Cahersiveen

Der Morgen ist recht warm, doch noch hängen dichte Wolken am Himmel. Dank des durch die Dünen vom Wind geschützten Zeltplatzes hatten wir eine ruhige und erholsame Nacht. Noch am gestrigen Abend haben wir beschlossen, den “verlorenen” Wandertag nach Cahersiveen heute mit dem Bus wieder aufzuholen. Wir brechen unser Lager ab, packen zusammen und machen uns auf den Weg nach Glenbeigh. Der Bus nach Cahersiveen hält vor dem dortigen Postamt an der Haupstrasse. Wir steigen über die Dünen, um an der östlichen Seite der Landzunge zunächst nach Rossbeigh zu laufen. Kaum überqueren wir den Dünenkamm werden wir von einem fantastischen Sonnenaufgang über der Rossbeigh Creek, der im Osten angrenzenden Bucht, begrüßt. Durch die langsam lichter werdenden Wolken bahnen sich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen ihren Weg zu uns. Wunderschön.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle machen wir in einem Supermarkt kurz Halt, um für Frühstück zu sorgen. Mit Käse und Brot geht es weiter zum Postamt, vor dem idealerweise eine kleine Bank auf uns wartet. Mit dem Frühstück vertreiben wir uns die Wartezeit auf den Bus. Die Fahrt nach Cahersiveen ist landschaflich sehr schön und führt meist direkt an der Küste entlang. Mittlerweile bedauere ich es fast mit dem Bus zu fahren. Es wäre sicherlich eine tolle Etappe geworden, zumal bei unserem Eintreffen in Cahersiveen alle Wolken verschwunden sind und der Himmel in einem perfekten Blau erstrahlt. Wir steigen aus dem Bus und plötzlich fällt uns auf, dass wir unsere Trekkingstöcke vergessen haben. “So ein Mist”, sie werden wahrscheinlich noch an der Bank vor der Post stehen. Was tun? Direkt um die Ecke des Busbahnhofs finden wir das gemütliche Sive Hostel, in dem wir auch die Nacht verbringen werden. Das Hostel verfügt zum Glück über einen Internetanschluss. Wir suchen die Telefonnummer der Post in Glenbeigh raus und rufen an. Der Postmitarbeiter zeigt sich sehr hilfsbereit. Kaum haben wir geschildert was passiert ist, sitzt er mit unseren Stöcken in der Hand schon wieder am Telefon: “I got ‘em, now they’re safe”. Morgen auf der Rückfahrt nach Killarney holen wir die Stöcke dort ab.

Im Hostel essen wir noch etwas zu Mittag und machen uns anschließend auf dem Weg die Umgebung zu erkunden. Wir starten im Hafen von Cahersiveen, überqueren anschließend den Fertha River und halten uns westlich. Wir entdecken einige alte Steinforts, von denen aus man einen schönen Ausblick auf die Umgebung hat. Nach einem kleinen Mittagsschläfchen bei strahlendem Sonnenschein geht es eine Stunde später in Richtung Norden bis wir eine kleine Bucht entdecken. Einige Einheimische gehen hier zu dieser Jahreszeit tatsächlich noch schwimmen. In Anbetracht des genialen Wetters reizt uns das natürlich auch, aber leider fehlen die Badesachen. In einem weiten Bogen geht geht es nun östlicher Richtung bis White Strand, ein ausgedehnter, schöner Sandstrand mit Blick auf Valentia Island. Bei einem Kaffee, unseren Trangia haben wir natürlich dabei, lassen wir den Tag hier gemütlich ausklingen. Auf dem Rückweg dann noch einen Abstecher zum verlassenen Ballycarberry Castle. Ein perfekter Tag.

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Glenbeigh – Rossbeigh

Heute lassen wir es locker angehen. Also, erstmal ausschlafen. Nach dem Aufstehen geht es mit knurrenden Mägen in den Frühstücksraum. Wir sind die einzigen Gäste. Ein gedeckter Tisch wartet bereits auf uns. Nach dem Essen eröffnet uns unsere Vermieterin ein sehr günstiges Angebot für eine weitere Nacht. Scheinbar ist man zu dieser Jahreszeit froh um jeden Gast. In Anbetracht des wirklich sehr leckeren Frühstücks, welches uns am nächsten Morgen noch einmal erwarten würde, wären wir fast schwach geworden. Aber nein, wir lehnen dankend ab. Es zieht uns weiter.

