liegenden Anstiegs zu bewältigen. Wir steigen letztlich bis zur Refuge de Tighiettu auf und bauen etwas abseits der Hütte unser Zelt auf. Ein guter Ausgangspunkt um frühzeitig die Schlüsselstelle des GR20, den Cirque de la Solitude, zu erreichen.

GR 20 – 8. Etappe

Lac de Nino – Refuge de Ciottulu di i Mori

Der Tag beginnt wie immer noch vor Sonnenaufgang, den wir in dieser einmaligen Kulisse umbedingt miterleben wollen. Und das zu recht! Die aufgehende Sonne taucht die Landschaft in faszinierend schöne Farbtöne.

Nach diesem Schauspiel brechen wir auf. Der Weg führt hinauf zur Bocca â Reta. 100m über dem See gelegen bietet sich hier noch einmal ein toller Blick zurück auf den See und die aufgehende Sonne. Wir wenden uns ab und der nächste Ausblick tut sich auf. Im Norden, auf der anderen Seite des Tals, liegt das Matterhorn Korsikas, die Paglia Orba, vor uns. Schon als ich vor einigen Jahren das erste Mal auf dieser Insel war und diesen Berg sah, wollte ich unbedingt auf dessen Gipfel. Morgen früh wird es endlich soweit sein.

Der Weg führt nun, über einen gut zu laufenden alten Hirtenweg, langsam aber stetig hinab zum Col de Saint-Pierre. Auf den steilen Hängen am Rande des Weges tummeln sich zahllose Schafe und Ziegen, die sich die Bäuche am frischen Grün vollschlagen. Nach der Überquerung des windigen Passes erreichen wir schliesslich den Rand des Valdu Niellu, den größten zusammenhängenden Wald der Insel. Zwischen Buchen, Birken und Lariccio-Kiefern führt der schattige Weg nun hinab bis zum Castel de Vergio. Eine hässliche Skistation inmitten der Insel. Dennoch nutzen wir die Gelegenheit und kaufen im gut sortierten kleinen Laden ein paar Leckereien.

Der nun folgende Streckenabschnitt bis zur Hütte ist dafür umso schöner. Er führt durch das wilde Golo-Tal am Ufer des gleichnamigen Flusses steil bergauf. Immer wieder bieten herrliche Badegumpen die Möglichkeit für eine Erfrischung. Kein Wunder, dass wir an einer dieser Gumpen einen Bummelnachmittag mit Schwimmen und Sonnenbaden einlegen.

Gut erholt brechen wir am späten Nachmittag zum restlichen Aufstieg zur Refuge Ciottulu di i Mori auf. Diese  liegt weit oberhalb des Golo-Tals am Fuße der mächtigen Paglia Orba. Etwas abseits bauen wir unser Zelt auf und legen uns schon bald nach dem Abendessen in die Schlafsäcke. Eine kurze Nacht steht und bevor. Bereits zu Sonnenaufgang wollen wir auf dem Gipfel der Paglia Orba stehen…

Incoming search terms for the article:

GR 20 – 7. Etappe

Col de Rinoso – Lac de Nino

Der Morgen der siebten Etappe beginnt mit einem fantastischen Sonnenaufgang über den Lac de Rinoso. Die noch kühle Luft wird mit jeder Minute wärmer. Wir geniessen den Beginn des Tages mit einem Frühstück, packen schliesslich zusammen und brechen auf.

Es folgt ein steiler Abstieg in Richtung Lac de Melo. Der Weg führt jedoch nicht direkt bis zu dessen Ufer sondern umrundet den Kessel, in dem der See gelegen ist, einige hundert Meter oberhalb. Der Blick hinunter zum See ist traumhaft. Schon bald darauf tut sich vor uns eine riesige Felswand auf. Der Aufstieg zum höchsten Punkt des GR20, der “Brèche de Capitello” (2225m), beginnt. Einige kleinere Kletterstellen sind auf dem Weg dahin zu überwinden und immer wieder finden sich Reste von Altschneefeldern. Kurz vor Erreichen der “Brèche de Capitello” öffnet sich der Blick hinab zum Lac de Capitello, der 200m höher als der Lac de Melo auf 1930m am Fuße des Felskessels in der Sonne glitzert. Dieser Ausblick auf beide Seen mit der Restonica-Schlucht im Hintergrund gehört sicherlich zu einem der schönsten auf dem gesamten GR20.

Hinter der Scharte folgt nun ein langer, zunächst sehr steiler und felsiger Abstieg in Richtung Refuge de Manganu. Auf dem letzten drittel des Weges zur Hütte erspähen wir in einigem Abstand vom Weg einen kleinen Wasserfall, den wir kurzerhand als willkommene Abkühlung nutzen.

Die Hütte ist nach dieser erfrischenden Pause schnell erreicht. Wir gönnen uns noch einen Kaffee und machen uns schon bald darauf auf den Weg zu unserem Tagesziel, dem Lac de Nino. Über eine weite, von kleinen Flussläufen durchzogene, Hochebene verläuft der Weg zunächst flach in nordwestlicher Richtung, bis er an den Bergeries de Vaccaghia am Ufer des Tavignano zum Lac de Nino ansteigt. Als wir den See schliesslich erreichen sind wir fast sprachlos. Inmitten grüner Wiesen, auf denen halbwilde Schweine, Kühe und Pferde grasen liegt der See bei strahlendem Sonnenschein vor uns. Ein perfektes Plätzchen…

Incoming search terms for the article:

GR 20 – 6. Etappe

Crête de Muratello – Col de Rinoso

Der Morgen beginnt stürmisch. Die Nacht über haben wir aufgrund des starken Windes kaum geschlafen und da es bei Sonnenaufgang immer noch ziemlich windig und ungemütlich ist, beschließen wir heute ohne Frühstück aufzubrechen und direkt zur Befuge de l’Onda hinunter zu laufen.

Der steile Abstieg zur Bergerie l‘Onda, in unmittelbarer Nachbarschaft zur gleichnamigen Befuge gelegen, ist schnell geschafft. An der Bergerie nehmen wir uns dann endlich Zeit für ein Frühstück mit leckerer Wurst und Käse. Auch frisches Brot können wir erstehen. Auf der großen Wiese zwischen der Bergerie und der angrenzenden Koppel, die den Wanderern als Zeltplatz dient, machen wir es uns gemütlich und geniessen unser frühstück. Kaum setzen wir uns, sind wir von einer Ziegenherde umgeben, deren Geruch exakt mit dem unseres Käses übereinstimmt. Die Ziegen gehören zur Bergerie und werden jeden Tag aufs Neue zu den Weiden gebracht. Nach unserem ausgiebigen Frühstück nutzen wir die hiesigen Waschanlagen und füllen hier an der Quelle unsere Wasservorräte auf.

Die alpine Variante des GR20 verläuft von der Refuge de l‘Onda zur Refuge Petra Piana über den Grat der Höhenzüge Serra di Tenda und Serra di Bianca. Der Normalweg des GR20 führt stattdessen durch das Manganellotal und ist ca. 1 Stunde Gehzeit länger. Eine Entscheidung zwischen Badegumpen im Tal oder Fernblicken auf dem Grat. Einen Badetag bei den Gumpen der „Cascades des Anglais“ hatten wir ja bereits am Vortag und da der Wind mittlerweile nachgelassen hat, ist unsere Entscheidung schnell gefallen. Wir wählen die alpine Variante. Der kurze Aufstieg zur Serra di Tenda führt uns über üppige Wiesen. In der Nähe entdecken wir etliche Ziegenherden, die sich an dem satten Grün laben. Bis zur Bocca a Meta gleicht der Kamm einem Spaziergang, bietet aber bereits ein fantastischen Blick bis an die Westküste der Insel mit der Hauptstadt Ajaccio. Danach beginnt der Weg anspruchsvoller zu werden. Die doppelten gelben Farbstreifen markieren die alpine Variante. Immer wieder scheint die alte Markierung in rot-weiß durch und lässt erahnen, dass dies die ursprüngliche GR20-Route war. Von nun an müssen zahlreiche Kletterstellen passiert werden, die uns schließlich auf den bizarren Felsrücken des Pointe de Pinzi Corbini führen. Hier legen wir eine Pause ein und geniessen das 360° Panorama.

Von nun an geht es in leichterem Gelände 200 Höhenmeter bergab bis zur Bocca de Manganello. Von hier ist es nicht mehr weit zur Refuge de Petra Piana.

An der Refuge de Petra Piana angekommen gibt es eine herrliche Aussicht über unseren zurückgelegten Weg bis hin zum Monte d‘Oro. Wie zu erwarten treffen wir hier auf eine Vielzahl an Wanderern. Wir merken schnell, dass der GR20 Nord besser besucht wird, als der südliche Teil. Es ist noch früh am Nachmittag und so machen wir nur kurz Rast und gehen schliesslich weiter.

Hinter der Refuge geht es steil über Geröll zwischen Erlenbüschen den Hang hinauf. Hier kommt uns tatsächlich eine Familie mit einem kleinen Pudel entgegen. Kühe grasen in dieser unwirklichen Landschaft auf kleinen grünen Wiesen zwischen all dem Geröll. Wie auf grünen Inseln inmitten der kargen Felslandschaft stehen die Kühe dicht beieinander.  Wir traversieren den Hang und erreichen den Col de la Haute Route. Ein letztes Mal lassen wir den Blick über das Tal zurück nach Süden schweifen. Ein neuer Abschnitt erwartet uns.

Wir befinden wir uns nun auf einer kleinen Hochebene, auf der sogar noch Schnee liegt. Vor zwei Wochen dürfte selbst auf den Wegen Schnee gelegen haben. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick auf den malerischen Lac de Ronoso, der dunkel und geheimnisvoll vor uns liegt.

Bis zum Col de Rinoso ist es nicht mehr weit, doch wir sind so fasziniert von diesem Ort, dass wir beschliessen die Etappe für heute zu beenden und unser Zelt hier aufbauen. Eine kleine Wiese umgeben Felsen bietet uns eine ideale Stelle.

Wir geniessen den Rest des Tages in der Einsamkeit der Berge mit faulenzen, kochen und sonnenbaden auf über 2000m Höhe.

Ein letztes Highlight des Tages bildet der fantastische Sonnenuntergang, der kaum farbintensiver sein könnte. Die umliegenden Felsen sind mit neongrünen Flechten überzogen, die in der untergehenden Sonne mystisch leuchten.

Incoming search terms for the article:

GR 20 – 5. Etappe

Bocca Palmente – Crête de Muratello

Heute geht offiziell der Südteil unserer Wanderung zu Ende und wir beginnen mit den Nordteil des GR20.

Unser Tag startet um 5:20 Uhr. Heute ist es recht mild, dafür windig. Im Licht der aufgehenden Sonne macht der Monte d‘Oro seinem Namen alle Ehre. Mächtig und golden glühend liegt er beeindruckend vor uns. Schnell und routiniert packen wir unsere Sachen und beginnen den langen Abstieg in Richtung Vizzavona, die Drehscheibe des GR20. Um Vizzavona zu umgehen wollen wir eine Variante des GR20 nehmen und wählen den sogenannten „Weg der verschollenen Frau – Sentier de la Femme perdue“. Wir biegen nach links auf die gelb markierte Variante, die direkt zu den Cascade des Anglais führt, ohne zunächst durch Vizzavona zu müssen. Der Abstieg führt uns gemütlich durch den Wald.

Recht früh erreichen wir die ersten kleinen Wasserfälle. Der Weg führt nun teils über glatte Felsen, teils durch lichte Buchenwälder den Agnone-Bach entlang. Immer den Blick auf die Gumpen der Wasserfälle gerichtet suchen wir uns schließlich die beste Badestelle aus und lassen es uns für einige Stunden so richtig gut gehen. Wir waren hier schon vor zwei Jahren während der Hochsaison und wurden damals von den Massen der badenden Touristen förmlich erschlagen. Um so schöner ist es heute eine ganze Badegumpe für sich zu haben. Zur Mittagszeit brechen wir auf, um unser Etappenziel zu erreichen. Der lange Aufstieg zur Crête de Muratello steht und bevor. Wir laufen zunächst weiter durchs Agnone-Tal. Die Hitze staut sich hier enorm und wir sind über jeden noch so kleinen Schatten sehr dankbar. Bis jetzt ist dies unser heißester Tag. Die Sonne knallt gnadenlos auf uns herab.

Als der Weg das letzte Mal den Bach kreuzt nutzen wir die Gelegenheit und füllen unsere Wasservorräte auf. Nun wird es keine weitere Möglichkeit bis morgen früh mehr geben an Wasser zu kommen. Hoffentlich reicht das.

Gab es bis hier noch vereinzelt Schatten, sind wir ab jetzt der prallen Sonne schutzlos ausgesetzt. Wir erklimmen die letzten 600 Höhenmeter über große Schotterhaufen und Felsplatten zu der auf 2.020 m liegenden Crête de Muratello. Immer wieder lösen sich Steine unter uns. Das kleine Stück direkt hinauf zum Pass ist noch einmal richtig steil und wir müssen höllisch aufpassen nicht abzurutschen. Mit Handeinsatz und „bloß nicht runter schauen“ erklimmen wir auch diese Kletterstelle. Gut durchgeschwitzt aber glücklich geniessen wir von hier oben den Ausblick in zwei Richtungen. Einmal der Blick zurück in das Agnone-Tal im Süden, den Monte d‘Oro im Osten und zum anderen der Blick über den gesamten Streckenverlauf des nächsten Tages bis zum Col de la Haute Route. Vor allem der Wegverlauf der alpinen Variante über die Höhenzüge Serra Bianca und Serra di Tenda sind gut zu erkennen und besonders eindrucksvoll.

Wir verweilen einen Moment und stärken uns. Danach geht es für uns wieder hinunter. Auf 1900 m erreichen wir den Grat der zur Refuge l‘Onda führt. Bevor es jedoch über steile Serpentinen hinunter zur Refuge geht, finden wir eine schöne Stelle für unser Zelt. Diese hatten wir bereits von der Crête de Muratello aus in Augenschein genommen. Trotz des starken Windes entschließen wir hier unser Zelt aufzubauen.

Es ist später Nachmittag und wir geniessen die letzten warmen Stunden des Tages, vertreiben uns die Zeit mit Lesen, Spielen und Kaffee trinken. Ein leckeres Abendessen bildet mal wieder einen runden Abschluss des Tages. Durch den starken Wind wird es heute Abend recht schnell kühl. Das fantastische Panorama mit Sonnenuntergang wollen wir uns aber nicht entgehen lassen und so rollen wir unsere Schlafsäcke vor dem Zelt auf der Wiese aus und beobachten warm eingepackt das Farbenspiel des Himmels, das nach und nach von den Sternen abgelöst wird.

Incoming search terms for the article:

GR 20 – 4. Etappe

Plateau de Gialgone – Bocca Palmente

Am frühen Morgen frühstücken wir bei herrlichstem Wetter inmitten eines blühenden Rosenbeets. Schmetterlinge umkreisen uns. Wir sitzen auf einem großen Baumstamm und lassen uns zugleich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen. Eine wahre Idylle.

Von den Schweinen, die uns am Vorabend besucht hatten sehen wir keine Spur. Sie sind wohl weitergezogen. Auch wir ziehen weiter und durchqueren eine wunderschöne Hochebene, die sich in einem saftigen Grün und leuchtenden Gelb zeigt. Es duftet nach Sommer. Der Weg führt uns weiter in einen schattenspendenden Wald. Als wir nach einer Weile am Wegesrand eine Gumpe sehen, beschließen wir spontan im eiskalten Wasser ein Bad zu nehmen. Kaum sind wir fertig mit unserer Erfrischung, kommen auch schon 3 ältere Franzosen den Weg entlang, erfreuen sich unser und zeigen sich schwer beeindruckt über unseren Mut ins eiskalte Wasser zu steigen. Die folgenden 3 km führen uns stets leicht bergab weiter durch den Wald, der leider durch Brände an vielen Stellen sehr licht geworden ist. Der Wegesrand ist immer wieder von verkohlten Baumstümpfen gesäumt.

