GR 20 – 9. Etappe

Refuge Ciottulu di i Mori – Refuge de Tighiettu

Es ist stockdunkle Nacht als wir aus dem Zelt steigen. Wage lassen sich die Umrisse der Paglia Orba vor dem Sternenhimmel erkennen. Schnell packen wir ein wenig Essen sowie Wasser in die Rucksäcke und machen uns auf dem Weg. Doch schnell kommen wir zu Beginn ganz und gar nicht voran. Wir sind zu zweit unterwegs, haben aber nur eine Stirnlampe. Da die Besteigung der Paglia Orba umgeben von absoluter Finsternis so im Vorfeld nicht geplant war, blieb die zweite Stirnlampe, um Gewicht zu sparen, zu Hause. Bis jetzt hätten wir sie auch wirklich nicht gebraucht. Aber auch so geht es voran, nur eben etwas langsamer. Zunächst folgen wir einem relativ gut sichtbaren Weg in Richtung Col des Maures, dann weisen uns Steinmännchen den Weg über ein Feld aus großen Felsblöcken. Die erste Kletterei beginnt und richtige Route nicht immer eindeutig. Teilweise müssen wir mehrere Möglichkeiten probieren um weiter zu kommen.

Die Augen haben sich mittlerweile bestmöglich an die Dunkelheit angepasst und auch die ganz langsam einsetzende Dämmerung erleichtert nun die Orientierung. Auf gleicher Höhe ist nun schon das riesige Loch in der Felswand des Capu Tafunatu zu erkennen. Es hat beeindruckende Ausmaße. Ein paar Kletterstellen später nähern wir uns kurz vor Sonnenaufgang dem Vorgipfel der Paglia Orba. Der Ausblick ist bereits traumhaft. Es geht nun noch einmal bergab und anschliessend zum Gipfel hoch. Wenige Minuten nach Sonnenaufgang stehen wir auf dem 2525m hohen Gipfel der Paglia Orba.

Die Wegfindung ist auf der Paglia Orba nicht immer ganz einfach und so kommen wir schliesslich über einen völlig anderen Abstiegsweg wieder an der Hütte an. Ein grandioser Abstecher…

Wir packen in aller Ruhe das Zelt zusammen, frühstücken ausgiebig und folgen dem weiteren Verlauf des GR 20. 600hm geht es nun meist steil bergab, bis wir einen schattenspendenden Wald erreichen. Nach der Besteigung der Paglia Orba und diesem weiteren langen Abstieg sind unsere Beine nun ziemlich schlapp. Wir sehnen die Bergerie de Ballone und eine Pause herbei. Die Bergerie liegt in einem wunderbaren Tal ganz in der Nähe eines Baches. Hier legen wir eine Pause ein.

Wieder etwas erholt beginne ich einige Bilder zu schiessen und stelle die Kamera samt Stativ neben einer Gumpe ab. Nur einem Moment der Unachtsamkeit und einen Windstoss später liegt die Kamera plötzlich in eben jener Gumpe, komplett untergetaucht und völlig durchnässt. Ich hole fluchend die tropfende Kamera aus dem Wasser. Das war’s dann erstmal mit dem Fotografieren…

Ziemlich angefressen brechen wir schliesslich auf, um noch einen Teil des vor uns liegenden Anstiegs zu bewältigen. Wir steigen letztlich bis zur Refuge de Tighiettu auf und bauen etwas abseits der Hütte unser Zelt auf. Ein guter Ausgangspunkt um frühzeitig die Schlüsselstelle des GR20, den Cirque de la Solitude, zu erreichen.

GR 20 – 8. Etappe

Lac de Nino – Refuge de Ciottulu di i Mori

Der Tag beginnt wie immer noch vor Sonnenaufgang, den wir in dieser einmaligen Kulisse umbedingt miterleben wollen. Und das zu recht! Die aufgehende Sonne taucht die Landschaft in faszinierend schöne Farbtöne.

Nach diesem Schauspiel brechen wir auf. Der Weg führt hinauf zur Bocca â Reta. 100m über dem See gelegen bietet sich hier noch einmal ein toller Blick zurück auf den See und die aufgehende Sonne. Wir wenden uns ab und der nächste Ausblick tut sich auf. Im Norden, auf der anderen Seite des Tals, liegt das Matterhorn Korsikas, die Paglia Orba, vor uns. Schon als ich vor einigen Jahren das erste Mal auf dieser Insel war und diesen Berg sah, wollte ich unbedingt auf dessen Gipfel. Morgen früh wird es endlich soweit sein.

Der Weg führt nun, über einen gut zu laufenden alten Hirtenweg, langsam aber stetig hinab zum Col de Saint-Pierre. Auf den steilen Hängen am Rande des Weges tummeln sich zahllose Schafe und Ziegen, die sich die Bäuche am frischen Grün vollschlagen. Nach der Überquerung des windigen Passes erreichen wir schliesslich den Rand des Valdu Niellu, den größten zusammenhängenden Wald der Insel. Zwischen Buchen, Birken und Lariccio-Kiefern führt der schattige Weg nun hinab bis zum Castel de Vergio. Eine hässliche Skistation inmitten der Insel. Dennoch nutzen wir die Gelegenheit und kaufen im gut sortierten kleinen Laden ein paar Leckereien.

Der nun folgende Streckenabschnitt bis zur Hütte ist dafür umso schöner. Er führt durch das wilde Golo-Tal am Ufer des gleichnamigen Flusses steil bergauf. Immer wieder bieten herrliche Badegumpen die Möglichkeit für eine Erfrischung. Kein Wunder, dass wir an einer dieser Gumpen einen Bummelnachmittag mit Schwimmen und Sonnenbaden einlegen.

Gut erholt brechen wir am späten Nachmittag zum restlichen Aufstieg zur Refuge Ciottulu di i Mori auf. Diese  liegt weit oberhalb des Golo-Tals am Fuße der mächtigen Paglia Orba. Etwas abseits bauen wir unser Zelt auf und legen uns schon bald nach dem Abendessen in die Schlafsäcke. Eine kurze Nacht steht und bevor. Bereits zu Sonnenaufgang wollen wir auf dem Gipfel der Paglia Orba stehen…

Incoming search terms for the article: