GR 20 – 6. Etappe

Crête de Muratello – Col de Rinoso

Der Morgen beginnt stürmisch. Die Nacht über haben wir aufgrund des starken Windes kaum geschlafen und da es bei Sonnenaufgang immer noch ziemlich windig und ungemütlich ist, beschließen wir heute ohne Frühstück aufzubrechen und direkt zur Befuge de l’Onda hinunter zu laufen.

Der steile Abstieg zur Bergerie l‘Onda, in unmittelbarer Nachbarschaft zur gleichnamigen Befuge gelegen, ist schnell geschafft. An der Bergerie nehmen wir uns dann endlich Zeit für ein Frühstück mit leckerer Wurst und Käse. Auch frisches Brot können wir erstehen. Auf der großen Wiese zwischen der Bergerie und der angrenzenden Koppel, die den Wanderern als Zeltplatz dient, machen wir es uns gemütlich und geniessen unser frühstück. Kaum setzen wir uns, sind wir von einer Ziegenherde umgeben, deren Geruch exakt mit dem unseres Käses übereinstimmt. Die Ziegen gehören zur Bergerie und werden jeden Tag aufs Neue zu den Weiden gebracht. Nach unserem ausgiebigen Frühstück nutzen wir die hiesigen Waschanlagen und füllen hier an der Quelle unsere Wasservorräte auf.

Die alpine Variante des GR20 verläuft von der Refuge de l‘Onda zur Refuge Petra Piana über den Grat der Höhenzüge Serra di Tenda und Serra di Bianca. Der Normalweg des GR20 führt stattdessen durch das Manganellotal und ist ca. 1 Stunde Gehzeit länger. Eine Entscheidung zwischen Badegumpen im Tal oder Fernblicken auf dem Grat. Einen Badetag bei den Gumpen der „Cascades des Anglais“ hatten wir ja bereits am Vortag und da der Wind mittlerweile nachgelassen hat, ist unsere Entscheidung schnell gefallen. Wir wählen die alpine Variante. Der kurze Aufstieg zur Serra di Tenda führt uns über üppige Wiesen. In der Nähe entdecken wir etliche Ziegenherden, die sich an dem satten Grün laben. Bis zur Bocca a Meta gleicht der Kamm einem Spaziergang, bietet aber bereits ein fantastischen Blick bis an die Westküste der Insel mit der Hauptstadt Ajaccio. Danach beginnt der Weg anspruchsvoller zu werden. Die doppelten gelben Farbstreifen markieren die alpine Variante. Immer wieder scheint die alte Markierung in rot-weiß durch und lässt erahnen, dass dies die ursprüngliche GR20-Route war. Von nun an müssen zahlreiche Kletterstellen passiert werden, die uns schließlich auf den bizarren Felsrücken des Pointe de Pinzi Corbini führen. Hier legen wir eine Pause ein und geniessen das 360° Panorama.

Von nun an geht es in leichterem Gelände 200 Höhenmeter bergab bis zur Bocca de Manganello. Von hier ist es nicht mehr weit zur Refuge de Petra Piana.

An der Refuge de Petra Piana angekommen gibt es eine herrliche Aussicht über unseren zurückgelegten Weg bis hin zum Monte d‘Oro. Wie zu erwarten treffen wir hier auf eine Vielzahl an Wanderern. Wir merken schnell, dass der GR20 Nord besser besucht wird, als der südliche Teil. Es ist noch früh am Nachmittag und so machen wir nur kurz Rast und gehen schliesslich weiter.

Hinter der Refuge geht es steil über Geröll zwischen Erlenbüschen den Hang hinauf. Hier kommt uns tatsächlich eine Familie mit einem kleinen Pudel entgegen. Kühe grasen in dieser unwirklichen Landschaft auf kleinen grünen Wiesen zwischen all dem Geröll. Wie auf grünen Inseln inmitten der kargen Felslandschaft stehen die Kühe dicht beieinander.  Wir traversieren den Hang und erreichen den Col de la Haute Route. Ein letztes Mal lassen wir den Blick über das Tal zurück nach Süden schweifen. Ein neuer Abschnitt erwartet uns.