Zurück auf unserem Zimmer packen wir in aller Ruhe unsere Sachen zusammen, verabschieden uns schliesslich und machen uns wieder auf den Weg. Im Lädchen auf der anderen Strassenseite kaufen wir erstmal ausreichend Wasser und füllen unsere Trinkschläuche. Wir wollen zunächst unbedingt einen Abstecher zu Rossbeigh Strand machen. Eine 4 km lange Landzunge mit hohen Sanddünen und einem langgezogenen Sandstrand an der Westseite. Von Glenbeigh aus sind es etwa 4 km bis zur Landzunge. Immer an der Hauptstrasse entlang geht es zunächst durch Glenbeigh, bis wir uns am Ortsausgang schliesslich rechts halten. Am Fuße des Rossbeigh Hill geht es nun bis zum gleichnamigen Ort, von dem aus wir schon die ersten Blicke auf die Landzunge werfen können. Als wir bald darauf Rossbeigh Strand erreichen und ein wenig den Strand entlang wandern, entscheiden wir uns spontan den Tag hier zu verbringen. Die Dünenlandschaft scheint sich ausgezeichnet für eine Nacht im Zelt zu eignen und irgendwie steht uns der Sinn heute nach einem ausgedehnten Strandspaziergang. Also bleibt es dabei, wir bleiben hier. Unser Gepäck lassen wir getarnt in den Dünen zurück und erkunden entspannt die Landzunge mit ihrer herrlichen Dünenlandschaft, bis wir am Nachmittag wieder zurückkehren. Ein Platz für die Nacht ist schnell gefunden.

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Lough Acoose – Glenbeigh

Am Morgen hat der Wind nachgelassen und das Wetter sich wieder beruhigt, aber noch immer hängen die Wolken tief über unseren Köpfen. Es sieht sehr nach Regen aus, also lassen wir das Frühstück erstmal ausfallen und fangen gleich nach dem Aufstehen mit dem Abbau des Zeltes an. Anja’s Schuhe sind zum Glück wieder halbwegs trocken und so können wir uns schon bald auf den Weg nach Glenbeigh machen, unserem Ziel für heute. Zunächst gilt es trockenen Fußes wieder den Weg zu erreichen, dann setzen wir den Abstieg fort. Über viele Serpentinen geht es steil bergab, bis wir auf einen matschigen Pfad treffen, der uns geradewegs auf den Lough Acoose zu führt. Wir erreichen schliesslich ein Farmhaus. Hier geht der Pfad in eine Asphaltstrasse über, die uns östlich am See vorbei führt. Die gestrige Entscheidung noch in Bergen zu zelten hat sich, trotz der widrigen Bedingungen als richtig erwiesen. Der Lough Acoose ist ein Naturschutzgebiet und vollständig eingezäunt, einen Schlafplatz findet man hier nicht.

Als wir am nördlichen Ende des See eine Hauptstrasse erreichen, fängt es plötzlich an zu regnen. Zunächst noch leicht, doch schon bald prasseln dicke Tropfen auf uns herab. Durch den starken Regen folgen wir der Hauptstrasse drei km in Richtung Westen bis wir endlich das Örtchen Glencar erreichen. Im Climber’s Inn, einem Hostel und Dorfpub, machen wir Pause. Wir gönnen uns einen Kaffee, kaufen Wasser und ruhen uns etwas aus. Auf den Lehnen der Stühle trocknen unsere Jacken.