Wir erreichen die Pont de Cassacie, überqueren den Casso-Bach und folgen dem Pfad am rechten Bachufer steil bergauf zu den Bergeries de Traggette. Im Hintergrund erhebt sich der eindrucksvolle Gipfel des Monte Renoso. Wir hatten erhofft hier etwas Brot und Wurst zu erstehen, doch leider sind die kleinen urigen Steinhütten alle verschlossen. Die Sonne scheint heute gnadenlos auf uns herab und so sind wir heil froh, als wir 30 Minuten später die Refuge de Capannelle erreichen. Wir hatten im Vorfeld schon einiges darüber gelesen und können es bestätigen: Die angrenzende Skistation ist wirklich sehr hässlich. Sie schneidet eine kahle Schneise mitten durch die herrliche Natur. Die Bergerie de Capannelle direkt oberhalb der Station ist geschlossen, also machen wir es uns auf der Terrasse der Refuge bequem. Hier nutzen wir die Gelegenheit günstig einzukaufen, holen uns ein Brot, eine Wurst und wegen der heißen Sonne auch ein Eis. Frisch gestärkt geht es weiter. Wir müssen allerdings noch ein Stück bergauf zur Crête du Chufidu, bevor es im dichten Wald 200 Höhenmeter extrem steil bergab geht. Die uns auf diesem Stück entgegenkommenden Wanderer sind fix und fertig. Die Anstrengung des Aufstiegs steht ihnen ins Gesicht geschrieben und so wundert uns es nicht, dass beinahe jeder zweiter fragt wie weit es noch zur Refuge de Capannelle sei.

Der markierte Weg führt uns weiter durch schier endlose Wälder. Plötzlich kreuzt eine lange Schlange vor uns den Waldweg. Schnell und laut raschelnd verschwindet sie jedoch im Unterholz. Auf einer kleinen Anhöhe nutzten wir die Gelegenheit im Schatten eines schönen großen Baumes ein kleines Nickerchen zu machen. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Abstieg nach Vizzavona. Der Ort ist uns bereits von früheren Reisen bekannt und bietet wenig Schönes, daher wollen wir es nach Möglichkeit vermeiden dort zu nächtigen.

Der letzte Abschnitt des Tages führt über sanfte Waldwege vorbei an den Bergeries d‘Alzeta hinauf zur Bocca Palmente. Der Platz eignet sich ideal als Nachtlager. Kurzentschlossen bauen wir unser Zelt auf. Doch noch immer brennt die Sonne gnadenlos auf uns herab und so verbringen wir die restlichen Stunden des Nachmittags entspannt im Schatten des Zeltes.

Als die Temperatur schliesslich ein erträgliches Maß erreicht hat, beginnen wir mit dem Kochen. Ein deftiges Abendessen mit Nachtisch ist jetzt genau das Richtige um den Tag ausklingen zu lassen.

Satt und glücklich geniessen wir das letzte Tageslicht und beobachten wie die Schatten an der Ostküste länger und länger werden, während die Sonne im Westen eindrucksvoll hinter dem Monte d‘Oro untergeht.

Erschöpft schlafen wir zu den sanft klingelnden Kuhglocken ein.

Incoming search terms for the article:

GR 20 – 3. Etappe

Col de Laparo – Plateau de Gialgone

Mitten in der Nacht bekommen wir Besuch. Ein lautes Rascheln vor unserem Zelt, bzw. in der Aspis lässt uns aufhorchen. Ein Fuchs! Wir wollen es kaum glauben. Das Rascheln kommt von unserer Mülltüte, die der Fuchs gefunden hat. Er ist auf nächtlicher Futtersuche. Wir beobachten ihn eine Weile und als er schliesslich merkt, dass es bei uns nichts essbares zu finden gibt, sucht er das Weite. Wir schlafen ein.

Am nächsten Morgen bemerken wir, dass einer unserer Trekkingstöcke fehlt. Der Fuchs scheint ihn geklaut zu haben. Nach einer ausgiebigen Suche finden wir ihn glücklicherweise gut versteckt hinter einem Felsen. Noch mal Glück gehabt, bis auf die fast durchgekaute Handschlaufe ist alles in Ordnung. Eine schöne Überraschung, so früh am Morgen.

