Rund Kefalonia

Mit dem Seekajak rund Kefalonia

Die Lust auf eine längere Tour mit dem Seekajak ist groß, aber es ist noch früh im Jahr. Nach ein wenig Recherche fällt die Wahl für ein Tourengebiet auf die griechische Insel Kefalonia. Im April sollte das Wetter in Griechenland doch schon ganz passabel sein, so der Gedanke. Doch eins steht nach dieser Reise fest: Auch in Griechenland ist der April eben ein richtiger April, mit allem was dazugehört. Regen, Sonne, Wind, sogar Gewitter und eine richtig launische See mit entsprechendem Wellengang entpuppen sich als griechisches Frühlingswetter.

Nach knapp drei Tagen Anreise über den Balkan ist Kefalonia erreicht. Der eigentliche Plan, die Tour mit einer Kajaküberfahrt von Lefkada aus zu beginnen, ist aufgrund des starken Seegangs leider nicht möglich. So hilft die Autofähre bei der Überfahrt nach Kefalonia. Mit dem Auto geht es nach Karavomylos. Etwa in der Mitte der Ostküste gelegen bei Westwind ein strategisch guter Ausgangspunkt. Das Meer zeigt sich hier wie erhofft halbwegs ruhig und so kann die Tour nach kurzer Parkplatzsuche und dem Verladen der Ausrüstung beginnen.

Kefalonia ist eine unglaublich Vielfältige Insel, keine Küste ähnelt der anderen. Bewaldete Abschnitte, bis zu 70m hohe und senkrecht ins Meer hinabstürzende Felswände, Höhlen und Grotten und feinste Sandstrände. Mehr Abwechslung geht nicht und so wird es tatsächlich niemals langweilig auf dieser Umrundung. Natürlich auch Dank des Wetters.

Die Ostküste gehört zum bewaldeten Abschnitt der Insel und ist, wie fast die gesamte Küstenlinie kaum bewohnt. Eine einsame Bucht folgt auf die andere. Weiter im Norden gewinnen die Felsen oberhand und die Wellen nehmen beim Versuch die Nordspitze zu umrunden spürbar zu. Der erste Versuch die Westküste zu erreichen scheitert. Abwettern ist angesagt. Nach zwei Tagen warten endlich ein wenig Sonnenschein und wieder vernüftige Paddelbedingungen. Auch wenn die gesamte Küste wirklich sehr sehenswert ist, so ist die wilde Westküste mit ihren Felswänden doch das Highlight.

An der gesamten Westküste gibt es jedoch nur eine Möglichkeit an Nahrungsmittel und Wasser zukommen. Entsprechend ausreichende Vorräte sind daher unverzichtbar, insbesondere wenn die Wellen wieder meinen den Ton angeben zu müssen. Etwa in der Mitte der Westküste ist zunächst für 4 Tage Schluss. Bis zu 2m hohe Wellen machen das Paddeln unmöglich. Das Dröhnen der Brandung lässt an Schlaf fast nicht denken, der schmale Strand wird bei jeder Welle fast komplett überspült. Nicht gerade der ideale Ort zum aussitzen der Situation, aber zu diesem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit. Als am vierten Tag sämtliche Wasservorräte aufgebraucht sind und auch das Essen langsam aber sicher zur Neige geht, muss es trotz immernoch beachtlichem Wellengang weitergehen. Die nächste Möglichkeit an neue Vorräte zu kommen ist die 40km entfernte Stadt Lixouri. Nach geschlagenen 8 Stunden ist es geschafft, die Stadt ist erreicht.

So wild sich die Westküste der Insel zeigt, so sanft zeigt sich der Süden mit seinen oft kilometerlangen Sandstränden und wieder versöhnlichem Wetter. Was jedoch leider nicht so bleibt. Bei erreichen der Südwestspitze schlägt das Wetter erneut um. Wind und Dauerregen setzen ein und machen das Paddeln entlag der südlichen Ostküste nicht gerade zum Zuckerschlecken. Doch wenn nach 200km im Kajak und der letzten Biegung wieder der Ausgangspunkt erscheint, bleibt nur noch eins: Ein gutes Gefühl.