Wir befinden wir uns nun auf einer kleinen Hochebene, auf der sogar noch Schnee liegt. Vor zwei Wochen dürfte selbst auf den Wegen Schnee gelegen haben. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick auf den malerischen Lac de Ronoso, der dunkel und geheimnisvoll vor uns liegt.

Bis zum Col de Rinoso ist es nicht mehr weit, doch wir sind so fasziniert von diesem Ort, dass wir beschliessen die Etappe für heute zu beenden und unser Zelt hier aufbauen. Eine kleine Wiese umgeben Felsen bietet uns eine ideale Stelle.

Wir geniessen den Rest des Tages in der Einsamkeit der Berge mit faulenzen, kochen und sonnenbaden auf über 2000m Höhe.

Ein letztes Highlight des Tages bildet der fantastische Sonnenuntergang, der kaum farbintensiver sein könnte. Die umliegenden Felsen sind mit neongrünen Flechten überzogen, die in der untergehenden Sonne mystisch leuchten.

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GR 20 – 2. Etappe

Monte Incudine – Col de Laparo

Pünktlich zum Sonnenaufgang, es ist etwa 5:3o Uhr, stehen wir auf. Die uns umgebende Kulisse ist an diesem Morgen noch beeindruckender als am Abend zuvor. Die aufgehende Sonne wirft ein wunderschönes und besonderes warmes Licht auf die Felsen. Über der Ostküste breitet sich ein Nebelmeer aus. Wir geniessen jeden neuen Sonnenstrahl im kalten Wind, der uns immer noch um die Ohren bläst. Die Luft ist klar, die Bergzüge in der Ferne gut zu erkennen.

Für ein Müsli reicht unser Wasser leider nicht mehr aus. Die nächste Quelle befindet sich in der Nähe der Ruine der alten Refuge Pedinielli. Wenn wir Wasser haben möchten um zu frühstücken müssen wir also runter vom Berg. Wir packen zusammen und laufen den Bergrücken zunächst in Richtung Norden entlang, bis der Weg sich nach einer Weile nach Westen wendet und uns auf das vor uns liegende Plateau führt. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir die unscheinbare Quelle. Es wird erstmal ausgiebig gefrühstückt. Der Spirituskocher macht uns keine Sorgen mehr. Am Vorabend wollte die Flamme nicht richtig auflodern, dieses Problem haben wir heute morgen glücklicherweise nicht.

Bevor es weiter geht erfrischen wir uns ein wenig an der Quelle. Na ja, ein wenig ist gut. An diesem Morgen ist es immer noch recht kühl, doch dies hält uns aber nicht davon ab, unter der eiskalten Quelle zu duschen. Brrrr, eiskalt!

Der nächste Abschnitt der Tagesetappe führt uns zunächst über eine schöne Hängebrücke zu einem dicht mit Ginster bewachsenem Plateau. Wieder erwartet uns eine wunderbare Landschaft. Der Ginster blüht zu dieser Jahreszeit in seinem herrlichsten Gelb und riecht fantastisch. Und damit nicht genug. Durch das Hochplateau verlaufen zahlreiche kleine Bachläufe, alle umgeben von herrlich weichen und grünen Wiesen. Es erfordert einiges an Überwindung hier nicht einfach stehen zu bleiben, den Rucksack abzulegen und sich für den Rest des Tages keinen Meter mehr von der Stelle zu bewegen. Dem Plateau schliesst sich, nach einem kurzen Anstieg, ein Wald an. Wieder einmal sind wir dankbar für den Schatten. Unsere Mittagspause verbringen wir auf einer großen Wiese am Wegesrand. Hier verspeisen wir unser letztes Baguette und ein großes Stück Wurst. Ein kleines Nickerchen muss natürlich auch noch sein.

