GR 20 – 2. Etappe

Monte Incudine – Col de Laparo

Pünktlich zum Sonnenaufgang, es ist etwa 5:3o Uhr, stehen wir auf. Die uns umgebende Kulisse ist an diesem Morgen noch beeindruckender als am Abend zuvor. Die aufgehende Sonne wirft ein wunderschönes und besonderes warmes Licht auf die Felsen. Über der Ostküste breitet sich ein Nebelmeer aus. Wir geniessen jeden neuen Sonnenstrahl im kalten Wind, der uns immer noch um die Ohren bläst. Die Luft ist klar, die Bergzüge in der Ferne gut zu erkennen.

Für ein Müsli reicht unser Wasser leider nicht mehr aus. Die nächste Quelle befindet sich in der Nähe der Ruine der alten Refuge Pedinielli. Wenn wir Wasser haben möchten um zu frühstücken müssen wir also runter vom Berg. Wir packen zusammen und laufen den Bergrücken zunächst in Richtung Norden entlang, bis der Weg sich nach einer Weile nach Westen wendet und uns auf das vor uns liegende Plateau führt. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir die unscheinbare Quelle. Es wird erstmal ausgiebig gefrühstückt. Der Spirituskocher macht uns keine Sorgen mehr. Am Vorabend wollte die Flamme nicht richtig auflodern, dieses Problem haben wir heute morgen glücklicherweise nicht.

Bevor es weiter geht erfrischen wir uns ein wenig an der Quelle. Na ja, ein wenig ist gut. An diesem Morgen ist es immer noch recht kühl, doch dies hält uns aber nicht davon ab, unter der eiskalten Quelle zu duschen. Brrrr, eiskalt!

Der nächste Abschnitt der Tagesetappe führt uns zunächst über eine schöne Hängebrücke zu einem dicht mit Ginster bewachsenem Plateau. Wieder erwartet uns eine wunderbare Landschaft. Der Ginster blüht zu dieser Jahreszeit in seinem herrlichsten Gelb und riecht fantastisch. Und damit nicht genug. Durch das Hochplateau verlaufen zahlreiche kleine Bachläufe, alle umgeben von herrlich weichen und grünen Wiesen. Es erfordert einiges an Überwindung hier nicht einfach stehen zu bleiben, den Rucksack abzulegen und sich für den Rest des Tages keinen Meter mehr von der Stelle zu bewegen. Dem Plateau schliesst sich, nach einem kurzen Anstieg, ein Wald an. Wieder einmal sind wir dankbar für den Schatten. Unsere Mittagspause verbringen wir auf einer großen Wiese am Wegesrand. Hier verspeisen wir unser letztes Baguette und ein großes Stück Wurst. Ein kleines Nickerchen muss natürlich auch noch sein.

Schon bald nach der Wiese nähern wir uns dem Höhepunkt der heutigen Etappe. Der Aufstieg zum Denkmalsgrat beginnt. Kaum sind wir oben angekommen bläst ein heftiger Wind, der auch im weiteren Verlauf der Etappe nicht mehr nachlassen wird. Der Slalom, mal rechts, mal links der Felsen den Grat entlang, erfordert bei dem starken Wind unsere volle Aufmerksamkeit. Immer wieder müssen in kleinen Klettereinlagen schwierigere Stellen passiert werden.

Schon bald können wir in der Ferne die Refuge d‘Usciolu erkennen. „Es kann nicht mehr lange dauern“, denken wir uns, doch der Weg von Süd nach Nord ist hier etwas spärlich markiert, so dass wir mir mit einigen kleinen Umwegen und alternativen Kletterstellen noch gut eine Stunde bis zur Hütte brauchen. Endlich angekommen machen wir unter einem Schirm auf der Terrasse Pause und verköstigen einen wohlverdienten Erdnussriegel. Wir nutzen die Gelegenheit, kaufen ein Körnerbaguette und ein Feuerzeug, in der Hoffnung, den Kocher damit besser anzubekommen als mit dem Feuerstahl. Der Hüttenwirt ist ein netter junger Kerl. Wir unterhalten uns ein wenig, erzählen von unserem Gipfelbiwak der vergangenen Nacht. Der Hüttenwirt zeigt sich sichtlich beeindruckt und interessiert.

Nach dieser doch etwas längeren Pause wagen wir den erneuten Aufstieg zum folgenden Abschnitt des Grats. Einige hundert Höhenmeter sind zu überwinden. Der Grat ist nicht mehr so ausgesetzt wie auf dem ersten Abschnitt und auch weniger anspruchsvoll und wir kommen daher gut voran. Einzig der immer noch heftige Wind hier oben macht uns etwas zu schaffen. Eigentlich würden wir gerne hier oben unser Zelt aufbauen, doch der Wind ist uns etwas zu stark und so wollen wir lieber etwas unterhalb des Grats nach einem Plätzchen suchen. Wir erreichen schliesslich dessen Ende und steigen in engen Serpentinen steil bergab, als plötzlich, wie aus dem Nichts, dichter Nebel aufzieht. Wir sehen kaum unsere Hand vor Augen. Der Nebel umhüllt den Berg wie ein Band. Unterhalb dieses Nebelbandes ist die Landschaft nach und nach wieder immer besser zu erkennen. Im Osten liegt die flache Ostküste der Insel vor uns, der Blick reicht weit bis auf das Meer. Es beginnt ein kleines Waldstück und wir wittern eine gute Gelegenheit hier unser Lager aufzuschlagen. Nach etwa 9 Stunden Gehzeit stossen wir auf ein kleines Aussichtsplateau mit einer Wiese. Der Entschluss hier zu bleiben ist schnell getroffen. Wir bauen unser Zelt auf und gehen zum gemütlichen Teil des Tages über. Endlich ein verdientes Abendessen, bestehend aus Chili con carne mit Baguette, gefolgt von Grießbrei mit Apfelchips.

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GR 20 – 1. Etappe

Col de Bavella – Monte Incudine

Es ist 5 Uhr morgens. Der Wecker klingelt.

Nach einigem hin und her wälzen stehen wir schliesslich um 5:40 Uhr auf. 5:00 Uhr war uns heute doch etwas zu früh. Aber auch zu dieser noch sehr frühen Stunde ist der Campingplatz wie ausgestorben. Völlig ungestört packen wir unsere Sachen zusammen und nutzen ein letztes Mal die sanitären Annehmlichkeiten eines Campingplatzes. Das Frühstück lassen wir erst einmal ausfallen und laufen stattdessen gleich zur Strasse. Doch, wie auf dem Campingplatz, tut sich auch hier zu dieser Uhrzeit noch nicht allzu viel. Anstatt uns die Beine in den Bauch zu stehen laufen wir die Strasse entlang. Der zu diesem Zeitpunkt noch bedeckte Himmel beginnt langsam aufzureissen und lässt die ersten Sonnenstrahlen des Tages zu den umliegenden Bergen durchdringen. Die ohnehin schon roten Felsen leuchten förmlich in der Morgensonne.

Hinter einer Kurve hören wir plötzlich das Klappern eines Motors. Ein Auto, zwei Daumen und tatsächlich, es hält an. Hinter dem Steuer ein junger korsischer Feuerwehrmann auf dem Weg nach Propriano. Wir verfrachten unsere Rucksäcke in den Kofferraum des kleinen Autos und schon kann es losgehen. Wir sind überrascht wie weit es noch bis zum Col ist, aber durch den netten Plausch mit dem Korsen, sofern man das bei unseren französisch Kenntnissen überhaupt so nennen kann, vergeht die Zeit im Nu und wir erreichen gegen 8 Uhr unser Ziel, den Col de Bavella. Endlich ist es  soweit. Nach 2 Tagen der Anreise stehen wir nun endlich an unserem Ausgangspunkt des GR 20. Das Frühstück, das wir hier eigentlich nachholen wollten, ist erstmal vergessen und wir machen uns gleich auf den Weg. Zunächst durch Wald laufend halten wir die Augen nach einer gelben Markierung offen. Diese kennzeichnet die alpine Variante des GR 20, die im Gegensatz zum normalen Weg, welcher am Fuße der Bavella-Gruppe durch den Wald verläuft, mitten hindurch führt. Wir zweigen rechts vom Normalweg ab und beginnen mit dem steilen Aufstieg. Die beeindruckenden Felsformationen der Bavella-Gruppe rücken immer näher. Vorbei an imposanten Felstürmen geht es immer weiter nach oben. Es ist zu dieser Uhrzeit glücklicherweise noch nicht sehr heiß, dennoch kommen wir aufgrund der schweren Rucksäcke gut ins schwitzen.

