Wasser, Wadis & Wüste

Ein Großteil der zu bewältigenden Höhenmeter ist geschafft. Das letzte Drittel der Reise verläuft nach dem Erreichen der Hauptstadt Muskat immer in der Nähe der Küste. Um die Hauptstadt herum nimmt der Verkehr noch einmal merklich zu, doch dies ist glücklicherweise nicht von Dauer. Schon bald sind die Strassen beinahe wieder menschenleer und die omanische Küste zeigt ihre ganze Schönheit und Vielfalt. Kilometerlange Sandstrände, steile Felsküste und dazwischen immer wieder atemberaubende Wadis, die sich ihren Weg ins Meer bahnen.

Vorbei an Quriat, geht es über zum Sur zum östlichsten Punkt des Landes, Ras-al-Hadd und von von hier an, in südlicher Richtung der Küste folgend, zum bekannten und wunderschönen Schildkrötenstrand Ras-al-Jinz. Ab Al-Ashkarah führt der Weg wieder ins Landesinnere in die kleine Oasenstadt Al-Mintirib am Rande der Wahiba Wüste. Eine letzte Nacht unter dem Sternenhimmel der Wüste bildet einen unvergesslichen Abschluss der Reise, bevor es mit dem Bus über Muskat zurück nach Dubai geht.

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Dubai & die Wüste der V.A.E

22 Uhr. Mensch und Fahhrad sind heil und voller Tatendrang in Dubai gelandet. Unter Beobachtung zahlloser indischer Augen, im Emirat leben deutlich mehr Inder als Araber selbst, wird die Ankunftshalle des Flughafens erstmal kurzerhand zur Werkstatt. Zwei Stunden später ist es vollbracht, das Rad ist reisebereit, alle Packtaschen sind an ihrem Platz, die Trinkflaschen gefüllt. Wie gehofft sind die Strassen Dubai’s zu dieser späten Stunde für die dortigen Verhältnisse angenehm leer. Herrschten im fernen Deutschland vor wenigen Stunden noch Temperaturen um null Grad, sind es nun etwa 20 Grad. Die Luft ist angenehm trocken, der Duft der angrenzenden Wüste liegt in der Luft. Doch bevor es Richtung Wüste geht, steht ein Abstecher beim höchsten Gebäude der Welt, dem Burj-al-Khalifa, auf dem Programm. Das Turm des Kalifen ist vom Flughafen aus zwar schon deutlich zu erkennen, doch sind es etwa 30km durch Dubai’s Strassengewirr bis das Gebäude tatsächlich erreicht ist. Nach einer kleinen Pause und dem dazugehörigen Kaffee beginnt die Suche nach dem passenden Weg hinaus aus der Stadt. Das Ganze stellt sich als relativ kompliziertes Unterfangen heraus. Will man Dubai verlassen, so funktioniert das ausschliesslich über Autobahnen, ab vier Spuren in jede Richtung aufwärts. Es muss die richtige Autobahn gefunden werden, die richtige Auffahrt und irgendwie muss man dann auch noch auf die richtige Strassenseite kommen, was hier wirklich nicht so einfach ist wie es sich vielleicht anhört, schon gar nicht als Fahrradfahrer. Kurz vor Sonnenaufgang stimmt der Kurs. Die Strassen sind mittlerweile alles andere als leer. Jeep folgt auf LKW, LKW folgt auf Jeep. Die Luft ist verschleiert von Abgaßen als die Sonne schliesslich über dem Horizont erscheint. So geht es zunächst für viele Kilometer weiter. Erst als die Sonne schon hoch am Himmel steht, die Stadt schon weit zurückliegt, lässt auch der Verkehr nach. Links und rechts der Stassen breitet sich die Wüste der Vereingten Arabischen Emirate aus. Kamele streifen entspannt durch die Dünen.

Langsam aber sicher macht sich die Anreise und die schlaflose Nacht bemerkbar. Ein kleiner schattenspender Busch dient als wunderbares Plätzchen für ein kleines Mittagsschläfchen.

Nach ein wenig Schlaf radelt es sich auch gleich deutlich entspannter. Die Nachmittagssonne bringt die umliegende Wüste zum Leuchten. Der Lärm des Morgens ist der Ruhe der Wüste gewichen. Ein Pistenabzweig führt schliesslich mittenhinein in die Dünenlandschaft. Hier sollte sich ein Plätzchen für das Zelt finden lassen.

Kurz nach Sonnenaufgang am nächsten Morgen wieder zurück auf der Strasse Richtung Grenzübergang Oman. Es ist wunderschön zu dieser frühen Stunde in der Wüste unterwegs zu sein. Die Temperaturen sind angenehm, die Luft ist frisch und die Sonne spendet ein fantastisches Licht. Es geht gut voran und so ist schon bald Madam, der letzte Ort vor der omanischen Grenze, erreicht. Der Grenzübertritt gestaltet sich völlig problemlos. Aufgrund des Grenzverlaufs folgen nun 20 km durch den Oman, bevor der nächste Grenzübergang zurück in die V.A.E führt. Die Sanddünen sind nach und nach einer Steinwüste gewichen, am Horizont erscheinen die ersten Berge. Bis nach Hatta verläuft die Route nur leicht ansteigend, doch die Berge rücken immer näher. Hatta selbst ist ein etwas größerer Ort direkt an den nördlichen Ausläufern des Hadschar-Gebirges. Der Ort bietet einen Supermarkt, sowie die Möglichkeit Geld zu tauschen. Von hier aus führt die gewählte Route schliesslich abseits der Hauptstrassen weiter Richtung Süden. Das Warmfahren ist vorbei. Die Berge können kommen…

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Oman – Prolog

Wie kommt man auf die Idee mit den Reiserad durch das Sultanat Oman zu radeln? Diese Frage ist mir vor Abreise oft gestellt worden. Ganz einfach! Im empfehlenswerten “Fahrrad Weltführer” von Thomas Schröder wird dieses fantastische Land auf der arabischen Halbinsel noch nicht einmal mit zwei Seiten erwähnt. Es ist die Rede von einer gastfreundlichen Bevölkerung, kaum touristischer Infrastruktur und einem faszinierenden Gebirge im Nordosten des Landes. Das reichte schon aus um mich für dieses Land zu begeistern. Zu recht!

Doch bevor es losgeht muss eine passende Route gefunden werden. Das Land bietet eine Fülle an landschaftlichen Sehenswürdigkeiten. Eine faszienierende Bergwelt mit Gipfeln über 3000m Höhe, Wadis, Wüste, kilometerlange Sandstrände, um nur einen Teil davon zu nennen. Wenigstens einen kleinen Einblick in dies alles sollte die gesuchte Route bieten. Schnell stellt sich heraus, dass sich die Anreise über Dubai und die V.A.E, sowohl aus finanzieller als auch aus planerischer Hinsicht, als am sinnvollsten erweist. So bietet sie beispielsweise die Möglichkeit das Land von Nordwesten kommend in südlicher Richtung zu beradeln und dabei das Jebel-Akhdar Gebirge mit allen seinen Höhen und Tiefen der Länge nach zu überqueren. Ab Maskat wartet ein wunderschöner Küstenabschnitt bis der äusserste Osten des Landes mit seinen berühmten Schildkrötenstränden erreicht ist. Der letzte Abschnitt der Route führt zurück ins Landesinnere bis in die Wüste Ramlat-al-Wahiba. Nach etwas Planung steht die Route fest:

1400km mit mehr als 10000hm warten darauf entdeckt zu werden…