Schon bald nach der Wiese nähern wir uns dem Höhepunkt der heutigen Etappe. Der Aufstieg zum Denkmalsgrat beginnt. Kaum sind wir oben angekommen bläst ein heftiger Wind, der auch im weiteren Verlauf der Etappe nicht mehr nachlassen wird. Der Slalom, mal rechts, mal links der Felsen den Grat entlang, erfordert bei dem starken Wind unsere volle Aufmerksamkeit. Immer wieder müssen in kleinen Klettereinlagen schwierigere Stellen passiert werden.

Schon bald können wir in der Ferne die Refuge d‘Usciolu erkennen. „Es kann nicht mehr lange dauern“, denken wir uns, doch der Weg von Süd nach Nord ist hier etwas spärlich markiert, so dass wir mir mit einigen kleinen Umwegen und alternativen Kletterstellen noch gut eine Stunde bis zur Hütte brauchen. Endlich angekommen machen wir unter einem Schirm auf der Terrasse Pause und verköstigen einen wohlverdienten Erdnussriegel. Wir nutzen die Gelegenheit, kaufen ein Körnerbaguette und ein Feuerzeug, in der Hoffnung, den Kocher damit besser anzubekommen als mit dem Feuerstahl. Der Hüttenwirt ist ein netter junger Kerl. Wir unterhalten uns ein wenig, erzählen von unserem Gipfelbiwak der vergangenen Nacht. Der Hüttenwirt zeigt sich sichtlich beeindruckt und interessiert.

Nach dieser doch etwas längeren Pause wagen wir den erneuten Aufstieg zum folgenden Abschnitt des Grats. Einige hundert Höhenmeter sind zu überwinden. Der Grat ist nicht mehr so ausgesetzt wie auf dem ersten Abschnitt und auch weniger anspruchsvoll und wir kommen daher gut voran. Einzig der immer noch heftige Wind hier oben macht uns etwas zu schaffen. Eigentlich würden wir gerne hier oben unser Zelt aufbauen, doch der Wind ist uns etwas zu stark und so wollen wir lieber etwas unterhalb des Grats nach einem Plätzchen suchen. Wir erreichen schliesslich dessen Ende und steigen in engen Serpentinen steil bergab, als plötzlich, wie aus dem Nichts, dichter Nebel aufzieht. Wir sehen kaum unsere Hand vor Augen. Der Nebel umhüllt den Berg wie ein Band. Unterhalb dieses Nebelbandes ist die Landschaft nach und nach wieder immer besser zu erkennen. Im Osten liegt die flache Ostküste der Insel vor uns, der Blick reicht weit bis auf das Meer. Es beginnt ein kleines Waldstück und wir wittern eine gute Gelegenheit hier unser Lager aufzuschlagen. Nach etwa 9 Stunden Gehzeit stossen wir auf ein kleines Aussichtsplateau mit einer Wiese. Der Entschluss hier zu bleiben ist schnell getroffen. Wir bauen unser Zelt auf und gehen zum gemütlichen Teil des Tages über. Endlich ein verdientes Abendessen, bestehend aus Chili con carne mit Baguette, gefolgt von Grießbrei mit Apfelchips.

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GR 20 – Prolog I

Köln/Bonn – Bastia oder…

Voller Vorfreude auf den GR 20 legen wir uns früh schlafen. Unser Flug geht um 6:45 Uhr von Köln/Bonn aus nach Bastia. Um 1:00 Uhr klingelt der Wecker. So früh?! Ich habe den Wecker versehentlich um 1:00 Uhr anstatt auf 2:00 Uhr gestellt. Also noch ein mal umdrehen und eine Stunde gemütlich weiter schlafen. Zweiter Versuch: 2 Uhr! Noch 4 Stunden 45 Minuten bis zum Abflug.

Wir stehen stehen auf, hüpfen schnell unter die Dusche und Frühstücken noch ein wenig. Das Radio läuft. Noch ein mal gehen wir in Gedanken unsere Packliste durch und überlegen ob wir auch alles eingepackt haben. Wir scheinen nichts vergessen zu haben, also schnappen wir die schon am Vortag gepackten Rucksäcke und hieven sie in’s Auto. Noch 4 Stunden bis zum Flug. Es ist noch dunkel als wir losfahren, die Strassen sind menschenleer und so kommen wir rasch raus aus der Stadt. Schon bald sind wir auf der Autobahn Richtung Troisdorf. Dort angekommen wollen wir die S-Bahn um 5:03 Uhr zum Flughafen nehmen, das Auto lassen wir in der Nähe des Bahnhofs stehen. Als wir im letzten Jahr auf dem Mare a Mare Sud unterwegs waren, haben wir es genau so gemacht und es hat bestens geklappt.