Der erste Anstieg ist schliesslich geschafft. Zwischen den Felstürmen suchen wir uns ein schattiges Plätzchen und beginnen mit der Dezimierung unserer Essensvorräte. Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel, über unseren Köpfen ein fantastisches Blau und dazu der herrliche Ausblick. Grandios.

Weitere längere Anstiege erwarten uns erst einmal nicht mehr. Stattdessen sind von nun an mehrere kleinere und größere Kletterstellen zu überwinden, die uns immer weiter in das Herz der Bavella-Gruppe bringen. Die schwierigsten Stellen sind mit Ketten gesichert, aber dank der schweren Rucksäcke eine nette Herausforderung. Leider viel zu schnell ist diese faszinierende Landschaft durchquert und wir erreichen den Abstieg, der uns durch sehr trockene Wälder hinab ins Tal führt. In zum Teil knöcheltiefem Staub geht es steil bergab, aber die Bäume spenden wohltuenden Schatten. Im Tal angekommen treffen wir wieder auf den Normalweg des GR 20 und folgen diesem  in flachem Gelände durch schönen Pinienwald in Richtung Norden.

Bevor am Ende des Tal der nächste Anstieg, vorbei an der Refuge d’Asinao zum Monte Incudine, auf uns wartet, sehnen wir jedoch eine ausgiebige Pause herbei. Zum Schutz vor der prallen Mittagssonne rollen wir im Schatten eines Baumes unsere Isomatten aus, verköstigen unsere selbst gemachten Müsliriegel und genehmigen uns ein kleines Mittagsschläfchen.

Auch am frühen Nachmittag sind die Temperaturen noch sehr hoch, aber dennoch, wir müssen weiter. Der Aufstieg zur Refuge führt über offenes Gelände, immer in der Nähe des Ruisseau d’Asinao, einem kleinen Flüsschen, das gemütlich ins Tal plätschert. Es ist heiß und die Gumpen am Flüsschen leider zu klein für ein Bad. Endlich an der Hütte angekommen halten wir uns gar nicht lange auf. Wir nutzen den Brunnen, um unsere Wasservorräte aufzufüllen, essen ein paar Bananenchips und brechen schon bald darauf wieder auf. Mehrere hundert Höhenmeter eines recht anspruchsvollen und steilen Aufstiegs warten auf uns. Unsere Wasservorräte leeren sich schnell. Doch auch dieser Auftieg ist schliesslich geschafft und nach knapp 2 Stunden erreichen wir den Gipfelgrat. Der Wind auf dem Grat verschafft uns Abkühlung. Selbst von hier ist der Ausblick bereits fantastisch. Der Blick in den Süden zeigt die Bavella-Gruppe, im Westen schweift der Blick über das Plateau  du Coscione bis an den Golf d’Ajaccio. Über den Grat ist der Gipfel nun schnell erreicht. Die ohnehin schon geniale Aussicht wird von hier aus noch durch den Ausblick nach Norden zur Paglia Orba und Monte Cinto bereichert. Sofort ist uns klar, dass wir die Nacht hier oben verbringen wollen. Ein Plätzchen für das Zelt ist schnell gefunden, auch die Wasservorräte reichen und so steht einem Gipfelbiwak nichts mehr im Wege.

Wir suchen uns den schönsten Aussichtspunkt und bereiten unser Abendessen zu.

Nachdem der Sonnenuntergang den Tag mit fantastisch kitschigen Farben beendet hat verkriechen wir uns zum Schutz vor dem Wind ins Zelt. Mit dem Kopf voller Eindrücke schlummern wir zufrieden ein und freuen uns auf den nächsten Tag.

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