Einem Frühstück bei Sonnenaufgang steht nun nichts mehr im Wege. Von einem Felsen neben unserer Schlafstätte geniessen wir den tollen Ausblick über die Ostküste der Insel, die sich in warmes Licht getaucht weit vor uns ausbreitet. Kein Nebel und keine Wolke stört den Ausblick. Ein fantastisches Panorama. Wir geniessen in aller Ruhe unser Frühstück, packen zusammen und machen uns schliesslich auf den Weg. Laut unserer Wegbeschreibung sollten wir bald auf eine Quelle stossen. Beinahe verpassen wir im dichten Wald die Abzweigung. Auf einem Stein, halb ausgewaschen steht es geschrieben „Source“. Für Nord-Süd-Wanderer jedoch deutlich leichter zu erkennen. Wir folgen dem Pfeil und enden an einer kleinen Bergerie. Ein älterer Mann sitzt auf einer Bank vor der kleinen Holzhütte und lauscht seinem Radio. Auf Nachfrage weist er uns den Weg zur Quelle. Sie liegt einige Meter unterhalb der Hütte. Wir finden eine Quelle mit integrierter Open-Air Dusche. Diese Gelegenheit für eine morgendliche Wäsche lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Erfrischt und mit vollen Wasservorräten geht es weiter zum Col de Laparo. An dieser Stellen kreuzt der GR20 der Wanderweg Mare a Mare Centre, der die Insel in Ost-West Richtung überquert. Wir folgen unserem Weg weiter in nördlicher Richtung, lassen den Wald hinter uns und erreichen offenes Gelände. Zunächst begegnen wir noch kleinen Herden von Kühen, die am Wegesrand grasen oder sich im Schatten der letzten Bäume erholen. Das Gelände wird nun anspruchsvoller. Immer wieder sind teilweise schwierige Geröllfelder zu queren und steile Anstiege zu bewältigen. Wir nähern uns der Punta della Cappella und folgen dem Weg, der östlich um den Gipfel herumführt. Bei genauem hinsehen ist von hier bereits die Refuge de Prati zu erkennen, doch die etwa 90 Minuten Gehzeit zur Hütte haben es in sich. Ein schroffer und steiler Bergrücken, der einiges an Konzentration und Trittsicherheit von uns abverlangt liegt vor uns. Viele steile Felsplatten die zu überqueren sind und einige Klettereinlagen sorgen für Spannung. Wir lassen den Bergrücken schliesslich hinter uns und erreichen sanftes Grasland als plötzlich, wie aus dem Nichts dicker Nebel aufzieht. Die Sicht wird immer schlechter, aber in diesem Gelände ist die Refuge gut zu erreichen. Eine Stunde früher hätte der Nebel unangenehm werden können. Auf der Wiese vor der Refuge  angekommen gönnen wir uns eine Pause inmitten des dichten Nebels. Nach einem kleinen Snack dösen wir ein. Ich kann nicht sagen wie lange wir auf der Wiese lagen, doch als wir aufwachen scheint die Sonne und ein großes Pferd hat sich zu uns gesellt. Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg zum Col de Verde.

Bis zur Bocca d’Oru verliert der Weg nur leicht an Höhe, doch von hieran geht es steil bergab. 600 Höhenmeter Abstieg liegen vor uns und mit jedem Meter, den wir an Höhe verlieren steigen die Temperaturen. Die heisse Nachmittagssonne brennt uns auf die Köpfe und wir sind froh schliesslich die Baumgrenze zu unterschreiten. Es dauert nicht mehr lang und wir erreichen den Col de Verde. Den hier an der Strasse liegenden Campingplatz lassen wir getrost links liegen. Laut Wegbeschreibung müssten wir in etwa 90 Minuten das Plateau de Gialgone erreichen können, dort wollen wir uns nach einem Lagerplatz umsehen. Wir folgen einem Forstweg in einen schönen Wald, mit teilweise uralten Bäumen, hinein. Im Wald ist es sehr feucht und so finden wir nach einer Weile eine kleine Quelle am Wegesrand. Mit vollen Wasservorräten und dementsprechend wieder schweren Rucksäcken steht uns der letze Anstieg des Tages bevor. Über Serpentinen gelangen wir zum 400 Meter über uns gelegenen Plateau de Gialgone. Unsere Spekulation hier oben einen Lagerplatz zu finden hat sich als richtig erwiesen. Es erwartet uns eine einladende Ebene mit reichlich Platz und schönem Ausblick. Unter einem großen Baum schlagen wir das Zelt auf. Ein kleiner Bach in unmittelbarer Nähe führt genügend Wasser um uns zu waschen zu können und um zu kochen. Kaum sind fertig mit dem Essen gesellen sich fünf quiekende Schweine aus dem umliegenden Gebüschen zu uns. Sie haben es auf unsere Töpfe abgesehen und wir überlassen ihnen die Reste, bzw. lassen sie den Abwasch erledigen.

Eine lange Etappe liegt hinter uns. Wir gönnen uns nach dem Abendessen noch einen heißen Kakao und beobachten wie die untergehende Sonne die umliegenden Berge zum Glühen bringt.

Incoming search terms for the article:

GR 20 – 2. Etappe

Monte Incudine – Col de Laparo

Pünktlich zum Sonnenaufgang, es ist etwa 5:3o Uhr, stehen wir auf. Die uns umgebende Kulisse ist an diesem Morgen noch beeindruckender als am Abend zuvor. Die aufgehende Sonne wirft ein wunderschönes und besonderes warmes Licht auf die Felsen. Über der Ostküste breitet sich ein Nebelmeer aus. Wir geniessen jeden neuen Sonnenstrahl im kalten Wind, der uns immer noch um die Ohren bläst. Die Luft ist klar, die Bergzüge in der Ferne gut zu erkennen.

Für ein Müsli reicht unser Wasser leider nicht mehr aus. Die nächste Quelle befindet sich in der Nähe der Ruine der alten Refuge Pedinielli. Wenn wir Wasser haben möchten um zu frühstücken müssen wir also runter vom Berg. Wir packen zusammen und laufen den Bergrücken zunächst in Richtung Norden entlang, bis der Weg sich nach einer Weile nach Westen wendet und uns auf das vor uns liegende Plateau führt. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir die unscheinbare Quelle. Es wird erstmal ausgiebig gefrühstückt. Der Spirituskocher macht uns keine Sorgen mehr. Am Vorabend wollte die Flamme nicht richtig auflodern, dieses Problem haben wir heute morgen glücklicherweise nicht.

Bevor es weiter geht erfrischen wir uns ein wenig an der Quelle. Na ja, ein wenig ist gut. An diesem Morgen ist es immer noch recht kühl, doch dies hält uns aber nicht davon ab, unter der eiskalten Quelle zu duschen. Brrrr, eiskalt!

