GR 20 – 4. Etappe

Plateau de Gialgone – Bocca Palmente

Am frühen Morgen frühstücken wir bei herrlichstem Wetter inmitten eines blühenden Rosenbeets. Schmetterlinge umkreisen uns. Wir sitzen auf einem großen Baumstamm und lassen uns zugleich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen. Eine wahre Idylle.

Von den Schweinen, die uns am Vorabend besucht hatten sehen wir keine Spur. Sie sind wohl weitergezogen. Auch wir ziehen weiter und durchqueren eine wunderschöne Hochebene, die sich in einem saftigen Grün und leuchtenden Gelb zeigt. Es duftet nach Sommer. Der Weg führt uns weiter in einen schattenspendenden Wald. Als wir nach einer Weile am Wegesrand eine Gumpe sehen, beschließen wir spontan im eiskalten Wasser ein Bad zu nehmen. Kaum sind wir fertig mit unserer Erfrischung, kommen auch schon 3 ältere Franzosen den Weg entlang, erfreuen sich unser und zeigen sich schwer beeindruckt über unseren Mut ins eiskalte Wasser zu steigen. Die folgenden 3 km führen uns stets leicht bergab weiter durch den Wald, der leider durch Brände an vielen Stellen sehr licht geworden ist. Der Wegesrand ist immer wieder von verkohlten Baumstümpfen gesäumt.

Wir erreichen die Pont de Cassacie, überqueren den Casso-Bach und folgen dem Pfad am rechten Bachufer steil bergauf zu den Bergeries de Traggette. Im Hintergrund erhebt sich der eindrucksvolle Gipfel des Monte Renoso. Wir hatten erhofft hier etwas Brot und Wurst zu erstehen, doch leider sind die kleinen urigen Steinhütten alle verschlossen. Die Sonne scheint heute gnadenlos auf uns herab und so sind wir heil froh, als wir 30 Minuten später die Refuge de Capannelle erreichen. Wir hatten im Vorfeld schon einiges darüber gelesen und können es bestätigen: Die angrenzende Skistation ist wirklich sehr hässlich. Sie schneidet eine kahle Schneise mitten durch die herrliche Natur. Die Bergerie de Capannelle direkt oberhalb der Station ist geschlossen, also machen wir es uns auf der Terrasse der Refuge bequem. Hier nutzen wir die Gelegenheit günstig einzukaufen, holen uns ein Brot, eine Wurst und wegen der heißen Sonne auch ein Eis. Frisch gestärkt geht es weiter. Wir müssen allerdings noch ein Stück bergauf zur Crête du Chufidu, bevor es im dichten Wald 200 Höhenmeter extrem steil bergab geht. Die uns auf diesem Stück entgegenkommenden Wanderer sind fix und fertig. Die Anstrengung des Aufstiegs steht ihnen ins Gesicht geschrieben und so wundert uns es nicht, dass beinahe jeder zweiter fragt wie weit es noch zur Refuge de Capannelle sei.

Der markierte Weg führt uns weiter durch schier endlose Wälder. Plötzlich kreuzt eine lange Schlange vor uns den Waldweg. Schnell und laut raschelnd verschwindet sie jedoch im Unterholz. Auf einer kleinen Anhöhe nutzten wir die Gelegenheit im Schatten eines schönen großen Baumes ein kleines Nickerchen zu machen. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Abstieg nach Vizzavona. Der Ort ist uns bereits von früheren Reisen bekannt und bietet wenig Schönes, daher wollen wir es nach Möglichkeit vermeiden dort zu nächtigen.

Der letzte Abschnitt des Tages führt über sanfte Waldwege vorbei an den Bergeries d‘Alzeta hinauf zur Bocca Palmente. Der Platz eignet sich ideal als Nachtlager. Kurzentschlossen bauen wir unser Zelt auf. Doch noch immer brennt die Sonne gnadenlos auf uns herab und so verbringen wir die restlichen Stunden des Nachmittags entspannt im Schatten des Zeltes.

Als die Temperatur schliesslich ein erträgliches Maß erreicht hat, beginnen wir mit dem Kochen. Ein deftiges Abendessen mit Nachtisch ist jetzt genau das Richtige um den Tag ausklingen zu lassen.

Satt und glücklich geniessen wir das letzte Tageslicht und beobachten wie die Schatten an der Ostküste länger und länger werden, während die Sonne im Westen eindrucksvoll hinter dem Monte d‘Oro untergeht.

Erschöpft schlafen wir zu den sanft klingelnden Kuhglocken ein.

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GR 20 – 3. Etappe

Col de Laparo – Plateau de Gialgone

Mitten in der Nacht bekommen wir Besuch. Ein lautes Rascheln vor unserem Zelt, bzw. in der Aspis lässt uns aufhorchen. Ein Fuchs! Wir wollen es kaum glauben. Das Rascheln kommt von unserer Mülltüte, die der Fuchs gefunden hat. Er ist auf nächtlicher Futtersuche. Wir beobachten ihn eine Weile und als er schliesslich merkt, dass es bei uns nichts essbares zu finden gibt, sucht er das Weite. Wir schlafen ein.

Am nächsten Morgen bemerken wir, dass einer unserer Trekkingstöcke fehlt. Der Fuchs scheint ihn geklaut zu haben. Nach einer ausgiebigen Suche finden wir ihn glücklicherweise gut versteckt hinter einem Felsen. Noch mal Glück gehabt, bis auf die fast durchgekaute Handschlaufe ist alles in Ordnung. Eine schöne Überraschung, so früh am Morgen.