Als wir das Climber’s Inn wieder verlassen hat es endlich aufgehört zu regnen. Kurz hinter dem Climber’s Inn zweigen wir links von der Strasse ab und kämpfen uns fortan durch einen, mit knöcheltiefem Matsch bedeckten Weg. Der Weg endet nach einem Kilometer an einer Asphaltstrasse, wir gehen nach rechts und kommenden bald darauf an den River Carragh. Der Fluss gehört zu den saubersten Flüssen der Welt und zählt zu den beliebtesten Angelflüssen Irlands. An einer Brücke verlassen wir die Strasse wieder und folgen auf einem Uferweg dem Verlauf des Flusses. Als wir einen noch recht jungen Kiefernwald erreichen, verlassen wir den Uferweg nach links. Es ist immer wieder ein Genuss durch die irischen Wälder zu wandern, besonders nach Regenfällen ist die Luft herrlich frisch. Der Kiefernwald geht langsam in einen Laubwald aus Birken und Eichen über. Unser Weg führt uns nun stetig aufwärts bis wir den Gipfel einer Anhöhe erreichen. Ein schönes Panorama erwartet uns. Im Norden reicht der Blick bis zum Lough Caragh.

Durch dichten Wald geht es nun wieder abwärts, bis wir auf eine Asphaltstrasse stoßen. Anstatt dem Kerry Way nach links zu folgen biegen wir rechts ab, um noch einen kleinen Abstecher zum River Caragh zu machen. Wir hoffen auf ein schönes Plätzchen für ein Mittagessen am Ufer des Flusses. Kurz bevor die Strasse über die Blackstone Bridge, eine alte Steinbrücke, den Fluss überquert werden wir fündig. Den ganzen Tag haben wir noch nichts richtiges gegessen, das Frühstück fiel heute morgen ja aus. Der Hunger ist dementsprechend groß und so freuen wir uns umso mehr auf ein leckeres Mittagessen. Ein Blick in unsere Vorräte und wir entscheiden uns für unser Kürbis-Kartoffel-Curry, zum Nachtisch noch einen Schokopudding. Köstlich.

Gestärkt und erholt brechen wir wieder auf. Etwa 6 km liegen bis Glenbeigh noch vor uns. Die nächsten Kilometer wandern wir die Asphaltstrasse entlang. Die Strasse führt langsam aber stetig bergauf und so ergeben sich nach und nach immer neue Ausblick über die Landschaft. Durch die tief hängenden, düstern Wolken ist die Fernsicht schlecht. Bei guter Sicht kann man hier noch einen Blick zurück auf die Berge der Macgillycuddy’s Reeks werfen, dennoch sorgen die Wolken für eine einzigartige Atmosphäre und verleihen der Landschaft einen besonderen Reiz. Wir erreichen schliesslich eine Stelle an der sich der Kerry Way teilt. Hier hat man die Möglichkeit, auf einer 4 km längeren Route den Seefin Mountain ohne weiteren Anstieg in östlicher Richtung zu umgehen, oder man entscheidet sich für den direkten Weg, der weiterhin bergauf zum Windy Gap führt. Wir wählen die direkte Route bergauf.

Über einen Kiespfad geht es nun weiter bergauf zum Windy Gap. Als wir schliesslich oben ankommen, sind wir fast etwas enttäuscht. Wir hatten dem Namen nach richtig heftigen Wind erwartet, doch dieser hält sich in Grenzen. Kein Vergleich zu den Böen am Vortag auf dem Weg zum Bridia-Pass. Bei schönem Wetter kann man von hier die Dingle-Halbinsel am Horizont erkennen, heute sehen gerade einmal bis zum Ort Rossbeigh, der vor uns am Fusse des Berges liegt.

Auf einem recht guten Weg geht es flott bergab und so erreichen wir schon bald die ersten Häuser des Ortes. Das Zelt bleibt heute im Rucksack. Für die Nacht wollen wir uns ein Zimmer suchen. Heute Abend wollen wir in Rossbeigh in einem Pub in meinen Geburtstag rein feiern. Im Zentrum angekommen entdecken wir zuerst ein Hostel an der Hauptstrasse, jedoch leider geschlossen. Eine Anwohnerin ruft uns von der anderen Strassenseite herüber, dass die Besitzer für ein paar Tage weggefahren sind. Aber schon eine Ecke weiter finden wir ein hübsches Haus mit einer auffälligen roten Tür und einem B&B Schild. Die nette und neugierige Besitzerin öffnet uns. Gleich werden wir ausgefragt, woher wir kommen, ob wir den Kerry Way laufen, wo wir die letzten Tage übernachtet haben, und so weiter. Dass wir die letzten Nächte im Zelt verbracht haben, kann sie uns kaum glauben.