Der nächste Abschnitt der Tagesetappe führt uns zunächst über eine schöne Hängebrücke zu einem dicht mit Ginster bewachsenem Plateau. Wieder erwartet uns eine wunderbare Landschaft. Der Ginster blüht zu dieser Jahreszeit in seinem herrlichsten Gelb und riecht fantastisch. Und damit nicht genug. Durch das Hochplateau verlaufen zahlreiche kleine Bachläufe, alle umgeben von herrlich weichen und grünen Wiesen. Es erfordert einiges an Überwindung hier nicht einfach stehen zu bleiben, den Rucksack abzulegen und sich für den Rest des Tages keinen Meter mehr von der Stelle zu bewegen. Dem Plateau schliesst sich, nach einem kurzen Anstieg, ein Wald an. Wieder einmal sind wir dankbar für den Schatten. Unsere Mittagspause verbringen wir auf einer großen Wiese am Wegesrand. Hier verspeisen wir unser letztes Baguette und ein großes Stück Wurst. Ein kleines Nickerchen muss natürlich auch noch sein.

Schon bald nach der Wiese nähern wir uns dem Höhepunkt der heutigen Etappe. Der Aufstieg zum Denkmalsgrat beginnt. Kaum sind wir oben angekommen bläst ein heftiger Wind, der auch im weiteren Verlauf der Etappe nicht mehr nachlassen wird. Der Slalom, mal rechts, mal links der Felsen den Grat entlang, erfordert bei dem starken Wind unsere volle Aufmerksamkeit. Immer wieder müssen in kleinen Klettereinlagen schwierigere Stellen passiert werden.

Schon bald können wir in der Ferne die Refuge d‘Usciolu erkennen. „Es kann nicht mehr lange dauern“, denken wir uns, doch der Weg von Süd nach Nord ist hier etwas spärlich markiert, so dass wir mir mit einigen kleinen Umwegen und alternativen Kletterstellen noch gut eine Stunde bis zur Hütte brauchen. Endlich angekommen machen wir unter einem Schirm auf der Terrasse Pause und verköstigen einen wohlverdienten Erdnussriegel. Wir nutzen die Gelegenheit, kaufen ein Körnerbaguette und ein Feuerzeug, in der Hoffnung, den Kocher damit besser anzubekommen als mit dem Feuerstahl. Der Hüttenwirt ist ein netter junger Kerl. Wir unterhalten uns ein wenig, erzählen von unserem Gipfelbiwak der vergangenen Nacht. Der Hüttenwirt zeigt sich sichtlich beeindruckt und interessiert.

Nach dieser doch etwas längeren Pause wagen wir den erneuten Aufstieg zum folgenden Abschnitt des Grats. Einige hundert Höhenmeter sind zu überwinden. Der Grat ist nicht mehr so ausgesetzt wie auf dem ersten Abschnitt und auch weniger anspruchsvoll und wir kommen daher gut voran. Einzig der immer noch heftige Wind hier oben macht uns etwas zu schaffen. Eigentlich würden wir gerne hier oben unser Zelt aufbauen, doch der Wind ist uns etwas zu stark und so wollen wir lieber etwas unterhalb des Grats nach einem Plätzchen suchen. Wir erreichen schliesslich dessen Ende und steigen in engen Serpentinen steil bergab, als plötzlich, wie aus dem Nichts, dichter Nebel aufzieht. Wir sehen kaum unsere Hand vor Augen. Der Nebel umhüllt den Berg wie ein Band. Unterhalb dieses Nebelbandes ist die Landschaft nach und nach wieder immer besser zu erkennen. Im Osten liegt die flache Ostküste der Insel vor uns, der Blick reicht weit bis auf das Meer. Es beginnt ein kleines Waldstück und wir wittern eine gute Gelegenheit hier unser Lager aufzuschlagen. Nach etwa 9 Stunden Gehzeit stossen wir auf ein kleines Aussichtsplateau mit einer Wiese. Der Entschluss hier zu bleiben ist schnell getroffen. Wir bauen unser Zelt auf und gehen zum gemütlichen Teil des Tages über. Endlich ein verdientes Abendessen, bestehend aus Chili con carne mit Baguette, gefolgt von Grießbrei mit Apfelchips.

Incoming search terms for the article:

GR 20 – 1. Etappe

Col de Bavella – Monte Incudine

Es ist 5 Uhr morgens. Der Wecker klingelt.

Nach einigem hin und her wälzen stehen wir schliesslich um 5:40 Uhr auf. 5:00 Uhr war uns heute doch etwas zu früh. Aber auch zu dieser noch sehr frühen Stunde ist der Campingplatz wie ausgestorben. Völlig ungestört packen wir unsere Sachen zusammen und nutzen ein letztes Mal die sanitären Annehmlichkeiten eines Campingplatzes. Das Frühstück lassen wir erst einmal ausfallen und laufen stattdessen gleich zur Strasse. Doch, wie auf dem Campingplatz, tut sich auch hier zu dieser Uhrzeit noch nicht allzu viel. Anstatt uns die Beine in den Bauch zu stehen laufen wir die Strasse entlang. Der zu diesem Zeitpunkt noch bedeckte Himmel beginnt langsam aufzureissen und lässt die ersten Sonnenstrahlen des Tages zu den umliegenden Bergen durchdringen. Die ohnehin schon roten Felsen leuchten förmlich in der Morgensonne.