A661, dann A3 Richtung Köln. Es fängt an zu regnen und wird schlagartig stärker. Die Schilder weisen uns an langsam zu fahren: 120 Km/h, kurz darauf 80 Km/h und sofort darauf 60 km/h! STAU!!!

“Oh nein” denken wir  uns. Wie kann das sein? Wir hören die ganze Radio, von Stau kein Wort. Ohne Vorwarnung stehen wir mittendrin. Nach genau 14 gefahrenen Kilometern stehen wir im Stau am Frankfurter Kreuz. Vollsperrung! Wir steigen aus und sehen uns um. Ich laufe ein wenig nach vorne und versuche heraus zu finden was passiert ist. Der Grund für den Stau liegt nur 50 Meter vor uns. Auf der nassen Strasse liegt ein LKW quer über der gesamten Fahrbahn. Wie uns die Polizei mitteilt scheint niemand verletzt zu sein, aber auf der Autobahn geht nichts mehr.

15 Minuten später. Im Radio immer noch kein Wort über die Vollsperrung. Noch 3 Stunden 30 Minuten bis zum Flug. Ich frage einen vorbeilaufenden Polizisten, ob er uns etwas zur Fahrbahnräumung sagen kann. Wir erfahren, dass dies hier ein Folgeunfall ist. Der LKW ist in ein Stauende gerast. Der eigentliche Unfall liegt etwa 500 m vor uns, dort seien die Aufräumarbeiten schon voll im Gange. Wie lange dies aber dauert könne niemand sagen. 30 Minuten später, noch 3 Stunden bis zu Abflug. Wir sind verzweifelt. Langsam sollte es voran gehen. Es wird eng! Der LKW vor uns liegt allerdings immer noch quer über der Fahrbahn, von einem Abschleppdienst nichts zu sehen. Seit mehr als einer Stunde stehen wir nun hier. Den Plan in Troisdorf zu parken und mit der S-Bahn zum Flughafen zu fahren verwerfen wir und beschliessen stattdessen, sollten wir hier endlich wegkommen, direkt zum Flughafen zu fahren und das Auto dort in einem sündhaft teueren Parkhaus abzustellen. So hätten wir etwas mehr Zeit. In unserer Verzweiflung versuchen wir die Fluggesellschaft zu erreichen: “Leider rufen Sie ausserhalb unserer Servicezeiten an”.

Es klopft an der Scheibe. Eine Familie, die auch zum Flughafen muss, erzählt uns, dass noch weitere Leute, so auch sie, mit uns dieses Schicksal teilen und Angst haben ihren Flug zu verpassen. Noch etwas mehr als 2 Stunden bis zum Abflug. Am Telefon weiterhin niemand zu erreichen. Der LKW liegt unverändert auf der Strasse.

Es wird langsam hell und uns wird langsam klar, dass wir es nicht mehr rechtzeitig zum Flughafen schaffen werden. Unmöglich! Wir sind am Boden zerstört. Soll es das wirklich gewesen sein? Nach 14 Kilometern? Die ganze Vorbereitung umsonst? Das Austüfteln der Etappen, das Raussuchen der Bus- und Zugverbindungen, das Kochen und Dörren unseres Essens…?

Doch so schnell geben wir nicht auf! Der Flug ist verpasst, das steht fest und so beschliessen wir kurzerhand die Anreise mit dem Auto zu machen. Kaum ist es ausgesprochen fällt die ganze Anspannung und Verzweiflung von uns ab. Der neue Plan steht schnell. Erst noch den Stau aussitzen, die 14 Kilometer wieder nach Hause fahren und eine Fährverbindung nach Korsika buchen. Weniger als 1 Stunde bis zum Abflug, aber das interessiert uns nicht mehr. Dennoch stehen wir nun seit mehr als 3 Stunden hier im Stau und kommen weder vor noch zurück. Zurück? Ein Blick in den Rückspiegel offenbart sonderbares. Der Stau löst sich von hinten auf. Wir werden angewiesen zu wenden und die Autobahn bis zur nächsten Ausfahrt zurück zu fahren. Ein Chaos auf der Autobahn. Sämtliche Autos stehen kreuz und quer auf der Strasse, versuchen zu wenden oder zurück zu fahren. Jetzt sollten wir im Flieger sitzen.

Gezwungen einen riesigen Umweg zu fahren sind wir nach 50 km wieder zu Hause. Die Enttäuschung ist mittlerweile endgültig verflogen, die Ungewissheit ob wir einen günstigen Platz auf der Fähre erwischen jedoch ist geblieben. Doch schon nach kurzer Suche steht fest wir haben Glück im Unglück. Wir finden 2 Plätze für morgen früh und das sogar recht günstig. Es wird gebucht.

Wir packen noch Strandzeug und Badetücher ins Auto, denn wir werden 4 Tage länger bleiben als ursprünglich geplant und so hat die ganze Sache doch noch etwas positives für uns. Wir kaufen noch etwas Proviant für die Fahrt und sind schliesslich gegen 10 Uhr erneut auf der Autobahn und fahren Richtung Mittelmeer. Zunächst noch einmal an der Unfallstelle vorbei. Kaum zu glauben, dass wir hier gerade noch mehr als 3 Stunden im Stau standen. Vom Unfall ist bis auf eine verbeulte Leitplanke nichts geblieben. Wir biegen auf die A5, geradewegs Richtung Süden. Über die Schweiz und Italien geht es nach Savona. Voller Vorfreude auf Korsika geniessen wir die völlig entspannte Fahrt. Die Landschaft wandelt sich, die Temperaturen steigen, die Sonne scheint. Ab Mailand fahren wir über Landstraßen bis ans Meer. Eine gute Entscheidung. Wir durchqueren viele schöne Dörfer und ebenso schöne Landschaften.

Nach 11 Stunden Fahrt und jeder Menge Pausen fahren wir gegen 22 Uhr die letzten Serpentinen runter ans Meer. In Savona angekommen suchen wir uns einen Parkplatz und versuchen mit Isomatten, Trangia und Essen ans Meer zu kommen. Gar nicht so leicht, denn es ist dicht bebaut hier. Wir finden schliesslich einen Weg zwischen den Häusern und machen es uns an einem kleinen Strand bequem. Es kann gekocht werden.

Müde und mit vollen Bäuchen schlängeln wir uns zum Auto zurück, fahren die letzten Kilometer bis zum Hafen, stellen das Auto ab, bringen die Rückenlehnen in Schlafposition und schlafen “dank” der Strapazen des Morgens und der kurzen Nacht sofort ein.

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Ammergauer Überschreitung – 4. Etappe

Nach dem Gewitter bleibt die restliche Nacht ruhig und so kommen wir am Morgen gut erholt und ausgeschlafen aus den Zelten. Das Frühstück geniessen wir mit den ersten wärmenden Strahlen der im Osten aufgehenden Sonne. Unglaublich was gestern passiert ist. Zelten bei Gewitter, immer wieder ein einprägsames Erlebnis, auf das man aber eigentlich gut verzichten kann. Nach einem regen Erlebnisaustausch packen wir zum letzten Mal unser Equipment und ziehen weiter.

Über Stock und Stein geht es zunächst im stetigen Wechsel leicht bergauf, leicht bergab den Weg weiter. Alles ist ziemlich nass und matschig vom Vorabend. Der weitere Wegverlauf ist dennoch sehr schön, verlangt aber aufgrund der Bodenbeschaffenheit einige Konzentration und Trittsicherheit. Kaum haben wir uns warm gelaufen führt uns unser Weg auch schon hinunter zur August-Schuster-Hütte. Hier gönnen wir uns ein zweites Frühstück.

Gestärkt machen wir uns startklar für den letzten Abschnitt der Tour. Immer gratnah und mit einem tollen Ausblick geht es mal rechts, mal links des Grates immer weiter in Richtung Oberammergau.

Unser nächstes und leider auch schon vorletztes Gipfelziel ist die Sonnenspitze. Schon bald erreichen wir die entsprechende Abzweigung zum Gipfel. Von hier aus geht es über einen steilen Pfad auf den schmalen Gipfelgrat und schliesslich weiter zum Gipfel der Sonnenspitze, ein Berg der seinem Namen heute alle Ehre macht. Uns erwartetet ein herrlicher Ausblick bei bestem Wetter und lassen wir es uns natürlich nicht nehmen hier erst mal eine kurze Pause einzulegen.

Über den gleichen Pfad geht es zunächst wieder bergab. Der nun folgende Weg ist leicht zu begehen und gut ausgetrampelt. Wir peilen wie geplant den Aufstieg zum Kofel an. Schnell verlieren wir an Höhe und unterschreiten die Baumgrenze. Im dichten Wald geht es von nun an schnell voran. Immer wieder können wir durch das Laub des Waldes den Gipfel des Kofels erahnen und ehe wir uns versehen stehen wir bereits an der Abzweigung zum Gipfelaufstieg. Die Nähe Oberammergaus ist nicht zu übersehen. Dutzende Ausflügler tummeln sich hier in den Bergen.

Wir stehen nun an der Einstiegsstelle zum Kofel, eine steile Flanke mit Drahtseilen, die zu queren ist. Gut gesichert und etwas ausgesetzt geht es weiter hoch über eine Felsrinne zum Gipfelplateau. Der Gipfel ist völlig überlaufen und wir versuchen etwas abseits ein ruhiges Plätzchen für eine Rast zu finden. Mit einem tollen Blick auf  Oberammergau futtern wir unseren letzten Proviant.

Der Weg bergab führt uns in Serpentinen durch den Wald. Schnell sind wir im Tal angekommen und folgen dem Weg am Ufer der Ammer in Richtung des Ortes. Bis zur Abfahrt des Buses verbleiben noch 2 Stunden, also lassen wir es uns nicht nehmen uns in der Ammer noch ein Bad zu gönnen. Wir werfen die Rucksäcke ins hohe Gras und springen in das eiskalte Wasser des Flusses. Eine herrliche Erfrischung und das perfekte Ende  einer gelungenen Tour.

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Ammergauer Überschreitung – 3. Etappe

Wieder erwartet uns ein neuer sonniger Tag. Nach einem üppigen Frühstück vor unseren Zelten fangen wir an unsere Sachen einzupacken. Während jeder mit seinem Hab und Gut beschäftigt ist, streunert Aska einwenig umher. Wir geniessen den herrlichen Ausblick.

Plötzlich fliegt ein Schlafsack an mir vorbei. Ich schaue ihm hinterher und sehe ihn in Richtung Abgrund rollen. Peter hinterher, es ist seiner. Doch der Schlafsack rollt den Berg runter. Er rollt und rollt und rollt bis ins Tal hinab. Schier endlos schauen wir drei dem Schlafsack fassungslos hinterher, bis wir ihn nicht mehr sehen. Innerlich verabschiede ich mich schon von dem guten Stück und biete Peter zum Zudecken eine Zeitung an.

Peter kann sich nicht so einfach von dem Schlafsack trennen, immerhin sind die Nächte bis jetzt recht frisch gewesen. So steigt Peter dem Schlafsack nach. Unverantwortlich nimmt er den steilen Hang, wie sein Schlafsack auch. Schnell verlieren wir ihn aus den Augen. Ich tippe vorsichtshalber die Rufnummer von der Bergrettung. Wir bangen um Peter, auch Aska ist unruhig geworden. Nach einer halben Stunde versuchen wir Peter anzurufen. Kein Empfang. Wir probieren es wiederholt bis wir ihn erreichen. Er ist schon fast unten im Tal, vom Schlafsack leider noch keine Spur. Nach einer weiteren viertel Stunde meldet er sich mit der frohen Botschaft, er habe ihn gefunden. Für ihn jetzt nur noch den mühseligen Aufstieg von gestern und wir können nach einer eineinhalbstündigen Verzögerung endlich aufbrechen.

