Lough Acoose – Glenbeigh

Am Morgen hat der Wind nachgelassen und das Wetter sich wieder beruhigt, aber noch immer hängen die Wolken tief über unseren Köpfen. Es sieht sehr nach Regen aus, also lassen wir das Frühstück erstmal ausfallen und fangen gleich nach dem Aufstehen mit dem Abbau des Zeltes an. Anja’s Schuhe sind zum Glück wieder halbwegs trocken und so können wir uns schon bald auf den Weg nach Glenbeigh machen, unserem Ziel für heute. Zunächst gilt es trockenen Fußes wieder den Weg zu erreichen, dann setzen wir den Abstieg fort. Über viele Serpentinen geht es steil bergab, bis wir auf einen matschigen Pfad treffen, der uns geradewegs auf den Lough Acoose zu führt. Wir erreichen schliesslich ein Farmhaus. Hier geht der Pfad in eine Asphaltstrasse über, die uns östlich am See vorbei führt. Die gestrige Entscheidung noch in Bergen zu zelten hat sich, trotz der widrigen Bedingungen als richtig erwiesen. Der Lough Acoose ist ein Naturschutzgebiet und vollständig eingezäunt, einen Schlafplatz findet man hier nicht.

Als wir am nördlichen Ende des See eine Hauptstrasse erreichen, fängt es plötzlich an zu regnen. Zunächst noch leicht, doch schon bald prasseln dicke Tropfen auf uns herab. Durch den starken Regen folgen wir der Hauptstrasse drei km in Richtung Westen bis wir endlich das Örtchen Glencar erreichen. Im Climber’s Inn, einem Hostel und Dorfpub, machen wir Pause. Wir gönnen uns einen Kaffee, kaufen Wasser und ruhen uns etwas aus. Auf den Lehnen der Stühle trocknen unsere Jacken.

Als wir das Climber’s Inn wieder verlassen hat es endlich aufgehört zu regnen. Kurz hinter dem Climber’s Inn zweigen wir links von der Strasse ab und kämpfen uns fortan durch einen, mit knöcheltiefem Matsch bedeckten Weg. Der Weg endet nach einem Kilometer an einer Asphaltstrasse, wir gehen nach rechts und kommenden bald darauf an den River Carragh. Der Fluss gehört zu den saubersten Flüssen der Welt und zählt zu den beliebtesten Angelflüssen Irlands. An einer Brücke verlassen wir die Strasse wieder und folgen auf einem Uferweg dem Verlauf des Flusses. Als wir einen noch recht jungen Kiefernwald erreichen, verlassen wir den Uferweg nach links. Es ist immer wieder ein Genuss durch die irischen Wälder zu wandern, besonders nach Regenfällen ist die Luft herrlich frisch. Der Kiefernwald geht langsam in einen Laubwald aus Birken und Eichen über. Unser Weg führt uns nun stetig aufwärts bis wir den Gipfel einer Anhöhe erreichen. Ein schönes Panorama erwartet uns. Im Norden reicht der Blick bis zum Lough Caragh.

Durch dichten Wald geht es nun wieder abwärts, bis wir auf eine Asphaltstrasse stoßen. Anstatt dem Kerry Way nach links zu folgen biegen wir rechts ab, um noch einen kleinen Abstecher zum River Caragh zu machen. Wir hoffen auf ein schönes Plätzchen für ein Mittagessen am Ufer des Flusses. Kurz bevor die Strasse über die Blackstone Bridge, eine alte Steinbrücke, den Fluss überquert werden wir fündig. Den ganzen Tag haben wir noch nichts richtiges gegessen, das Frühstück fiel heute morgen ja aus. Der Hunger ist dementsprechend groß und so freuen wir uns umso mehr auf ein leckeres Mittagessen. Ein Blick in unsere Vorräte und wir entscheiden uns für unser Kürbis-Kartoffel-Curry, zum Nachtisch noch einen Schokopudding. Köstlich.

Gestärkt und erholt brechen wir wieder auf. Etwa 6 km liegen bis Glenbeigh noch vor uns. Die nächsten Kilometer wandern wir die Asphaltstrasse entlang. Die Strasse führt langsam aber stetig bergauf und so ergeben sich nach und nach immer neue Ausblick über die Landschaft. Durch die tief hängenden, düstern Wolken ist die Fernsicht schlecht. Bei guter Sicht kann man hier noch einen Blick zurück auf die Berge der Macgillycuddy’s Reeks werfen, dennoch sorgen die Wolken für eine einzigartige Atmosphäre und verleihen der Landschaft einen besonderen Reiz. Wir erreichen schliesslich eine Stelle an der sich der Kerry Way teilt. Hier hat man die Möglichkeit, auf einer 4 km längeren Route den Seefin Mountain ohne weiteren Anstieg in östlicher Richtung zu umgehen, oder man entscheidet sich für den direkten Weg, der weiterhin bergauf zum Windy Gap führt. Wir wählen die direkte Route bergauf.