Hinter einer Kurve hören wir plötzlich das Klappern eines Motors. Ein Auto, zwei Daumen und tatsächlich, es hält an. Hinter dem Steuer ein junger korsischer Feuerwehrmann auf dem Weg nach Propriano. Wir verfrachten unsere Rucksäcke in den Kofferraum des kleinen Autos und schon kann es losgehen. Wir sind überrascht wie weit es noch bis zum Col ist, aber durch den netten Plausch mit dem Korsen, sofern man das bei unseren französisch Kenntnissen überhaupt so nennen kann, vergeht die Zeit im Nu und wir erreichen gegen 8 Uhr unser Ziel, den Col de Bavella. Endlich ist es  soweit. Nach 2 Tagen der Anreise stehen wir nun endlich an unserem Ausgangspunkt des GR 20. Das Frühstück, das wir hier eigentlich nachholen wollten, ist erstmal vergessen und wir machen uns gleich auf den Weg. Zunächst durch Wald laufend halten wir die Augen nach einer gelben Markierung offen. Diese kennzeichnet die alpine Variante des GR 20, die im Gegensatz zum normalen Weg, welcher am Fuße der Bavella-Gruppe durch den Wald verläuft, mitten hindurch führt. Wir zweigen rechts vom Normalweg ab und beginnen mit dem steilen Aufstieg. Die beeindruckenden Felsformationen der Bavella-Gruppe rücken immer näher. Vorbei an imposanten Felstürmen geht es immer weiter nach oben. Es ist zu dieser Uhrzeit glücklicherweise noch nicht sehr heiß, dennoch kommen wir aufgrund der schweren Rucksäcke gut ins schwitzen.

Der erste Anstieg ist schliesslich geschafft. Zwischen den Felstürmen suchen wir uns ein schattiges Plätzchen und beginnen mit der Dezimierung unserer Essensvorräte. Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel, über unseren Köpfen ein fantastisches Blau und dazu der herrliche Ausblick. Grandios.

Weitere längere Anstiege erwarten uns erst einmal nicht mehr. Stattdessen sind von nun an mehrere kleinere und größere Kletterstellen zu überwinden, die uns immer weiter in das Herz der Bavella-Gruppe bringen. Die schwierigsten Stellen sind mit Ketten gesichert, aber dank der schweren Rucksäcke eine nette Herausforderung. Leider viel zu schnell ist diese faszinierende Landschaft durchquert und wir erreichen den Abstieg, der uns durch sehr trockene Wälder hinab ins Tal führt. In zum Teil knöcheltiefem Staub geht es steil bergab, aber die Bäume spenden wohltuenden Schatten. Im Tal angekommen treffen wir wieder auf den Normalweg des GR 20 und folgen diesem  in flachem Gelände durch schönen Pinienwald in Richtung Norden.

Bevor am Ende des Tal der nächste Anstieg, vorbei an der Refuge d’Asinao zum Monte Incudine, auf uns wartet, sehnen wir jedoch eine ausgiebige Pause herbei. Zum Schutz vor der prallen Mittagssonne rollen wir im Schatten eines Baumes unsere Isomatten aus, verköstigen unsere selbst gemachten Müsliriegel und genehmigen uns ein kleines Mittagsschläfchen.

Auch am frühen Nachmittag sind die Temperaturen noch sehr hoch, aber dennoch, wir müssen weiter. Der Aufstieg zur Refuge führt über offenes Gelände, immer in der Nähe des Ruisseau d’Asinao, einem kleinen Flüsschen, das gemütlich ins Tal plätschert. Es ist heiß und die Gumpen am Flüsschen leider zu klein für ein Bad. Endlich an der Hütte angekommen halten wir uns gar nicht lange auf. Wir nutzen den Brunnen, um unsere Wasservorräte aufzufüllen, essen ein paar Bananenchips und brechen schon bald darauf wieder auf. Mehrere hundert Höhenmeter eines recht anspruchsvollen und steilen Aufstiegs warten auf uns. Unsere Wasservorräte leeren sich schnell. Doch auch dieser Auftieg ist schliesslich geschafft und nach knapp 2 Stunden erreichen wir den Gipfelgrat. Der Wind auf dem Grat verschafft uns Abkühlung. Selbst von hier ist der Ausblick bereits fantastisch. Der Blick in den Süden zeigt die Bavella-Gruppe, im Westen schweift der Blick über das Plateau  du Coscione bis an den Golf d’Ajaccio. Über den Grat ist der Gipfel nun schnell erreicht. Die ohnehin schon geniale Aussicht wird von hier aus noch durch den Ausblick nach Norden zur Paglia Orba und Monte Cinto bereichert. Sofort ist uns klar, dass wir die Nacht hier oben verbringen wollen. Ein Plätzchen für das Zelt ist schnell gefunden, auch die Wasservorräte reichen und so steht einem Gipfelbiwak nichts mehr im Wege.

Wir suchen uns den schönsten Aussichtspunkt und bereiten unser Abendessen zu.

Nachdem der Sonnenuntergang den Tag mit fantastisch kitschigen Farben beendet hat verkriechen wir uns zum Schutz vor dem Wind ins Zelt. Mit dem Kopf voller Eindrücke schlummern wir zufrieden ein und freuen uns auf den nächsten Tag.

Incoming search terms for the article:

GR 20 – Prolog II

Savona – Bastia und ein Stück weiter…

Wir wachen gegen 6 Uhr auf. Genug Zeit um jetzt ein Café zu suchen und lecker zu frühstücken. Ein nettes Café ist schnell gefunden. Klein, urig und mit frühstückenden Nachbarn in Pyjamas. Hier bleiben wir. Für jeden ein Latte Macchiato und ein Canolli. Lecker! So könnte jeder Morgen beginnen. Beim bezahlen sind wir mal wieder völlig begeistert von den günstigen Preisen.