Einem Frühstück bei Sonnenaufgang steht nun nichts mehr im Wege. Von einem Felsen neben unserer Schlafstätte geniessen wir den tollen Ausblick über die Ostküste der Insel, die sich in warmes Licht getaucht weit vor uns ausbreitet. Kein Nebel und keine Wolke stört den Ausblick. Ein fantastisches Panorama. Wir geniessen in aller Ruhe unser Frühstück, packen zusammen und machen uns schliesslich auf den Weg. Laut unserer Wegbeschreibung sollten wir bald auf eine Quelle stossen. Beinahe verpassen wir im dichten Wald die Abzweigung. Auf einem Stein, halb ausgewaschen steht es geschrieben „Source“. Für Nord-Süd-Wanderer jedoch deutlich leichter zu erkennen. Wir folgen dem Pfeil und enden an einer kleinen Bergerie. Ein älterer Mann sitzt auf einer Bank vor der kleinen Holzhütte und lauscht seinem Radio. Auf Nachfrage weist er uns den Weg zur Quelle. Sie liegt einige Meter unterhalb der Hütte. Wir finden eine Quelle mit integrierter Open-Air Dusche. Diese Gelegenheit für eine morgendliche Wäsche lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Erfrischt und mit vollen Wasservorräten geht es weiter zum Col de Laparo. An dieser Stellen kreuzt der GR20 der Wanderweg Mare a Mare Centre, der die Insel in Ost-West Richtung überquert. Wir folgen unserem Weg weiter in nördlicher Richtung, lassen den Wald hinter uns und erreichen offenes Gelände. Zunächst begegnen wir noch kleinen Herden von Kühen, die am Wegesrand grasen oder sich im Schatten der letzten Bäume erholen. Das Gelände wird nun anspruchsvoller. Immer wieder sind teilweise schwierige Geröllfelder zu queren und steile Anstiege zu bewältigen. Wir nähern uns der Punta della Cappella und folgen dem Weg, der östlich um den Gipfel herumführt. Bei genauem hinsehen ist von hier bereits die Refuge de Prati zu erkennen, doch die etwa 90 Minuten Gehzeit zur Hütte haben es in sich. Ein schroffer und steiler Bergrücken, der einiges an Konzentration und Trittsicherheit von uns abverlangt liegt vor uns. Viele steile Felsplatten die zu überqueren sind und einige Klettereinlagen sorgen für Spannung. Wir lassen den Bergrücken schliesslich hinter uns und erreichen sanftes Grasland als plötzlich, wie aus dem Nichts dicker Nebel aufzieht. Die Sicht wird immer schlechter, aber in diesem Gelände ist die Refuge gut zu erreichen. Eine Stunde früher hätte der Nebel unangenehm werden können. Auf der Wiese vor der Refuge  angekommen gönnen wir uns eine Pause inmitten des dichten Nebels. Nach einem kleinen Snack dösen wir ein. Ich kann nicht sagen wie lange wir auf der Wiese lagen, doch als wir aufwachen scheint die Sonne und ein großes Pferd hat sich zu uns gesellt. Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg zum Col de Verde.

Bis zur Bocca d’Oru verliert der Weg nur leicht an Höhe, doch von hieran geht es steil bergab. 600 Höhenmeter Abstieg liegen vor uns und mit jedem Meter, den wir an Höhe verlieren steigen die Temperaturen. Die heisse Nachmittagssonne brennt uns auf die Köpfe und wir sind froh schliesslich die Baumgrenze zu unterschreiten. Es dauert nicht mehr lang und wir erreichen den Col de Verde. Den hier an der Strasse liegenden Campingplatz lassen wir getrost links liegen. Laut Wegbeschreibung müssten wir in etwa 90 Minuten das Plateau de Gialgone erreichen können, dort wollen wir uns nach einem Lagerplatz umsehen. Wir folgen einem Forstweg in einen schönen Wald, mit teilweise uralten Bäumen, hinein. Im Wald ist es sehr feucht und so finden wir nach einer Weile eine kleine Quelle am Wegesrand. Mit vollen Wasservorräten und dementsprechend wieder schweren Rucksäcken steht uns der letze Anstieg des Tages bevor. Über Serpentinen gelangen wir zum 400 Meter über uns gelegenen Plateau de Gialgone. Unsere Spekulation hier oben einen Lagerplatz zu finden hat sich als richtig erwiesen. Es erwartet uns eine einladende Ebene mit reichlich Platz und schönem Ausblick. Unter einem großen Baum schlagen wir das Zelt auf. Ein kleiner Bach in unmittelbarer Nähe führt genügend Wasser um uns zu waschen zu können und um zu kochen. Kaum sind fertig mit dem Essen gesellen sich fünf quiekende Schweine aus dem umliegenden Gebüschen zu uns. Sie haben es auf unsere Töpfe abgesehen und wir überlassen ihnen die Reste, bzw. lassen sie den Abwasch erledigen.

Eine lange Etappe liegt hinter uns. Wir gönnen uns nach dem Abendessen noch einen heißen Kakao und beobachten wie die untergehende Sonne die umliegenden Berge zum Glühen bringt.

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