Wir beziehen schliesslich unser Zimmer, legen noch ein wenig die Beine hoch und machen uns nach dem Abendessen auf den Weg in den Pub.

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Upper Lake – Lough Acoose

Irgendwas stimmt heute Morgen nicht. Schon beim aufwachen bemerke ich ein seltsam unnatürliches Verhalten des Zeltbodens. Was ist denn jetzt los? Ein Blick aus dem Zelt beantwortet die Frage. Durch den Regen der vergangenen Nacht hat sich unter unserem Zelt eine 5 cm tiefe Wasserpfütze gebildet. Wir haben ein Wasserbett… Glücklicherweise hat sich die Pfütze nur unterhalb des anscheinend etwas tiefer liegenden Innenzelts gebildet, die Apsis ist halbwegs trocken. Im Zelt ist es zum Glück auch trocken geblieben, der Zeltboden hat dicht gehalten.

Erstmal wird gefrühstückt, danach retten wir das Zelt aus den Fluten. Gar nicht so einfach, wenn man nicht bei jedem Schritt in der Pfütze versinken will, aber nach einer Weile ist es geschafft und das Zelt ist im Rucksack verstaut. Der am Morgen noch teilweise blaue Himmel ist bereits wieder mit dunklen Wolken verhangen, aber es bleibt trocken. Wir brechen auf.

Der Weg führt zunächst durch offenes Gelände an der Südseite des Sees in Richtung Westen. Um uns herum die Gipfel der Macgillycuddy’s Reeks, an dessen höchsten Gipfel wir im Laufe der heutigen Etappe noch vorbeikommen werden. Nach kurzer Zeit erreichen wir Lord Brandon’s Cottage, ein in der Nähe des Sees gelegenes Teehaus, das heute jedoch geschlossen ist. Über eine Steinbrücke überqueren wir den Gearhameen River und erreichen eine einspurige Autostrasse. Die Strasse verläuft immer in der Nähe des Flusses durch einen schönen, alten Wald. Wir verlassen schliesslich, etwa einen Kilometer später, die Grenzen des Nationalparks und nähern uns dem kleinen Örtchen Black Valley. Am Ortseingang liegt auf der rechten Seite die Dorfschule. Schon aus einiger Entfernung hören wir die spielenden Kinder. Es ist Pause.

Da sich unsere Wasservorräte langsam leeren, hoffen wir im  winzigen, aus nur wenigen Häusern bestehenden Ort einen Laden zu finden, um Wasser zu kaufen. Wir haben Glück. Im letzten Haus auf der linken Strassenseite finden wir einen kleinen Laden an der Seite eines Hauses. Dieser  ist aber  geschlossen, also klopfe ich an die Tür des Hauses und tatsächlich kommt bald eine junge Frau an die Tür und öffnet uns den Laden.

Mit vollen Wasservorräten geht es auf der Asphaltstrasse weiter in das mit Wolken verhangenen Tal hinein. Immer wieder fängt es an zu Nieseln, aber die Temperaturen sind angenehm. Schon von weitem können wir den Cummeenduff Lough sehen, einen von Wiesen umgebenen See im Talgrund. Wir passieren noch einige verlassene Häuser und schliesslich endet die Asphaltstrasse. Mit dem Auto ist ab hier kein weiterkommen mehr möglich. Auf dem zum Teil sehr morastigen Weg wandern wir weiter. Immer wieder müssen wir großen Pfützen ausweichen. Nach einiger Zeit erreichen wir schliesslich einen schönen Kiefernwald, die Luft riecht herrlich frisch nach Pilzen und feuchtem Holz. Der Wald endet jedoch schon bald wieder und gibt den Blick auf den Lough Reagh frei, in den sich der Gearhameen River über einen Wasserfall ergießt.