Jetzt wird es Zeit sich am Hafen in die Reihe wartender Autos einzureihen und auf die Fähre zu warten. Unser Auto, klein und schäbig, inmitten zig nagelneuer und auf Hochglanz polierter Verkaufswagen für die Autohäuser der Insel. Noch ist von der Fähre nichts zu sehen, also nutzen wir die Zeit und schlendern ein wenig im Hafen umher und schauen den kleinen und großen Schiffen beim rangieren zu.

Kurz nach Sonnenaufgang taucht die Fähre im Hafen auf. Von nun an dauert es eine kleine Ewigkeit bis sage und schreibe eine Handvoll Mitarbeiter der Corsica Ferries die zahllosen Neuwagen an Bord verfrachten. Einsteigen, rein fahren, raus laufen, einsteigen…

Kaum sind wir an Bord schnappen wir uns etwas Verpflegung und spurten an Deck. Dank der Neuwagen sind nur wenige Passagiere an Bord und wir können uns auf 2 Liegen, 2 Stühlen und einem Tisch ausbreiten. So lässt sich die Überfahrt entspannt geniessen. Na ja, ganz entspannt leider doch nicht, denn wir nähern uns der Insel mit ordentlich Verspätung. Unser Plan das Auto in Bastia an der Bushaltestelle stehen zu lassen und mit dem Bus nach Solenzara zu fahren gerät durch die Verzögerung in Bedrängnis. Mit einer Stunde Verspätung erreichen wir den Hafen. Es muss jetzt schnell gehen, denn in einer Stunde und zwanzig Minuten fährt der Bus. Der letzte des Tages.

Wir verlassen die Fähre. Die Strasse Bastia’s sind voller Autos und wir kommen nur schleppend voran. Zielstrebig fahren wir den erstbesten Supermarkt an, denn ganz wichtig, wir brauchen noch Spiritus. Hektisch laufen wir an den endlosen Regalen vorbei, nur um nach einer Viertelstunde feststellen zu müssen, dass es keinen Spiritus gibt. Raus, rein ins Auto und weiter. Der nächste Supermarkt, dasselbe Spiel. Kein Spiritus. Uns rennt die Zeit davon, aber wir versuchen es noch in einem dritten Supermarkt. Mit Erfolg. Erleichtert schnappen wir uns die vorletzte Flasche aus dem Regal und eilen, noch mit einem Sechserpack Wasser und Baguette bepackt zur Kasse.

Die Bushaltestelle ist nicht mehr weit und glücklicherweise findet sich direkt daneben ein schattiger Parkplatz. Die bequemen Sandalen werden noch durch Stiefel ersetzt und kaum stehen wir an der Haltestelle kommt der Bus angefahren. Was für ein Timing! Wir zahlen 30€  für 2 Personen inkl. Gepäck und suchen uns in dem vollen Bus noch 2 Plätze. Solenzara ist nach einer eineinhalbstündigen Fahrt erreicht.

Wir füllen die Wasserflaschen in unsere Trinkschläuche um, verstauen das Baguette am Rucksack und schwingen uns zum ersten Mal die nun endgültig bepackten Rucksäcke auf den Rücken. Was bei mir etwa 19kg sind, inkl. 3 Liter Wasser und der kompletten Verpflegung für 12 Tage. Mit dem tröstenden Gedanken, dass der Rucksack ja von nun an jeden Tag leichter wird, machen wir uns auf dem Weg.

Da wir, wie der aufmerksame Leser sicher mitbekommen hat, eigentlich mit dem Flugzeug anreisen wollten und dann exakt 13 Tage Zeit für den GR 20 gehabt hätten, haben wir uns bei der Planung dazu entschlossen die erste Etappe, von Conca zum Col de Bavella, zu überspringen und direkt am Col de Bavella einzusteigen. Theoretisch hätten wir nun, mit der gewonnenen Zeit auch diese Etappe laufen können, aber da unser Proviant auf diese Planung ausgerichtet war, blieben wir dabei. Laut Literatur sind es vom Col de Bavella noch etwa 14 Tage bis nach Calenzana. Wir wollen in 12 Tagen dort sein…so lange reicht unser Proviant.

Am Ortsausgang angekommen folgen wir der Strasse zum Col de Bavella und versuchen die restliche Strecke per Anhalter zurückzulegen. Eine geschlagene Stunde später ist gerade einmal ein Auto an uns vorbei gefahren. Mittlerweile ist es nach fünf Uhr und wir sind heilfroh, dass das zweite Auto anhält. Ein netter Mann aus Augsburg nimmt uns gerne mit. Er fährt jedoch nicht den ganzen Weg zum Col, sondern nur etwa ein Drittel des Weges zu einem Campingplatz. Wir erzählen ihm von unserem Vorhaben, worauf er uns vorschlägt die Weiterfahrt lieber erst morgen zu versuchen. Der Campingplatz zu dem er fahre sei wunderschön und direkt an einer herrlichen Badegumpe gelegen, zudem seien morgens deutlich mehr Auto auf dieser Strecke unterwegs.

Das Argument mit der Badegumpe überzeugt uns. Wir quartieren uns für eine Nacht auf dem wirklichen wunderschönen, naturbelassenen Campingplatz ein und nutzen die letzten Stunden des Tages für ein ausgiebiges Bad in der Gumpe.

Incoming search terms for the article: