Korsika 2010 – Ein Tag am Meer


Ein wunderbarer Tag erwartet uns als ich am Morgen einen ersten Blick aus dem Zelt werfe. Ein schönes Plätzchen haben wir uns da zum übernachten ausgesucht, am Abend zuvor war aufgrund der Dunkelheit leider nicht all zu viel davon zu sehen.

Wir lassen den Tag ganz gemütlich mit einem leckeren Frühstück angehen und überlegen wie wir den weiteren Verlauf der Reise gestalten wollen. Ursprünglich war geplant die restlichen Tage nach der Inselüberquerung am Meer zu verbringen, doch schnell wir uns klar, dass es uns wieder in die Berge zieht. Wir beschliessen am nächsten Tag mit dem Bus nach Corte auf zu brechen. Doch für heute steht erstmal Anja’s Geburtstagsfeier auf dem Programm, die wir mit gutem Wein und korsischen Köstlichkeiten zelebrieren wollen.

Wir machen uns schliesslich auf dem Weg nach Propriano um alles nötige zu besorgen und noch ein wenig durch die Stadt zu schlendern, bis wir am Nachmittag schliesslich zurück an die Küste laufen um einen schönen Platz für unser Zelt zu finden.

Jetzt kann gefeiert werden…

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Korsika 2010 – 5. Etappe

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud


Die Nacht verlief ruhig und wir wachen gut ausgeruht und in Vorfreude auf den kommenden Tag auf. Den wir, wie soll es auch anders sein, mit Cappuccino und Müsli starten. Durch das Gras und die kühle Nacht hat sich wieder einiges an Kondenswasser am Aussenzelt gebildet. Wir trocknen das Aussenzelt grob mit einem Lappen ab und warten noch ein wenig bis die Sonne über die Berge kommt um das Zelt restlos zu trocknen. Als daraufhin alles zusammengepackt ist laufen wir los.

Wir freuen uns am morgen mittlerweile schon richtig darauf endlich wieder laufen zu können. Das kann wirklich süchtig machen. Man weiss nie was einen erwartet, hinter jeder Ecke ergeben sich sich neue, schöne Ausblicke, die Landschaft ändert sich, man entdeckt kleine Dörfer, trifft auf kleine und große Tiere. Mal ist man von von blühenden Wiesen umgeben, mal ist man mitten in einem Wald. Es macht einfach Spass.

Und auch diese heutige, letzte Etappe sollte all das noch für uns bereithalten.

Wir nehmen den gestrigen Weg wieder auf und folgen ihm talwärts in Richtung Rizzanese. Schon bald erreichen wir einen Wald mit Korkeichen. Ein angenehmer Schattenspender an diesem sonnigen Vormittag. Der Wald erstreckt sich bis an das Ufer des Rizzanese. Der Weg schlängelt sich nun entlang des Ufers in südlicher Richtung, bis wir schliesslich die Pont de Piombatu erreichen. Hier überqueren wir erneut den Rizzanese, der auf seinem Weg bis hierhin zu einem reissenden Fluss geworden ist.

Der Weg ändert nun seine Orientierung in Richtung Norden und führt uns bergauf, an Wiesen und Weiden vorbei auf das Dorf Loreto di Tallano zu. Da es auf diesem Wegstück nur wenig schattenspendende Bäume gibt kommen wir gut ins Schwitzen und unsere Wasservorräte leeren sich schnell. Auf 260 m Höhe stossen wir auf die D69. Der Mare a Mare überquert die Strasse und verläuft anschliessend in südwestlicher Richtung. Bevor wir diesem Weg aber folgen machen wir einen kleinen Abstecher in das 200 m entfernte Dorf Loreto di Talano, in der Hoffnung dort unsere Wasservorräte auffüllen zu können. Würden wir dem Mare a Mare direkt folgen, so wären unsere Wasservorräte an diesem sehr warmen Tag sicherlich nicht ausreichend, um das nächste Dorf in etwa 3 Stunden Entfernung zu erreichen. In Loreto di Talano angekommen entdecken wir an der Hauptstrasse schnell den ersehnten Brunnen, füllen wir unsere Vorräte auf und nutzen das Wasser noch für eine kleine Abkühlung. Nach einer kleinen Stärkung durch etwas Schokolade laufen wir die Strasse zurück bis wir wieder auf den Mare a Mare treffen, der links von der Strasse abzweigt.

Es erwartet uns ein steiler und anstrengender Aufstieg zur Punta d‘Avja Vecchia auf 670 m Höhe. Zunächst noch durch Bäume geschützt führt der Weg bald darauf durch grüne Bergwiesen aus Farn. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter wird der Blick zurück immer schöner. Auf etwa 600 m Höhe wird der Farn schliesslich durch die wunderbar duftende korsische Macchia abgelöst, die nun für die kommenden Stunden unser Begleiter sein sollte. Die Anstrengungen des Aufstiegs haben sich mehr als gelohnt. Der Weg führt nun nur noch sanft bergauf. Die niedrige Macchia lässt faszinierende Blicke auf die umliegenden Berge zu, vom Duft der Kräuter und vom Sonnenschein ganz zu schweigen. Einfach perfekt. Wir folgen diesem wunderbaren Weg eine ganze Weile, bis wir schliesslich an eine wunderbare Stelle für eine Rast kommen. Inmitten der niedrigwüchsigen Macchia steht plötzlich ein einzelner Baum auf einer Wiese. Der Baum ist ein hervorragender Schattenspender und die Aussicht an diesem Platz ist fantastisch. Wir packen den Trangia aus und beginnen im Schatten des Baumes zu kochen. Selten haben Nudeln so gut geschmeckt. Nachdem wir gegessen und noch eine Weile die Aussicht genossen haben, packen wir wieder zusammen. Das war bis jetzt sicherlich der schönste Rastplatz unserer Tour. Wenn es nicht noch so weit bis zum Etappenort gewesen wäre, dann hätten wir hier gerne die Nacht verbracht. Doch wir wollen heute zumindest noch einen Blick auf die Westküste werfen, die sich irgendwo hinter den nächsten Hügeln versteckt.

Der Weg führt nun leicht bergab immer weiter durch die Macchia. Zunächst laufen wir noch in südwestlicher Richtung, bald jedoch macht der Weg einen Bogen und führt uns in nördlicher Richtung auf das Dorf Fozzano zu. Gespannt erwarten wir den ersten Blick auf die Westküste. Wir laufen rechts an einer ausgedehnten Wiese vorbei, als schliesslich hinter einer kleinen Kuppe ein silbriges Glitzern in der Nachmittagssonne erscheint, da ist es, das Meer. Ein toller Moment. Gut gelaunt laufen wir weiter in Richtung Fozzano, geniessen den Duft der Blumen am Wegesrand und die tollen Ausblicke. Bis plötzlich, wie aus dem Nichts, ein streunender Hund vor uns auf dem Wege steht. Er entpuppt sich allerdings als harmlos und ist fortan unser Begleiter.