Über einen Kiespfad geht es nun weiter bergauf zum Windy Gap. Als wir schliesslich oben ankommen, sind wir fast etwas enttäuscht. Wir hatten dem Namen nach richtig heftigen Wind erwartet, doch dieser hält sich in Grenzen. Kein Vergleich zu den Böen am Vortag auf dem Weg zum Bridia-Pass. Bei schönem Wetter kann man von hier die Dingle-Halbinsel am Horizont erkennen, heute sehen gerade einmal bis zum Ort Rossbeigh, der vor uns am Fusse des Berges liegt.

Auf einem recht guten Weg geht es flott bergab und so erreichen wir schon bald die ersten Häuser des Ortes. Das Zelt bleibt heute im Rucksack. Für die Nacht wollen wir uns ein Zimmer suchen. Heute Abend wollen wir in Rossbeigh in einem Pub in meinen Geburtstag rein feiern. Im Zentrum angekommen entdecken wir zuerst ein Hostel an der Hauptstrasse, jedoch leider geschlossen. Eine Anwohnerin ruft uns von der anderen Strassenseite herüber, dass die Besitzer für ein paar Tage weggefahren sind. Aber schon eine Ecke weiter finden wir ein hübsches Haus mit einer auffälligen roten Tür und einem B&B Schild. Die nette und neugierige Besitzerin öffnet uns. Gleich werden wir ausgefragt, woher wir kommen, ob wir den Kerry Way laufen, wo wir die letzten Tage übernachtet haben, und so weiter. Dass wir die letzten Nächte im Zelt verbracht haben, kann sie uns kaum glauben.

Wir beziehen schliesslich unser Zimmer, legen noch ein wenig die Beine hoch und machen uns nach dem Abendessen auf den Weg in den Pub.

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Upper Lake – Lough Acoose

Irgendwas stimmt heute Morgen nicht. Schon beim aufwachen bemerke ich ein seltsam unnatürliches Verhalten des Zeltbodens. Was ist denn jetzt los? Ein Blick aus dem Zelt beantwortet die Frage. Durch den Regen der vergangenen Nacht hat sich unter unserem Zelt eine 5 cm tiefe Wasserpfütze gebildet. Wir haben ein Wasserbett… Glücklicherweise hat sich die Pfütze nur unterhalb des anscheinend etwas tiefer liegenden Innenzelts gebildet, die Apsis ist halbwegs trocken. Im Zelt ist es zum Glück auch trocken geblieben, der Zeltboden hat dicht gehalten.

Erstmal wird gefrühstückt, danach retten wir das Zelt aus den Fluten. Gar nicht so einfach, wenn man nicht bei jedem Schritt in der Pfütze versinken will, aber nach einer Weile ist es geschafft und das Zelt ist im Rucksack verstaut. Der am Morgen noch teilweise blaue Himmel ist bereits wieder mit dunklen Wolken verhangen, aber es bleibt trocken. Wir brechen auf.

Der Weg führt zunächst durch offenes Gelände an der Südseite des Sees in Richtung Westen. Um uns herum die Gipfel der Macgillycuddy’s Reeks, an dessen höchsten Gipfel wir im Laufe der heutigen Etappe noch vorbeikommen werden. Nach kurzer Zeit erreichen wir Lord Brandon’s Cottage, ein in der Nähe des Sees gelegenes Teehaus, das heute jedoch geschlossen ist. Über eine Steinbrücke überqueren wir den Gearhameen River und erreichen eine einspurige Autostrasse. Die Strasse verläuft immer in der Nähe des Flusses durch einen schönen, alten Wald. Wir verlassen schliesslich, etwa einen Kilometer später, die Grenzen des Nationalparks und nähern uns dem kleinen Örtchen Black Valley. Am Ortseingang liegt auf der rechten Seite die Dorfschule. Schon aus einiger Entfernung hören wir die spielenden Kinder. Es ist Pause.

Da sich unsere Wasservorräte langsam leeren, hoffen wir im  winzigen, aus nur wenigen Häusern bestehenden Ort einen Laden zu finden, um Wasser zu kaufen. Wir haben Glück. Im letzten Haus auf der linken Strassenseite finden wir einen kleinen Laden an der Seite eines Hauses. Dieser  ist aber  geschlossen, also klopfe ich an die Tür des Hauses und tatsächlich kommt bald eine junge Frau an die Tür und öffnet uns den Laden.

Mit vollen Wasservorräten geht es auf der Asphaltstrasse weiter in das mit Wolken verhangenen Tal hinein. Immer wieder fängt es an zu Nieseln, aber die Temperaturen sind angenehm. Schon von weitem können wir den Cummeenduff Lough sehen, einen von Wiesen umgebenen See im Talgrund. Wir passieren noch einige verlassene Häuser und schliesslich endet die Asphaltstrasse. Mit dem Auto ist ab hier kein weiterkommen mehr möglich. Auf dem zum Teil sehr morastigen Weg wandern wir weiter. Immer wieder müssen wir großen Pfützen ausweichen. Nach einiger Zeit erreichen wir schliesslich einen schönen Kiefernwald, die Luft riecht herrlich frisch nach Pilzen und feuchtem Holz. Der Wald endet jedoch schon bald wieder und gibt den Blick auf den Lough Reagh frei, in den sich der Gearhameen River über einen Wasserfall ergießt.

Der morastige Weg geht schliesslich in eine Fahrstrasse über, die uns in westlicher Richtung zum Bridia-Pass führt. Wieder passieren wir einige verlassene Häuser, die vor dem Hintergrund der wolkenverhangenen Berge sehr schön anzuschauen sind. War der Weg bisher eher flach, so geht es jetzt steil aufwärts zum Bridia-Pass. Südlich von uns steckt der Gipfel des 745 m hohen Broaghnabinnia in tiefschwarzen Wolken.

Mit jedem Meter den wir an Höhe gewinnen blässt uns ein immer stärker werdender Wind um die Ohren. Wir müssen uns mit ganzer Kraft gegen den Wind stemmen, um vorwärts zu kommen. Kurz vor dem Pass erreichen wir, den in einer kleinen Mulde gelegenen, Curraghmore Lough. Wir beschliessen uns am See ein wenig vom Aufstieg zu erholen und legen eine Kaffeepause am Ufer ein. In der Mulde sind wir etwas vor dem Wind geschützt. Wir packen den Trangia aus und setzen Wasser für den Kaffee auf.

Der Boden hier oben ist sehr weich, das Weiterkommen mühsam. Durch wegloses Grasgelände geht es die letzten Meter bergauf zum Bridia-Pass. Der Wind pfeift. Als wir den Pass endlich erreichen tut sich eine fantastische Szenerie vor uns auf. Wir blicken auf ein weites, grünes Tal. Der Wind lässt die Wolken rasant über unsere Köpfe hinwegziehen und immer wieder tun sich kleine Lücken in der Wolkendecke auf, durch die sich die Sonnenstrahlen ihren Weg zum Boden bahnen. Dafür hat sich der Aufstieg und der Kampf mit dem Wind allemal gelohnt.

Vom Pass aus geht es nun über nasses Gras und glitschige Steine steil bergab. Immer wieder bleiben wir kurz stehen, um das Schauspiel aus Sonnenstrahlen und Wolken zu bewundern. Wir überqueren beim Abstieg mehrere Bäche und erreichen im Tal schliesslich eine Asphaltstrasse, der wir westwärts folgen. Aber anstatt im Tal zu bleiben, geht es schon bald wieder bergauf. Wir verlassen die Strasse über einen kleinen Pfad, der uns steil ansteigend zur zweiten Passhöhe des Tages führt. Und wieder gewinnt der Wind mit der Höhe an Stärke. Auf dem offenen Hang sind wir dem Wind schutzlos ausgeliefert, der Aufstieg dementsprechend anstrengend, aber der Ausblick ist herrlich.

Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang erreichen wir die Passhöhe, mit 365 m Höhe der höchste Punkt der Etappe. Der Boden hier oben ist völlig durchweicht, ständig sinken wir ein. In der Ferne erblicken unser geplantes Etappenziel, den Lough Acoose. Aufgrund der Uhrzeit und des Hungers beschiessen wir aber unseren Plan zu verwerfen und bereits beim Abstieg nach einem Zeltplatz Ausschau zu halten. 15 Minuten später entdecken wir, etwas abseits des Weges, eine ebene Stelle hinter einem Felsen, der uns als Windschutz diesen soll. Wir verlassen den Weg und da passiert es. Anja versinkt mit ihrem rechten Fuss in einer tiefen Pfütze. Bis über den Schaft ihrer Stiefel sinkt sie im Boden ein. Die Füße und die Schuhe völlig durchnässt, da hilft auch kein Gore-Tex. Also, schnell das Zelt aufgebaut und raus aus den nassen Schuhen.

Nach dem Essen verziehen wir uns recht schnell in die wärmenden Schlafsäcke, doch Schlaf finden wir noch keinen. Der Wind frischt wieder auf und peitscht gegen das Zelt. Das im Wind flatternde Zelt steht zwar stabil, doch es macht einen ganz schönen Lärm, der uns zunächst nicht schlafen lässt. Als der Wind noch etwas an Stärke zulegt, halten einige Heringe plötzlich nicht mehr. Sie stecken zwar komplett im Boden, doch dieser ist aufgeweicht und bietet nur wenig Halt. Also wieder raus aus den Schlafsäcken und die herausgerissenen Heringe suchen. Mit unseren Stirnlampen bewaffnet suchen wir bei heftigem Wind und absoluter Dunkelheit nach den Heringen. Einer bleibt verschollen, die anderen finden wir wieder und drücken sie so tief wie möglich in den Boden. Dann nochmal alle Leinen nachspannen und wieder ab in das Zelt. Es dauert noch eine Weile, bis wir uns an das laute Zelt gewöhnen, doch irgendwann schlafen wir endlich ein.

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