Der morastige Weg geht schliesslich in eine Fahrstrasse über, die uns in westlicher Richtung zum Bridia-Pass führt. Wieder passieren wir einige verlassene Häuser, die vor dem Hintergrund der wolkenverhangenen Berge sehr schön anzuschauen sind. War der Weg bisher eher flach, so geht es jetzt steil aufwärts zum Bridia-Pass. Südlich von uns steckt der Gipfel des 745 m hohen Broaghnabinnia in tiefschwarzen Wolken.

Mit jedem Meter den wir an Höhe gewinnen blässt uns ein immer stärker werdender Wind um die Ohren. Wir müssen uns mit ganzer Kraft gegen den Wind stemmen, um vorwärts zu kommen. Kurz vor dem Pass erreichen wir, den in einer kleinen Mulde gelegenen, Curraghmore Lough. Wir beschliessen uns am See ein wenig vom Aufstieg zu erholen und legen eine Kaffeepause am Ufer ein. In der Mulde sind wir etwas vor dem Wind geschützt. Wir packen den Trangia aus und setzen Wasser für den Kaffee auf.

Der Boden hier oben ist sehr weich, das Weiterkommen mühsam. Durch wegloses Grasgelände geht es die letzten Meter bergauf zum Bridia-Pass. Der Wind pfeift. Als wir den Pass endlich erreichen tut sich eine fantastische Szenerie vor uns auf. Wir blicken auf ein weites, grünes Tal. Der Wind lässt die Wolken rasant über unsere Köpfe hinwegziehen und immer wieder tun sich kleine Lücken in der Wolkendecke auf, durch die sich die Sonnenstrahlen ihren Weg zum Boden bahnen. Dafür hat sich der Aufstieg und der Kampf mit dem Wind allemal gelohnt.

Vom Pass aus geht es nun über nasses Gras und glitschige Steine steil bergab. Immer wieder bleiben wir kurz stehen, um das Schauspiel aus Sonnenstrahlen und Wolken zu bewundern. Wir überqueren beim Abstieg mehrere Bäche und erreichen im Tal schliesslich eine Asphaltstrasse, der wir westwärts folgen. Aber anstatt im Tal zu bleiben, geht es schon bald wieder bergauf. Wir verlassen die Strasse über einen kleinen Pfad, der uns steil ansteigend zur zweiten Passhöhe des Tages führt. Und wieder gewinnt der Wind mit der Höhe an Stärke. Auf dem offenen Hang sind wir dem Wind schutzlos ausgeliefert, der Aufstieg dementsprechend anstrengend, aber der Ausblick ist herrlich.

Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang erreichen wir die Passhöhe, mit 365 m Höhe der höchste Punkt der Etappe. Der Boden hier oben ist völlig durchweicht, ständig sinken wir ein. In der Ferne erblicken unser geplantes Etappenziel, den Lough Acoose. Aufgrund der Uhrzeit und des Hungers beschiessen wir aber unseren Plan zu verwerfen und bereits beim Abstieg nach einem Zeltplatz Ausschau zu halten. 15 Minuten später entdecken wir, etwas abseits des Weges, eine ebene Stelle hinter einem Felsen, der uns als Windschutz diesen soll. Wir verlassen den Weg und da passiert es. Anja versinkt mit ihrem rechten Fuss in einer tiefen Pfütze. Bis über den Schaft ihrer Stiefel sinkt sie im Boden ein. Die Füße und die Schuhe völlig durchnässt, da hilft auch kein Gore-Tex. Also, schnell das Zelt aufgebaut und raus aus den nassen Schuhen.