Uns erwartet eine weitere schöne Gratwanderung, die nicht gerade einfach ist, vor allem mit einem kleinen Hund. Hier muss man schwindelfrei sein. Die schwierigsten Kletterstellen sind gesichert und mit ein wenig Erfahrung gut zu meistern. Ein paar ausgesetzte Kletterstellen verlangen unsere volle Konzentration, denn immerhin sind wir mit schweren Rücksäcken unterwegs, die gerne an unserem Gleichgewicht zerren. Die Wanderung auf dem Grat beschert uns einen wunderbaren Rundblick. Kurz vor dem Gipfel der schroffen Klammspitze wird es voll. Viele Tageswanderer kommen uns entgegen.

Am geräumigen Gipfel machen wir eine Pause und geniessen den hervorragenden Ausblick auf die Ammergauer Gipfel und den Foggensee. Weiter im Westen zeigen sich die Allgäuer Alpen, und im Süden sieht man die Bergwelt rund um die Zugspitze. Hier verewigen wir uns im Gipfelbuch. Über eine weitere kleine Kletterstelle gelangen wir zum Südgrat. Bei diesem rutschigen Abstieg müssen wir vorsichtig sein, um keinen Steinschlag los zu treten.

Der weitere Abstieg zur Brunnenkopfhütte über ein kurzes Gehstück geht flott und so erreichen wir die Hütte nach gut einer halben Stunde. Das kühle Bier und den Kaffee haben wir uns an diesem Mittag redlich verdient. Geplant hatten wir hier unsere Wasservorräte aufzufüllen. Leider geht das nicht, da die Hütte an Wasserknappheit leidet. Wir werden an eine kleine Quelle ein paar Meter unterhalb verwiesen.

Nach dem wir unsere Wasservorräte aufgefüllt haben geht es noch ein paar Meter die Straße hinunter, bevor wir dann links in den Wald einbiegen und mit dem Aufstieg zum Hennenkopf beginnen. Leider zieht sich das schöne Wetter vom Nachmittag zu und die Sonne verschwindet hinter den aufziehenden Wolken. Gut die Hälfte haben wir geschafft. Zeit um eine kleine Pause zu machen. Wir stärken uns und wehren uns gleichzeitig gegen kleine fiese Zecken, die an unseren Hosenbeinen hoch krabbeln. Peters Spiritusvorräte neigen sich dem Ende zu. Zum Glück können wir ihm aushelfen.

Der weitere Weg, der direkt zum Hennenkopf führt, wird noch einmal richtig schön. Eine kleine Gratwanderung, die nicht wie die bisher anderen ausgesetzt ist. Latschen und Tannen säumen in lichten Abständen rechts und links den Grat. Man erkennt dennoch, dass es steil nach unten geht. Schnell haben wir die Abzweigung zu unserem zweitem Bergziel des Tages, dem Hennenkopf, erreicht. Peter mit Hund und unsere Rucksäcke lassen wir zurück und erklettern flott über eine Geröllwüste den Gipfel. Oben angekommen kommt tatsächlich noch einmal kurz die Sonne raus. Von hier oben haben wir einen herrlichen Blick zurück auf die Klammspitze im Westen und auf die Zugspitze im Süden.

Auf dem Abstieg sammeln wir unsere Rucksäcke und Peter wieder ein. Der Weg verlässt den lichten Wald und wir kommen auf eine große freie Grasfläche. Diesen Sattel haben wir schon vom Hennenkopf aus gesehen und er eignet sich perfekt für diese Nacht. Die Stelle bietet einen perfekten Ausblick auf die Zugspitze. Schnell bauen wir uns unsere Zelte auf und da unser Hunger groß ist wird auch gleich gekocht. Ein warmes Chili ist jetzt genau das Richtige.

Dicke Cummuluswolken ziehen auf. Von weitem sehen wir wie ein Gewitter an uns vorbei zieht. Ein schönes Schauspiel aus Blitzen und Regen. Uns wird mulmig. Gämse rennen an uns vorbei.