Auf 400 m Höhe erreichen wir schliesslich Fozzano, einen kleinen Ort mit 150 Einwohnern. Im Ort selbst halten wir uns zunächst links, bis wir auf die Hauptstrasse treffen und verlassen Fozzano anschließend in nördlicher Richtung. Unserem streunenden Begleiter scheint langsam die Lust zu vergehen uns zu begleiten und so geht er wieder seinen eigenen Weg. Wir laufen eine Weile, bis wir ein immer lauter werdendes Geräusch wahrnehmen. Hinter einer Kurve stürmen plötzlich hunderte von Schafen an uns vorbei, natürlich nicht ohne genug Sicherheitsabstand zu uns zu halten. Was für ein Trubel. Nachdem die Tiere an uns vorbeigezogen sind, laufen wir weiter und erreichen bald einen kleinen Ortsteil von Fozzano, Figaniella. Hier endet die asphaltierte Strasse und der Mare a Mare führt uns nun auf einem schmalen, steinigen Weg bis zum Zielort nach Burgo. Diese letzte Stunde hat es aber noch einmal in sich. Es geht bis auf 88 m hinab in das Tal des Riv Baraci. Der Weg ist steil und windet sich in Serpentinen. Im Tal angekommen führt uns der Weg zunächst durch meterhohen Farn und nach der Überquerung des Flusses wieder hinauf nach Burgo. Auch wenn es nur noch 200 Höhenmeter bis nach Burgo sind, so steigt der Weg allerdings steil an und wir kommen noch einmal gut ins Schwitzen. Doch bald haben wir es geschafft. Einige Meter ausserhalb von Burgo erreichen wir eine Strasse und schon kurz darauf stehen wir im Etappenort. Wir haben das Ziel des Mare a Mare – Süd erreicht.

Im Ort gibt es leider nicht viel sehenswertes, lediglich ein paar Häuser und eine Gite d‘Etape. Wir machen eine Pause von den Strapazen der letzten Stunde und ruhen uns auf einer kleiner Mauer am Strassenrand aus. Wir sind überglücklich unser Ziel erreicht zu haben, doch irgendwie fühlen wir uns auch seltsam leer. Das Laufen hat uns im Laufe der Zeit immer mehr Spass gemacht und nun sind wir am Ziel. „Was machen wir jetzt?“ fragen wir uns. Wir müssen auf jeden Fall weiter, das steht fest. Da die Sonne aber bald untergeht, steht auch fest, das wir nicht mehr weit kommen werden, aber um ein schönen Platz zu Übernachten zu finden sollte es reichen. Bevor es weiter geht, müssen unsere Wasservorräte aufgefüllt werden. Einen Brunnen scheint es in Burgo nicht zu geben, aber als wir durch den Ort gelaufen sind, haben wir einige Einheimische vor ihren Häusern gesehen. Anja schnappt sich unsere Trinksäcke und probiert bei ihnen etwas Wasser zu bekommen, während ich bei unseren Rucksäcken bleiben. Dank der Hilfsbereitschaft der Korsen ist dies auch kein Problem und so kann es mit vollen Wasservorräten weiter gehen.

Wir beschliessen der D557 in Richtung Propriano zu folgen und auf dem Weg Ausschau nach einem Platz für unser Zelt zu halten. Nach den ersten Kilometern wird uns aber klar, dass das schwierig werden wird. Am gesamten Weg befindet sich nur eingezäunter Privatbesitz. Wenn wir bis nach Propriano weiter laufen, kommen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit dort an. Wir probieren also nach Propriano zu trampen. Schon der erste Wagen der kurze Zeit später vorbeifährt nimmt uns mit. Mit dem Auto ist der Weg schnell zurückgelegt und wir stehen schon 10 Minuten später mitten in der Touristenhochburg Propriano. Was für ein Trubel im Vergleich zu den letzten Tagen, überall Restaurants, Geschäfte, alles voller Menschen. Kaum angekommen wollen wir auch schon wieder weg.

Ich schaue auf das GPS und lotse uns in südwestlicher Richtung hinaus aus der Stadt. Die Sonne ist mittlerweile schon untergegangen und wir müssen uns beeilen einen Schlafplatz zu finden. Wir verlassen schliesslich die Stadt und blicken die Küste entlang. In etwa einem Kilometer Entfernung reihen sich ein paar kleine, von großen Felsbrocken getrennte Strandabschnitte aneinander. Wir beschliessen dorthin zu laufen. Als wir schliesslich dort ankommen müssen wir feststellen, dass das erste Strandstück gerade einmal drei bis vier Meter breit ist. Wenn wir hier unser Zelt aufstellen, steht es höchstens zwei Meter vom Meer entfernt, im Hinblick auf Ebbe und Flut eher kritisch. Ich lege meinen Rucksack ab und erkunde den weiteren Küstenabschnitt. Endlich, nach dem überwinden von etlichen Felsen, finde ich eine kleinen Strand, der etwas breiter ist und vor allen Dingen auch etwas steiler ansteigt. Ich eile zurück und gebe Anja bescheid. Endlich am Lagerplatz angekommen, ist es mittlerweile nahezu stockdunkel. Wir setzen unsere Stirnlampen auf und begradigen einen Teil des Strandes, an dem wir unser Zelt aufstellen wollen. Der Zeltaufbau ist dank unserer Routine und der Stirnlampen auch im Dunkeln schnell und problemlos zu meistern.

Wir lassen den Tag noch mit einem leckeren Essen ausklingen und verkriechen uns auch bald in die Schlafsäcke. Das rhythmische Geräusch der Wellen wiegt uns sanft in den Schlaf.

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Korsika 2010 – 4. Etappe

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud

Wir schlafen tief und fest und werden am Morgen durch das laute Brüllen eines umherstreifenden Esels (das vermuten wir zumindest) geweckt. Unglaublich was diese Tiere für einen Krach machen können. Da wir uns nicht wirklich sicher sind um was für ein Tier es sich handelt, der Lautstärke nach zu urteilen muss es ein sehr großes sein, bleiben wir noch etwas in den Schlafsäcken liegen, bis die Geräusche in der Ferne immer leiser werden. Doch auch im Zelt bemerken wir bereits etwas. Es scheint ein schöner, sonniger Tag werden, denn das Innere des Zeltes erstrahlt in einem gute Laune verbreitenden, hellen Gelb.

Wir packen die Schlafsäcke zusammen, lassen die Luft aus unseren Isomatten und verlassen das Zelt. Unsere Vermutung wird bestätigt, es erwartet uns ein strahlend blauer Himmel. Endlich auch mal Sonnenschein. Nach den eher durchwachsenen letzten Tagen stehen wir nun auf der Wiese und geniessen die wärmenden Strahlen der Sonne. Die Wiese ist zu dieser frühen Stunde noch voller Tau und auch an unserem Aussenzelt hat sich wieder etwas Kondenswasser gebildet. Wir ziehen unsere Eva-Matten unter dem Zelt hervor und legen unsere Rucksäcke und alles andere darauf ab. Die Matten haben sich wirklich sehr bezahlt gemacht, sei es Unterlage um unsere Ausrüstung vor Nässe zu schützen, als Sitzunterlage oder als Sicherheitsunterlage für den Zeltboden. Mit einem Tuch wischen wir das Kondenswasser vom Aussenzelt und lassen es kurz an der Sonne trocknen. Hat man das Wasser erstmal grob mit einem Tuch abgewischt, trocknet die restliche Feuchtigkeit sehr schnell aus.

Da jeder nur noch etwa einen knappen Liter Wasser in seinem Trinkschlauch hat, verzichten wir auf ein sofortiges Frühstück und beschliessen in Serra-di-Scopamena zu frühstücken, wo wir unsere Wasservorräte hoffentlich an einem Brunnen wieder auffüllen können. Der Weg dahin sollte laut GPS nicht mehr weit sein. Wir packen schnell zusammen und brechen, in freudiger Erwartung auf ein baldiges Frühstück, auf. Tatsächlich erblicken wir auch schon kurze Zeit später die ersten Dächer von Serra-di-Scopamena. Die Weg windet sich in Serpentinen hinter bis zur Hauptstrasse, der wir einige Meter folgen, bis wir schliesslich auf der linken Seite die Gite d‘Etape und daneben ein plätschernden Brunnen entdecken.

Wir stellen unsere Rucksäcke ab und machen uns breit. Den Trangia stelle ich auf einer Mauer auf der gegenüberliegenden Strassenseite, mit wunderbarem Blick über Berge und Täler, ab. Die Zeit, die das Wasser zum Kochen braucht nutzen, nutzen wir für eine intensive und erfrischende Wäsche.

Ein wirklich schöner Ort für das Frühstück und dementsprechend schmeckt es auch. Cappuccino und Schokomüsli. Als wir hier so sitzen und es uns gut gehen lassen hören wir von weiten wie sich ein Auto unter lautem und energischem Hupen nähert. Ich scherze: „Das ist bestimmt der Bäcker“. Und tatsächlich, der weisse Kleintransporter fährt an uns vorbei und bleibt hundert Meter weiter vor einem Haus stehen. Eine alte Frau öffnet ihr Fenster im 4. Stock und lässt ein Körbchen an einem Seil bis zur Strasse hinunter. Der Bäcker füllt es und das Körbchen wird wieder hochgezogen. Was für ein Service. „Wie wäre es mit einem Baguette?“ Anja läuft zum Bäcker und kommt mit einem solchen wieder. Eigentlich hätten wir ja schon gestern gerne ein Baguette zum Abendessen gehabt, aber auch jetzt ist es eine Bereicherung für unser Frühstück. Die Hälfte heben wir uns für das Mittagessen auf.

Gut gestärkt und bei immer noch bestem Wetter packen wir zusammen und starten die heutige Etappe. Der Weg führt zunächst die Hauptstrasse entlang, um schliesslich am Ortsausgang nach rechts abzuzweigen. Der Weg führt bergab in das vor uns liegende Tal. Zunächst über ungleichmäßig angelegte Steinstufen, dann über steile Serpentinen durch dichte Vegetation aus Farnen und Gräsern.

Nach 400 m Abstieg erreichen wir das Asphaltband der D20. Dieser folgen wir bis uns die Markierungen nach 600 m links auf einen kleinen Weg führen. Es geht weiter bergbab. Wir überqueren den Ruisseau de Furvicilla, einen kleinen Bach, und folgen diesem am anderen Ufer, bis wir auf einer Höhe von 350 m, dem tiefsten Punkt der heutigen Etappe, den Fluss Rizzanese erreichen.

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und ein Fluss mit klarem Wasser. Was macht man da? Richtig, man geht baden. An einer Brücke überqueren wir den Fluss und entdecken auch schnell eine schöne Stelle, die sich als Badestelle eignet. Badehose anziehen und ab ans Wasser. Das Wasser ist eiskalt. Nein, es ist noch viel kälter. Ich gehe die ersten Schritte ins Wasser und spüren schon nach wenigen Sekunden meine Füsse und Beine nicht mehr. „Oh je, ist das Kalt“. Jetzt habe ich aber schon meine Badehose angezogen, also mache ich einen beherzten Sprung nach vorne und lande im eiskalten Wasser. Ich versuche mich durch heftiges strampeln ein wenig aufzuwärmen, doch vergeblich und so stehe ich schon bald darauf wieder am Ufer. Ich spüre meinen Körper nicht mehr, doch die Sonne wärmt mich sanft wieder auf. Anja, die die ganze Aktion vom sicheren Ufer aus beobachtet hatte, beschliesst nun lieber doch nicht ins Wasser zu gehen. Einige Meter vom Ufer entfernt liegen ein paar schöne große Felsen im Wasser, ein perfekter Ort um die Sonne zu geniessen und es ist noch nicht mal nötig dorthin zu schwimmen. Über ein paar kleinere Felsen gelangt man fast trockenen Fusses dorthin. Ich überzeuge Anja auch hierher zu kommen und so sitzen wir schliesslich zusammen auf dem Felsen und lasen die Sonne auf uns scheinen.

Was für eine herrliche Pause. Erfrischt und hellwach geht es weiter, aber nicht ohne vorher noch einmal kurz im eiskalten Wasser abzutauchen. Langsam fängt es an Spass zu machen.

Die Erfrischung ist leider schnell verflogen, denn der Weg führt in südlicher Richtung lange Zeit ziemlich steil bergauf und aus dem Tal heraus. Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel, doch der Weg führt zunächst durch einen Wald und ist größtenteils schattig. Wir steigen auf, bis wir unterhalb des Monte Grossu (802 m) auf 720 m den Col de Tarava erreichen. Der Weg führt uns zunächst um den Gipfel des Monte Grossu herum und anschliessend auf 650 m Höhe in südwestlicher Richtung am Hang entlang. Führt der Weg erst noch durch einen Wald, so endet dieser bald und gibt den Blick auf die umliegenden Berge frei. Noch im Wald kommen wir an einem kleinen Wasserlauf vorbei, an dem wir Rast für ein Mittagessen machen.

Der schöne Panoramaweg, gesäumt von blühendem Lavendel, erreicht einen Forstweg, der bald darauf in eine Strasse übergeht, die uns ich das kleine Dorf Altagene führt. Wir laufen hinauf zur Kirche und biegen nach rechts auf eine Strasse, an deren Ende ein völlig überwucherter Weg aus dem Dorf herausführt. Er führt leicht bergab in das 20 Minuten entfernte Sant‘ Andrea di Tallano. Hier ist wieder Zeit für eine kleine Pause. Am Dorfbrunnen legen wir unsere Rucksäcke ab und füllen unsere Vorräte.

Das Etappenziel, St. Lucia di Tallano ist nicht mehr weit entfernt, relativ früh ist es auch noch und da uns wir offensichtlich immer fitter werden und das Laufen uns immer mehr Spass macht, beschliessen wir die heutige Etappe etwas auszuweiten. Wir wollen nach dem eigentlichen Etappenziel gemütlich weiter laufen bis wir eine schöne Stelle für unser Lager finden. Wir verlassen Sant‘ Andrea auf der Hauptstrasse. Nach wenigen Kurven erblicken wir auch schon St- Lucia di Tallano, das majestätisch auf einer Bergkuppe thront.

Vor lauter Stauen über die schöne Lage das Dorfes haben doch tatsächlich die Stelle verpasst, an welcher der Mare a Mare rechts von der Strasse abzweigt. Ich schaue auf das GPS, bringe uns wieder auf Kurs und schon stehen wir mitten in St. Lucia di Tallano. Ein geschäftiger Ort mit vielen kleinen Geschäften und auch auf der Strasse herrscht ein regen treiben. Der mit Abstand größte Ort der bisherigen Wanderung. Wir schlendern in der warmen Nachmittagssonne ein wenig durch den Ort, erstehen beim Obst- und Gemüsehändler noch 2 Birnen und verlassen den Ort wieder. Nach der Ruhe der letzten Tage kommt uns der “Trubel“ hier ziemlich fremd vor. Es geht über eine kleine Strasse zunächst nach Poggio, einem Ortsteil von St. Lucia und anschliessend über einen schmalen und zugewucherten Weg bergab in Richtung Pont de Piombatu, eine Brücke, die den Rizzanese auf einer Höhe von 120 m überquert. Die wir heute aber nicht mehr erreichen werden. Stattdessen erreichen wir nach etwa einer halben Stunde eine schöne Kapelle, die im Abendlicht ein wunderbares Motiv darstellt.

Wir laufen weiter bergab, als sich rechts neben dem Weg eine kleine Kuppe auftut. „Ob das ein Platz zum nächtigen ist?“ Ich lege meinen Rucksack ab, laufe hoch und sehe mich um. Es wachsen viele große Disteln mit vielen gefährlichen Stacheln doch eine Stelle scheint gut geeignet. Genug Sicherheitsabstand zu den Disteln, kurzes Gras und eben. Es ist beschlossen, hier bleiben wir.

Es ist noch recht früh und so rollen wir erst einmal die Evazote Matten aus und entspannen uns in der Sonne. Nebenbei starten wir noch den Trangia und beginnen mit der Zubereitung des Abendessens: Tüte mit gedörrtem öffnen, Wasser dazu und aufkochen. So einfach kann kochen unterwegs sein. Die Sonne ist mittlerweile hinter den Bergen verschwunden und so beginnen wir unser Zelt aufzubauen, in das wir uns auch bald darauf zurückziehen.

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Korsika 2010 – 3. Etappe

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud

Durch das hohe und durch den Morgentau nasse Gras haben wir zunächst mit einer ganzen Menge Kondenswasser am Aussenzelt zu kämpfen. Bevor es also weiter geht müssen wir das Zelt mit einem Tuch vom Kondenswasser befreien.

Als alles zusammengepackt ist brechen wir zügig auf. Nach wenigen Metern stehen wir bereits mitten in Levie. Da wir unseren Lagerplatz heute Morgen so schnell verlassen haben blieb natürlich keine Zeit für ein Frühstück und daher suchen wir uns ein schönes Plätzchen in Levie. Auf dem Kirchenvorplatz werden wir fündig. Wir setzen uns auf eine Bank und packen aus. Das Wetter, das bis dahin von grauen Wolken dominiert war, beginnt schlagartig sich zu bessern und bereits wenige Minuten später erstrahlt ein blauer Himmel über uns. Gerade rechtzeitig zum Frühstück. Die Sonne wärmt uns und wir lassen uns Cappuccino und Müsli schmecken.

Nach dem Essen gehe ich zum nahegelegenen Dorfbrunnen, erledige den Abwasch und fülle unsere Trinkschläuche.

Zurück auf dem Platz beginnt bereits das Wetter sich wieder zu verschlechtern. Wir packen zusammen und brechen auf. Die bisher längste Etappe unserer Tour steht uns bevor. Wir verlassen Levie am nördlichen Ortsrand über einen kleinen Weg und folgen diesem ebenfalls in nördlicher Richtung. Wir gewinnen schnell an Höhe und so ergeben sich noch ein paar schöne Blicke zurück auf den Ort.

Der Weg verläuft auch weiterhin leicht ansteigend, abwechselnd durch Wälder und an Wiesen vorbei, bis wir nach etwa einer Stunde auf einer Höhe von 760 m die Kapelle von Saint-Laurent erreichen. In ihrer unmittelbaren Umgebung befinden sich die archäologischen Stätten Cucuruzzu und Capula, bei denen es sich um torreanische Festungen aus der Bronze- und Eisenzeit handelt, die erst 1959 entdeckt wurden. Ein Besuch würde bei der Länge der heutigen Etappe vermutlich zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Wir belassen es daher bei einer kurzen Pause an der Kapelle und gehen weiter.

Der Mare a Mare führt uns weiter Richtung Norden auf einem schönen, von Felsen und später von einer typisch korsischen Steinmauer eingefassten Weg. Etwa einen Kilometer hinter der Kapelle kommt man an eine Abzweigung. Hier hat man die Möglichkeit nach rechts auf eine Variante des Mare a Mare – Süd abzubiegen, die einen zunächst nach Zonza und dann in einem kleinen Bogen nach Quenza führt. Wir folgen der Normalroute weiter geradeaus, die uns auf einem steilen und steinigen Weg hinab in das Tal des Ruisseau de St. Antoine, ein Bach an dessen Ufer wir schliesslich Rast für ein Mittagessen machen, führt. Zum Kochen verwenden wir wieder das Wasser aus dem Bach, der Abwasch wird nach den bewährten Methode erledigt. Nachdem es heute auch noch einen Nachtisch in Form eines „Süßen Moments“ gibt, gehen wir mit vollen Bäuchen weiter. Bereits nach wenigen hundert Metern ist ein zweiter Fluss zu überqueren. Wir laufen den Hang auf der anderen Seite des Tals hinauf, bis wir auf 750 m Höhe einen Forstweg erreichen. Er ist schön breit, gut zu laufen und so kommen wir schnell voran.

Wir passieren große, saftig grüne, von zahlreichen Blüten bewachsene Wiesen und Weiden, von denen uns Esel, Pferde und Kühe neugierig mustern.

Wir folgen dem Weg noch einige Kilometer, bis wir schliesslich hinter einer Kuhweide die ersten Häuser von Quenza erspähen.

In Quenza angekommen machen wir eine kurze Pause auf einer Wiese und stärken uns ein wenig mit einem Schokoriegel. Da wir heute noch einige Kilometer zurücklegen müssen, brechen wir auch bald darauf wieder auf.

Auf einer Asphaltstrasse verlassen wir den Ort in nordwestlicher Richtung. Nach etwa 15 Minuten endet die Strasse an einer kleinen Brücke, wir überqueren diese und beginnen auf der anderen Seite mit dem Aufstieg nach Jallicu. Der Weg ist teilweise wie eine Treppe angelegt und daher sehr steil. Nachdem wir etwa die 1000 m Höhenmarke erreichen, lichtet sich die Landschaft und wir haben einen schönen Blick auf die korsischen Berge. Auch sehen wir hier viele schöne potentielle Lagerplätze, aber um das Zelt aufzubauen ist es noch zu früh. Wir gehen weiter. Östlich von uns müsste eigentlich das Bavellamassiv mit seinen hohen Bergen zu sehen sein, doch die Gipfel verstecken sich hinter Wolken.

Als wir endlich in Jallicu ankommen sind wir ziemlich ausser Puste. Es ist ein winziges Dörfchen, welches nur aus einer Handvoll Häuser und einer Art Kneipe/ Restaurant besteht. Da heute Abend Chilli con Carne auf dem Speiseplan steht, versuche ich in der besagten Kneipe noch ein Baguette zu ergattern. Leider vergeblich.

Wenige Meter später haben wir das Dörfchen auch schon wieder verlassen und der Weg führt uns in ein wunderschönes Tal, das mit Bäumen und halbhohen Büschen bewachsen ist. Es geht etwa 200 Meter bergab, wir überqueren einen Fluss und steigen wieder bis auf 1000 m auf. Wir blicken zurück und geniessen die Aussicht über das Tal.

Der Weg wendet sich nun nach Süden in Richtung Serra-di-Scopamena, dem Ziel der heutigen Etappe. Wir folgen der 1000 m Höhenlinie lange durch eine typisch korsische Landschaft. Einige Bäume, viele wilde Kräuter und Büsche. Es ist ein wahrer Genuss hier zu laufen. Der Weg führt langsam bergab als plötzlich, wie aus dem Nichts Nebel aufzieht.

Wir sollten jetzt mal nach einem Lagerplatz Ausschau halten und entdecken auch bald unter einem Baum am Wegesrand eine ebene Stelle mit kurzem Gras. „Das sieht doch nicht schlecht aus“. Wir entledigen uns unserer Rucksäcke. Doch so richtig zufrieden sind wir beide nicht mit dem Platz. Nicht weil er nicht schön ist, es wäre dann aber am nächsten Morgen doch noch etwas weit bis Serra-di-Scopamena. Es ist noch eine Stunde Zeit bis Sonnenuntergang, fit fühlen wir uns auch noch und so beschliessen wir einstimmig noch eine dreiviertel Stunde zu laufen. Es sollte sich zeigen, dass es die richtige Entscheidung war.

Fünf Minuten später hat sich der Nebel so schnell wieder verzogen wie er gekommen war. Der Himmel klart sogar fast komplett auf und verfärbt sich aufgrund des nahenden Sonnenuntergangs in ein warmen Rotton. Wir laufen etwa zwei Kilometer weiter, bis Anja mich plötzlich rufen hört: „Stopp! Hier bleiben wir“. Ich zeige nach rechts auf eine wunderbare Wiese, schön eben und mit Blick auf die Berge. Unser schönster Lagerplatz bisher. Anja ist sofort überzeugt und wir bauen in der Dämmerung unser Zelt auf. Die Dunkelheit kommt schnell. Wir sitzen mit unseren Stirnlampen um den Trangia herum und warten auf das lang ersehnte Chilli con Carne, das sich bei Tests zu Hause schon als äusserst lecker heraus gestellt hatte. Auch ohne Baguette. Hier draussen in den korsischen Bergen schmeckt es sogar noch etwas besser.

Als es uns zu frisch wird verziehen wir uns in das schützende Zelt, lesen noch eine Weile und wünschen uns schliesslich eine gute Nacht.

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Korsika 2010 – 2. Etappe

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud

Wir schlafen lange und kriechen erst gegen 10 Uhr aus unseren Schlafsäcken. Es scheint ein schöner Tag zu werden. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die Baumwipfel und lässt vereinzelte Bereiche auf dem Waldboden im Licht erstrahlen. Wir suchen uns einen sonnigen Platz in der Nähe des Zeltes und wärmen uns etwas auf. Nach dem Zähneputzen beginnen wir mit unserem allmorgendlichen Frühstücksritual. Wasser für Cappuccino aufkochen, einen solchen trinken und danach mit dem restlichen, jetzt nur noch lauwarmen Wasser unser Schokomüsli zubereiten.

Wir packen Zelt und Ausrüstung zusammen und machen uns startklar für den kommenden Tag. Cartalavonu sollte schnell erreicht sein und so laufen wir los.

Der Weg führt leicht ansteigend durch den frisch duftenden, feuchten Wald. Die Sonne macht sich leider rar und Wolken ziehen auf. 15 Minuten später erreichen wir auf 1020 m die Gite d‘Etape in Cartalavonu, die etwas abseits des Ortes liegt. Hier füllen wir nach vorheriger Anfrage unsere Wasservorräte wieder auf.

Es ist mittlerweile ziemlich frisch und windig geworden und so gehen wir schnell weiter um nicht all zu sehr auszukühlen. Der Weg verläuft zunächst bergauf in nordwestlicher Richtung. Jedoch endet dieser kurze Zeit später und es geht über Felsen und große Steine weiter bergauf. Von der Sonne ist mittlerweile nichts mehr zu sehen. Dicke Wolken werden vom Wind über die benachbarten Berge geschoben und hängen knapp über unseren Köpfen. Von Regen bleiben wir aber verschont.

Wir erreichen bei 1171 m eine Anhöhe, die Foce Alta. Ein heftiger Wind bläst uns um die Ohren. Wir bleiben kurz hier stehen und bestaunen wie die Wolken rasend schnell über die Berge ziehen. Ein toller Anblick.