Nach dem Essen verziehen wir uns recht schnell in die wärmenden Schlafsäcke, doch Schlaf finden wir noch keinen. Der Wind frischt wieder auf und peitscht gegen das Zelt. Das im Wind flatternde Zelt steht zwar stabil, doch es macht einen ganz schönen Lärm, der uns zunächst nicht schlafen lässt. Als der Wind noch etwas an Stärke zulegt, halten einige Heringe plötzlich nicht mehr. Sie stecken zwar komplett im Boden, doch dieser ist aufgeweicht und bietet nur wenig Halt. Also wieder raus aus den Schlafsäcken und die herausgerissenen Heringe suchen. Mit unseren Stirnlampen bewaffnet suchen wir bei heftigem Wind und absoluter Dunkelheit nach den Heringen. Einer bleibt verschollen, die anderen finden wir wieder und drücken sie so tief wie möglich in den Boden. Dann nochmal alle Leinen nachspannen und wieder ab in das Zelt. Es dauert noch eine Weile, bis wir uns an das laute Zelt gewöhnen, doch irgendwann schlafen wir endlich ein.

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Killarney – Upper Lake

Noch vor 7 Uhr mühen wir uns aus den warmen Betten. Ein erster Blick aus dem Fenster offenbart akzeptables Wetter, es ist bewölkt, aber der Regen vom Vorabend hat aufgehört. Gute Voraussetzungen für die erste Etappe. Die erste Etappe erstreckt sich über 23 km von Killarney nach Black Valley. In der Hoffnung einen guten Zeltplatz zu finden, wollen wir die erste Etappe allerdings nur bis zum Upper Lake, etwa 3 km vor Black Valley, laufen.

Im Frühstücksraum sind wir um diese Uhrzeit noch alleine, die anderen erholen sich wohl noch von der Nacht im Pub. Wir essen uns einmal quer durch das Frühstücksangebot und kehren satt auf unsere Zimmer zurück, um die Rucksäcke zu packen. Bevor wir endlich in die erste Etappe starten, reservieren wir noch ein Zimmer für die letzte Nacht der Reise. Dieses schöne Hostel hat es uns echt angetan.

Der offizielle Startpunkt des Kerry Way liegt am südlichen Stadtrand von Killarney, da die Stadt aber recht überschaubar ist, erreichen wir schon bald nach unserem Aufbruch den ersten Wegweiser, der den Start des Kerry Way markiert. Die ersten 2 km führt der Weg nun zunächst in südlicher Richtung an der Hauptstrasse entlang. Ein Schild am Wegesrand zeigt schliesslich an, dass wir den Killarney Nationalpark erreicht haben. Den Rest des Tages wird uns unser Weg fast ausschließlich durch den Nationalpark führen. Der Pfad zweigt nun rechts von der Hauptstrasse ab und führt uns durch einen Wald hindurch an das Ufer des Lough Leane. Im Hintergrund erblicken wir die Ausläufer der Macgillycuddy’s Reeks mit Wolken verhangenen Gipfeln.

Der Weg führt nun durch eine parkartig angelegte Landschaft, immer in der Nähe des Ufers bleibend, in Richtung Muckross House, einem 1843 erbauten, mächtigen Herrensitz. Als wir uns in gemütlichem Tempo langsam Muckross House nähern, werden wir urplötzlich von einem Regenschauer überrascht. Im Regen geht es weiter, doch glücklicherweise sind die irischen Regenschauer meist nicht von Dauer, so dass der Regen bei erreichen des Herrensitzes bereits wieder aufhört. Muckross House  ist von einem sehr schönen Park mit einer riesigen, perfekt gemähten Rasenfläche (typisch irisch) umgeben und liegt am gleichnamigen Muckross Lake, der über einen kleinen Zufluss mit dem Lough Leane verbunden ist. Alles ist ist trotz Herbst noch erstaunlich grün, nur hin und wieder zeigt das farbige Laub einiger Bäume, dass auch in Irland der Herbst nicht spurlos vorüber geht.

Vorbei an riesigen Rhododendren geht es noch ein wenig am Ufer des Sees entlang. Im Frühling, zur Blütezeit, muss es hier fantastisch aussehen.  Der Weg wendet sich nun vom Ufer ab und führt uns auf die ersten Berge der Macgillycuddy’s Reeks zu. Steil bergauf geht es durch einen dichten Wald aus Birken, Eichen und Stechpalmen. Die Eichen erreichen Höhen von bis zu 40 Metern und bilden eine imposante Kulisse. Der Boden ist dicht mit Moosen und Flechten bewachsen.  Wir nähern uns einer bekannten Sehenswürdigkeit des Killarney Nationalpark. Schon von weitem hören wir ihn rauschen, den Torc Waterfall.

Der Pfad steigt weiter an bis wir schliesslich eine breitere Schotterpiste erreichen, die Old Kenmare Road. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts diente die Strasse als Hauptverbindungsstrecke zwischen Killarney und Kenmare, heute begegnen uns hier nur 2 Menschen. Links des Weg fliesst der Owengarriff River. Ein guter Platz für eine kleine Pause.

Wir brechen wieder auf, überwinden noch einen kurzen, aber steilen Anstieg und lassen den Wald hinter uns. Vor uns tut sich eine fast baumlose, weite Moor- und Heidelandschaft auf. Eine sehr ansprechende Szenerie. Der Himmel ist mittlerweile von dunklen Wolken verhangen und so kommt es auf dem weiteren Weg immer wieder zu kurzen Schauern.

Die zunächst breite Schotterpiste wird immer schmaler und ist bald kaum noch zu erkennen. Durch hohes Gras geht es auf matschigem Boden nur noch langsam voran. Durch den Regen der hier offensichtlich in den letzten Tag vom Himmel kam ist der Boden mit Wasser gesättigt und sehr aufgeweicht. Gute Stiefel sind in Irland Pflicht. An einigen Stellen sind glücklicherweise Holzbohlen oder kleine Stege in den Boden eingelassen, ohne die ein weiterkommen kaum möglich wäre.

Wir erreichen eine kleine Anhöhe. Bei einer kurzen Pause geniessen wir den schönen Ausblick über den zurück gelegten Weg.

Einen halben Kilometer später erreichen wir eine asphaltierte, einspurige Strasse. Hier teilt sich der Kerry Way. Biegt man links ab, hat man die Möglichkeit den Kerry Way gegen den Uhrzeigersinn über Kenmare zu laufen. Wir folgen der Strasse nach rechts in Richtung Black Valley. Unser Tagesziel, der Upper Lake, ist nicht mehr weit entfernt. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Hauptstrasse N71, verlassen die Strasse jedoch schon nach wenigen hundert Metern, um auf schmalen Pfaden wieder durch alten Eichenwald weiter zum Upper Lake abzusteigen.

Die Eichenwälder Irlands sind vielerorts durch die enorme Ausbreitung der Rhododendren stark bedroht. Die ursprünglich in Asien beheimateten Pflanzen wurden einst nach Irland eingeführt und sorgen nun, durch ihr ausser Kontrolle geratenes Wachstum, für eine Bedrohung der heimischen Pflanzenwelt. Zur Erhaltung der vielfältigen Pflanzenwelt, wurden in den letzten Jahren nach und nach viele der Rhododendren gerodet, auch hier in den Wäldern am Upper Lake.

Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang erreichen wir den See und beginnen die Augen nach einem geeigneten Zeltplatz offen zu halten. Wie erhofft werden wir direkt am Ufer des Sees fündig. Bei immer stärker werdendem Wind, der hunderte von Blättern über den See fliegen lässt, bauen wir das Zelt auf. Als es schliesslich auch noch anfängt zu regnen sind wir froh uns bei dieser Reise für das “Wechsel Outpost” entschieden zu haben. Die Apsis bietet uns genügend Platz um im trockenen zu kochen und gemütlich zu essen.

Bei mittlerweile strömenden Regen schlafen wir schliesslich ein…

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Irland – Kerry Way

Die Idee eine kleine Reise nach Irland zu machen kam sehr spontan. Beim stöbern durch das World Wide Web landete ich zufällig auf der Homepage des bekannten irischen Billigfliegers, auf der ich über sehr günstige Angebote für Irlandflüge stolperte. Schnell war entschieden, im Oktober geht es für eine Woche nach Irland, auf die Iveragh Halbinsel nach Kerry. Es bot sich also an den Kerry Way zu laufen, über den ich bereits interessante Reiseberichte gelesen hatte.

Mit 215 km gehört der Kerry Way zu den längsten Wanderwegen Irlands. Der Kerry Way führt von Killarney aus rund um die Iveragh Halbinsel im Südwesten Irlands. Da der Weg auch wieder in Killarney endet, kann er sowohl im Uhrzeigersinn als auch gegen den Uhrzeigersinn gelaufen werden. In einer Woche war es uns natürlich nicht möglich, den gesamten, in neun Etappen unterteilten Weg zu laufen. Wir entschieden uns für die ersten vier Etappen von Killarney nach Cahersiveen, um von dort aus mit dem Bus schliesslich wieder zurück nach Killarney zu gelangen…

Wir starten am frühen Morgen mit dem Bus von Frankfurt/ Main nach Hahn. Die Fahrt dauert etwa 2 Stunden. Am Flughafen die übliche Prozedur mit Gepäckabgabe, Check-In und Boarding. Na ja, nicht ganz üblich. Bei der Sicherheitskontrolle werden wir rausgewunken, man habe etwas verdächtiges in unseren, beim Check-In abgegebenen Rucksäcken gefunden. Wir folgen einem sehr netten Flughafenmitarbeiter in einen kleinen Raum, in dem bereits unsere Rucksäcke auf uns warten. Anja wird gebeten ihren Rucksack auszupacken, man vermutet einen Kocher im Gepäck. Und so ist es auch. Der Trangia wird auseinander gebaut und der Brenner eingehend beschnüffelt. Da wir den Brenner vor Flugreisen immer gut lüften gibt es glücklicherweise nichts zu beanstanden. Der Rucksack kann wieder gepackt werden und die Reise kann beginnen.

Ready for take off…

Der Flug verläuft ruhig und so landen wir planmässig 2 Stunden später am Kerry Airport, den mit Abstand kleinsten Flughafen den ich bisher gesehen habe. Da unser Flieger alleine auf dem Rollfeld steht erscheinen unsere Rucksäcke schon bald nach der Landung auf dem einzigen Gepäckband des Flughafens. Mit dem Bus, der direkt vor dem Flughafen hält, geht es in einer halbstündigen Fahrt bis ins Zentrum Killarney’s. Auf der Fahrt sammeln wir erster Eindrücke von der Insel. Es ist, trotz fortgeschrittenem Herbst, noch erstaunlich grün. Während die Bäume in Deutschland ihr Laub bereits in Gelb- und Rottönen präsentieren, ist in Irland vom Herbst noch so gut wie nichts zu sehen und auch die Temperaturen sind angenehm mild. Irland wird wohl nicht umsonst als die “grüne Insel” bezeichnet. In Killarney angekommen machen wir uns auf dem Weg zu unserem Quartier für die erste Nacht, dem Sugan Hostel. Das Hostel liegt sehr zentral im Zentrum Killarney’s und ist absolut empfehlenswert. Zu sehr günstigen Preisen, Frühstück inklusive, kann man entweder in Privat- oder Mehrbettzimmern übernachten. Bei unserer Ankunft werden wir sehr freundlich empfangen und im ganzen Hostel herum geführt. Wir erhalten noch ein paar Tipps für Unternehmungen in Killarney und beziehen schliesslich unser Zimmer.

Bei einem Kaffee, den es im Hostel kostenlos gibt, ruhen wir uns noch ein wenig aus und brechen schliesslich in Richtung Killarney Nationalpark auf, der direkt vor den Toren der Stadt liegt. Bei wunderbarem Wetter schlendern wir den Rest des Tages durch die herrliche Parklandschaft, wandern ein wenig am Ufer des Lough Leane entlang und entdecken Ross Castle. Wieder im Hostel ankommen erfahren wir von Mitbewohnern aus dem Hostel, dass es in einem Pub um die Ecke am Abend Live-Musik geben wird. Wir verabreden uns mit einigen und beenden den Tag schliesslich mit dem ein oder anderen Guiness/ Paddy’s im Pub. Irland eben…

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