Wir nehmen den Weg wieder auf und folgen ihm weiter in einen Wald.

Laut GPS müsste östlich der Ospedale Stausee einige hunderte Höhenmeter unter uns liegen, doch die dichten Wolken versperren den Blick. Nur hin und wieder reisst die dichte Wolkendecke etwas auf und gewährt einen flüchtigen Blick auf den Stausee.

Es ist immer noch sehr kühl hier oben, doch das laufen wärmt und die frische Luft ist sehr belebend.

An einem Wegweiser teilt sich schliesslich der Weg. Geradeaus geht es weiter zur Punta di a Vacca Morta, einem wohl sehr schönen Aussichtspunkt, doch der leicht aufwärts führende Weg verschwindet schon wenige Meter hinter dem Schild im dichten Nebel.

Wir folgen dem orange markierten Weg nach rechts. Dieser führt abwechselnd leicht ansteigend, leicht abfallend in nördlicher Richtung zum Col de Mela auf 1068 m.

Bald darauf zweigt der Weg in östlicher Richtung ab. Wir folgen zunächst der Höhenlinie, müssen dabei immer wieder kleine Bäche überqueren und beginnen schliesslich mit dem Abstieg nach Carbini auf 560 m. Der Weg windet sich in engen und steilen Serpentinen durch moosbewachsene Wälder den Hang hinab. Oft ist der Weg mehr Bach als Weg. Überall quillt Wasser aus dem Berg. Wir laufen langsam und müssen aufpassen auf dem glitschigen und matschigen Untergrund nicht auszurutschen. Nachdem der Abstieg etwa zur Hälfte geschafft ist, entdecken wir einen großen Felsen neben dem Weg.

Wir “klettern“ hinauf und vor uns tut sich ein wunderschöner Blick auf die korsische Bergwelt auf. Ein perfekter Platz für eine Pause. Wir legen die Rucksäcke ab, gönnen unseren Füßen etwas Freiheit und geniessen das Bergpanorama. Auch das Wetter hat ein einsehen. Die Wolken geben nach und nach immer mehr blauen Himmel frei.

Doch so schnell der Wetterumschwung gekommen war, so schnell kommen die Wolken leider auch wieder und so machten wir uns nach 15 Minuten Rast daran unseren Abstieg fortzusetzen.

Leichter bis mäßiger Nieselregen setzt ein. Der Weg führt weiterhin durch den dichten, mit Moos bewachsenen Wald, bis wir schliesslich die ersten Häuser von Carbini erreichen. Wir schlendern gerade gemütlich durch den hübschen Ort als plötzlich starker Regen einsetzt. Wir suchen Schutz unter einem Baum. Ein älterer Dorfbewohner, der bereits seit einigen Metern hinter uns gelaufen war gesellt sich zu uns. Er fragt uns bis wohin wir heute noch gehen wollen. Wir berichten, dass unser Ziel der 2 Stunden und 30 Minuten entfernte Ort Levie ist. Er schaut uns skeptisch an und empfiehlt bei diesem Wetter lieber per “Autostop“ weiter zu reisen. Wir aber wollen lieber laufen und so ziehen wir uns unter dem kritischen Blick des Mannes unsere Ponchos über. Wir verabschieden uns und der Mann wünscht uns viel Glück.



Im Regen geht es zunächst einige Minuten durch Macchia bis der Weg schliesslich wieder in einen Wald führt. Der Weg führt bergab in das Tal des Fiumicicoli. Langsam lässt auch der Regen wieder nach, um schliesslich ganz aufzuhören. Wir entledigen uns unserer Ponchos und gehen weiter. Auf einer Höhe von nur noch 260 m erreichen wir den Fluss. Jetzt ist auch endlich Zeit für eine ausgiebige und warme Mahlzeit. Wir packen Trangia, Spiritus, eine gedörrte Mahlzeit aus und es machen es uns auf unseren Isomatten bequem. Zum kochen verwenden wir wieder das Wasser aus dem Fluss, was wir auch in den kommenden Tagen so praktizieren werden. Ein leckerer Duft steigt  auf und bald darauf kann gegessen werden.

Der sonst so lästige Abwasch kann an einem solchen Fluss übrigens sehr schnell und einfach erledigt werden. Ich fülle den Topf mit Flusssand und etwas Wasser, anschliessend nur noch etwas schwenken und der Topf ist im Handumdrehen sauber. Diese Methode hat sich wirklich super bewährt.

Nach dem Essen noch ein paar Stückchen Schokolade als Nachtisch und schon packen wir wieder zusammen und gehen weiter Richtung Levie. Bis dahin gibt es noch 350 Höhenmeter zu überwinden und so führt der Weg nach der Überquerung der Flusses zunächst gerade, bald in Serpentinen den Hang hinauf. Der Weg führt durch Wald, doch immer wieder ergeben sich schöne Blicke auf die umliegenden Berge und den schon hinter uns liegenden Ort Carbini.

Langsam beginnen wir die Augen nach einem geeigneten Zeltplatz offen zu halten, doch die Suche gestaltet sich schwierig. Der Weg ist oft nur sehr schmal und auch neben dem Weg finden sich keine wirklich geeigneten Stellen. Wir kommen Levie immer näher und auch als wir schon vor dem ersten Haus der Dorfes stehen, haben wir noch keinen Zeltplatz gefunden. Was tun? Das Haus ist von einer Mauer umgeben, daneben ein augenscheinlich kaum befahrener und von hohem Gras bewachsener Fahrweg, der entlang eines kleinen, aber laut rauschenden Baches verläuft. Da die Sonne schon bald untergeht, beschliessen wir kurzerhand unser Zelt auf diesem Weg aufzustellen, möglichst nah an der Mauer um vom Haus aus nicht gesehen werden zu können. Gesagt, getan.

Das Zelt ist schnell aufgebaut und wir verkriechen uns in unsere Schlafsäcke um anschliessend noch etwas in unserer Reiselektüre, dem “Bahnwärter Thiel“ zu lesen. Wir stellen unseren Wecker früh um den eher ungünstigen Lagerplatz am Morgen zeitig zu verlassen.

Eine sehr unruhige Nacht erwartete uns. Der neben unserem Zelt vorbei rauschende Bach lässt uns kaum ein Auge zu tun und wenn, dann nur für kurze Zeit. Irgendwie können wir trotz Müdigkeit nicht in den Tiefschlaf finden.

Als der Wecker endlich klingelt fühlen wir uns ganz schön gerädert, sind aber froh unser Lager abbrechen zu können. Wir beschliessen nicht mehr in der Nähe eines Baches zu zelten.

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Korsika 2010

Die Inselüberquerung auf dem Mare a Mare Sud

Im Mai diesen Jahres war es für Anja und mich wieder mal an der Zeit der Mittelmeerinsel Korsika einen Besuch abzustatten. Auf unseren ersten beiden Reisen hatten wir bereits die Gelegenheit die Insel bei zahlreichen Tagestouren ausgiebig zu erkunden. Dieses mal allerdings wollten wir einen Schritt weiter gehen, die Ost-West Überquerung der Insel auf dem Mare a Mare Sud stand auf dem Programm.

Die gesamte Strecke gliedert sich in 5 Tagesetappen, von je etwa 6-8 Stunden Gehzeit. Ausgangspunkt der Tour ist die Hafenstadt Porto-Vecchio im Südosten der Insel, das Ziel Propriano im Südwesten, dazwischen eine einmalige korsische Landschaft fernab des Massentourismus…

Endlich kann es los gehen! Unser erstes Ziel liegt ca. 200 km entfernt und heisst Bahnhof Troisdorf. Unser Plan ist, das Auto am dortigen P&R Parkplatz abzustellen, um anschliessend mit der letzten S-Bahn zum Flughafen weiter zu fahren. Auf telefonische Anfrage bei der Stadt Troisdorf versicherte man mir zuvor, dass der P&R Parkplatz kostenlos und zeitlich unbegrenzt genutzt werden kann. So können wir uns die zeitintensive Anreise mit der Bahn sparen und günstiger ist es auch noch. Also die Rucksäcke in den Smart gepackt und los geht‘s. Zieladresse ins Navi eingegeben und schon kam der erste Schreck. Die berechnete Ankunftszeit lag gerade einmal 20 Minuten vor der Abfahrt der letzten S-Bahn. „Oh je“, denken wir uns. Ein bisschen früher hätten wir schon los fahren können. Auf der Autobahn verlangen wir unserem Smart einiges ab um doch noch etwas Zeit gut zu machen. Mit maximal 130 km/h geht es Richtung Troisdorf.

Der Taunus und seine Hügel bremsen uns allerdings immer wieder aus, bergab wird anschliessend jedoch wieder Schwung geholt und da die Autobahn zu dieser späten Stunde nahezu leer ist, kommen wir auch halbwegs flott voran. Kurz vor Troisdorf haben wir etwa 10 Minuten gut gemacht. „Eine halbe Stunde bis zur S-Bahn, das sollte reichen“ denken wir uns. In Troisdorf angekommen lotst uns das Navi zu einem Parkhaus direkt an der S-Bahnstation. Doch was ist das? Es handelt sich nicht um einen P&R Parkplatz der kostenfrei genutzt werden kann, sondern um ein ganz normales kostenpflichtiges Parkhaus. Das Auto hier 10 Tage abzustellen hätte ein kleines Vermögen gekostet. Es bleibt uns also nicht anderes übrig als durch Troisdorf zu kurven und einen Parkplatz zu suchen.

“Parken nur für Anwohner“ überall dieses Schild. Stress macht sich breit, die Zeit verrinnt. Endlich finden wir in der nähe einer Baustelle eine Reihe freier Parkplätze, die nicht nur für Anwohner reserviert zu sein scheinen und auch sonst keinen zeitlichen Beschränkungen unterliegen. Jetzt muss es schnell gehen. Schuhe ausziehen, Stiefel anziehen, Rucksäcke aufsetzen und ab zum Bahnhof, das Ticket lösen. Wir erreichen das Gleis und nur wenige Minuten später trifft auch die S-Bahn ein. Entspannung macht sich breit. Am Flughafen angekommen ist es etwa 1 Uhr nachts, der Flieger startet um 5 Uhr 15 und da die Check-In Schalter noch geschlossen sind, rollen wir unsere Isomatten aus und versuchen ein wenig zu schlafen.

Als wir die Augen wieder öffnen erblicken wir bereits eine lange Schlange am Schalter. Wir reihen uns ein. Gepäckabgabe, Sicherheitscheck und schon kurz darauf werden wir mit dem Bus zum Flieger gebracht.

Zeitgleich zu unserem Start geht die Sonne am Horizont auf und taucht den Himmel in ein intensives Rot. Ich schaue noch ein wenig aus dem Fenster und schlafe schliesslich ein. Starke Turbulenzen über den Alpen schütteln mich jedoch schon bald wieder wach. Anja scheint einen tieferen Schlaf zu haben. Ein erneutes einschlafen fällt mir schwer und so warte ich müde, aber voller Vorfreude auf unsere Ankunft.

Der Ladeanflug auf Bastia offenbart das, was der Wetterbericht prophezeit hatte. Korsika erwartet uns unter dicken, grauen Regenwolken.

Die Freude endlich auf der Insel angekommen zu sein überwiegt allerdings und so schnappen wir uns gut gelaunt unsere Rucksäcke vom Gepäckband und machen uns auf den Weg nach Porchetta, einem kleinen Vorort von Bastia, in dem irgendwo der Bus hält, der uns nach Porto-Vecchio bringen soll. Bei leichtem Nieselregen, der jedoch kurz darauf aufhört, begehen wir die 3 km lange Strecke. Aber, warum nicht einfach trampen? Laufen müssen wir heute schliesslich noch genug. Nur kurz müssen wir warten und schon werden wir mitgenommen. In Porchetta angekommen bemühe ich meine mäßigen Französischkenntnisse und frage an der Tankstelle nach der Bushaltestelle. Die Frau an der Kasse zeigt auf eine kleine Haltebucht in unmittelbarer nähe der Tankstelle. „Perfekt“ denken wir uns. Und um so besser, direkt gegenüber hat bereits eine Bäckerei geöffnet. Zeit für ein leckeres Frühstück. Mhhhh. Quiche Lorraine. Und es kommt noch besser. Langsam aber sicher verziehen sich die Wolken und immer mehr blauer Himmel kommt zum Vorschein. So kann der Tag weiter gehen.

Um 9 Uhr, mit 10 Minuten Verspätung, trifft der Bus an der Haltestelle ein. Wir laden unsere Rucksäcke in den Bus, Anja kauft beim Busfahrer 2 Tickets nach Porto-Vecchio für je 21 € und wir suchen uns in dem nahezu leeren Bus ein Plätzchen für die nächsten zwei Stunden. Wir versuchen mal wieder ein wenig zu schlafen. Eine Stunde später wache ich, bei mittlerweile strahlend blauem Himmel wieder auf und geniesse den Rest der Fahrt. Die herrliche korsische Landschaft zieht an uns vorbei. Links das türkisblaue Meer, rechts saftig grüne Berghänge.

In Porto-Vecchio angekommen gibt es noch zwei Sachen die erledigt werden müssen bevor es endlich richtig losgehen kann. Unsere Trinkschläuche müssen mit Wasser gefüllt und Spiritus für den Trangia muss organisiert werden. Beides geht schneller als erwartet. Nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen sind laufen wir erstmal die erst beste Strasse entlang und stehen schon nach wenigen Metern vor einem Brunnen Wir füllen unsere Wasservorräte. Den Spiritus finden wir direkt auf der anderen Strassenseite in einem kleinen Lädchen.

Damit haben wir unser “offizielles“ Startgewicht von knapp 14 kg pro Person erreicht und dem Beginn der eigentlichen Tour steht nun nichts mehr im Wege. Ich schalte das GPS ein, ermittle unsere Position, rufe den Wegverlauf des Mare a Mare – Süd als GPS-Track auf und navigiere uns raus aus Porto-Vecchio. Wir verlassen Porto-Vecchio und laufen auf der D159 in Richtung Westen. Der eigentliche Beginn des MAMS liegt einige Kilometer ausserhalb von Porto-Vecchio beim kleinen Dorf Alzu di Gallina. Vielfach haben wir im Zuge unserer Reisevorbereitung gelesen, dass die 90 Minuten bis dahin nur über Asphaltstrassen führen. Die Empfehlung daher, die Strecke bis dahin am besten mit dem Auto zurück zu legen, probieren wir durch trampen umzusetzen. Ein korsischer Bauer in seinem Kleinbus zeigt sich hilfsbereit und nimmt uns kurze später in unsere gewünschte Richtung mit. Anja steigt vorne ein, ich mache es mir hinten im Laderaum zwischen Sensen, Äxten und anderem Arbeitsgerät bequem.

Etwa einen Kilometer vor Alzu di Gallina steigen wir an einer kleinen Kreuzung aus und verabschieden uns von unserer netten Mitfahrgelegenheit. Wir stehen inmitten herrlich blühender und duftender Macchia. Es blüht in Gelb, Rot, Weiss, Lila und vielen weiteren Farben. Die Macchia ist zu dieser Jahreszeit eine wahre Pracht. Im Spätsommer, der Jahreszeit in der wir Korsika bisher besucht hatten, ist die Macchia überwiegend sehr trocken und die Blütenpracht vorüber. Der typische Duft der korsischen Macchia ist aber auch zu dieser Zeit allgegenwärtig.

Wir schultern unsere Rucksäcke und legen den letzten Kilometer über die asphaltierte, von Blüten gesäumte Strasse zum Beginn des MAMS zurück. Es ist warm und die Sonne scheint.

Etwa 15 Minuten später erreichen wir das Schild das den Beginn des Mare a Mare – Süd darstellt. Der orange markierte Weg zweigt nach links von der Strasse ab. Es handelt sich um einen steinigen Pfad der zunächst sanft ansteigend durch die Macchia führt. Immer wieder ergeben sich schöne Ausblicke zurück zur Küste und auf den Golf von Porto-Vecchio. Nahezu überall quillt Wasser aus der Erde und macht den zu Beginn trockenen Pfad immer mehr zu einem kleinen Bach.

Das Frühstück liegt nun schon eine ganze Weile zurück und so beschliessen wir eine Rast zu machen. Wir packen den Trangia aus und entscheiden uns für ein leckeres Pilzrisotto. Natürlich selbst gekocht und zu Hause gedörrt, so wie fast unser gesamter Essensvorrat. Um Trinkwasser zu sparen verwenden wir zum Kochen das vorbei plätschernde Wasser. Schon während des Kochens müssen wir feststellen, dass immer mehr Wolken über die vor uns liegenden Berge zu uns herüber ziehen. Erste, kleine Tropfen fallen kurze Zeit später. Wir essen schnell auf, waschen ab, packen wieder zusammen und laufen weiter. Es entwickelt sich ein sehr wechselhaftes Wetter, bei dem Kurzer Nieselregen ständig mit Sonnenschein wechselt.

Der Weg wird langsam immer steiler und wir kommen in einen Kiefernwald. Es geht nun steil aufwärts und wir machen immer wieder für einige Minuten einen kleinen Stopp. Wir wollen es ja am ersten Tag nicht gleich übertreiben. Auf einer Höhe von etwa 500 m erreichen wir zum ersten mal die Strasse nach Ospedale. Während diese in Serpentinen in Richtung Ospedale führt laufen wir den Hang geradeaus nach oben. Unsere Trekkingstöcke sind uns eine große Hilfe. Im nach hinein betrachtet war die Steigung eigentlich gut zu meistern, am ersten Tag jedoch, mit noch randvollen Rucksäcken und einer zurückliegenden Nacht mit nur sehr wenig Schlaf, empfanden wir sie allerdings schon als recht anstrengend. Wir erreichen schliesslich eine Höhe von 850 m und erblicken endlich die ersten Häuser von Ospedale. Von hier aus ist es noch eine weitere halbe Stunde und weitere 170 Höhenmeter bis zum Etappenziel in Cartalavonu.

Wir beschliessen noch etwa die Hälfte des Weges zu gehen um uns anschliessend ein Plätzchen für unser Zelt zu suchen, doch davor wollen wir noch unsere Wasservorräte für den nächsten Tag auffüllen. Wir finden einen Brunnen in Ospedale. Dieser funktioniert jedoch nicht und so schnappt sich Anja unsere Wasserschläuche und fragt in einem Restaurant nebenan nach etwas Wasser. Ich bleibe draussen bei unseren Rucksäcken. Als ich Anja schliesslich mit vollen Schläuchen aus der Tür treten sehe bin ich erleichtert. Wir laufen die Strasse bergauf bis wir den Ort wieder verlassen und der Mare a Mare wieder nach links in einen Wald abzweigt. Wir kommen jedoch erstmal nicht allzu weit, da unser Weg von einem 5 m breiten Bach gekreuzt wird. Wir legen unsere Rucksäcke ab und ich suche eine geeignete Stelle um den Bach zu überqueren. Schon bald werde ich fündig und zeige Anja die Stelle. Unsere Trekkingstöcke helfen uns auch hier sicher und trockenen Fußes über den Bach zu kommen.

Wir folgen dem Weg anschliessend noch einige Minuten durch den Wald bis wir eine ebene und freie Stelle für unser Zelt finden. Das Zelt ist schnell aufgebaut. Mittlerweile sind wir auch Todmüde und verkriechen uns daher ohne Abendessen in unsere warmen Schlafsäcke. Genau rechtzeitig. Kaum liegen wir in den Schlafsäcken fängt es an zu regnen. Schnell schlafen wir ein.

Die Nacht verläuft ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Lediglich ein, zwei mal werde ich durch das periodisch lauter werdende prasseln der Regentropfen geweckt. Ich ziehe meine Kapuze am Schlafsack noch etwas weiter zu und schlafe schnell wieder ein.






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