Wir bekommen Besuch. Ein netter älterer Herr in kurzen Hosen und einem langen knorrigen Wanderstock sagt uns Hallo. Wir plaudern ein wenig und erfahren, dass er hier in der Nähe seine Hütte hat. Wind zieht auf. Er lädt uns ein, falls das Gewitter zu uns zieht und wir Schutz brauchen. Er verabschiedet schliesslich sich von uns und wir bedanken uns für sein Angebot. Der aktuelle Wetterbericht zeigt uns nur Regen an. Die Regenwolken ziehen immer näher an uns vorbei. Die Himmel wird tiefschwarz. Nun hat der Wetterdienst auch für unsere Gegend eine Gewitterwarnung rausgegeben. Kaum lesen wir die Nachricht setzt auch der Regen ein und wir verkriechen uns schnell im Zelt. Der Regen wird heftiger und es gesellt sich Hagel dazu. Wir hören es donnern. Der Regen wird heftiger. Ein lauter Schlag, ein Blitz. Alles wir taghell. Der Blitz ist anscheinend nur ein paar Meter neben uns eingeschlagen. Wir hocken auf Zehenspitzen im Zelt und hoffen, dass das Unwetter schnell wegzieht. Und das tut es auch. Das Gewitter ist vorbei.

Wir schauen raus aus dem Zelt. Das Wetter hat sich wieder beruhigt und während Peter bereits schlafendend im Zelt liegt, geniessen wir zu zweit die Ruhe nach dem Sturm, als wäre nie etwas passiert.

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Ammergauer Überschreitung – 2. Etappe

Das strahlende Gelb im Inneren das Zelts lässt beim aufwachen bereits erahnen, was sich beim ersten Blick aus dem Zelt bestätigt. Der Nebel hat sich über Nacht verzogen; über uns ein strahlend blauer Himmel. Bei dem Wetter hält es uns natürlich nicht lange im Zelt. Schnell Schlafsack und Isomatten zusammen packen und raus an die Sonne. Beim Frühstück geniessen wir die ersten wärmenden Strahlen, der gerade über die umliegenden Berge steigenden Sonne, und hoffen, dass sich das Wetter den Tag über hält. Etwas skeptisch sind wir zugegebenermassen schon und so lassen wir uns auch gar nicht viel Zeit, sondern packen recht bald unsere Sachen zusammen und machen uns auf den Weg. Doch bevor es richtig los geht nutzen wir den, in unmittelbarer Umgebung fließenden, natürlich eiskalten Bach noch für eine ausgiebige Morgenwäsche und füllen unsere Wasservorräte auf. Die nächste Möglichkeit mit Sicherheit an Wasser zu kommen ist die Brunnenkopfhütte. Da wir diese aber frühestens in eineinhalb Tagen erreichen werden, muss das Wasser bis dahin reichen. Mit 5 Litern Wasser im Rucksack brechen wir schliesslich auf.

In einer langgezogenen Kehre am Niederen Straußberg gewinnen wir langsam an Höhe bis sich der Weg schliesslich Richtung Norden wendet. Passieren eine mächtige, zu dieser Zeit noch völlig im Schatten liegende, senkrecht abfallende Felswand und erreichen bald darauf den Schwangauer Kessel. Von hier ergeben sich schöne Ausblicke auf den bereits hinter uns liegenden Niederstraußbergsattel sowie auf das Alpenvorland, das jedoch unter einer dichten Wolkendecke liegt. Es folgt die erste konditionell herausfordernde Stelle das Tages. In unzähligen, engen Kehren geht es nun steil bergauf zum Gabelschroffensattel. Das Alpenvorland liegt zwar unter dichten Wolken, aber ab etwa 1500m Höhe herrscht strahlender Sonnenschein, der uns beim Aufstieg ordentlich ins Schwitzen kommen lässt. Der mit jeder gewonnenen Kehre aber immer schöner werdende Ausblick entschädigt uns dafür. Vom Gabelschroffensattel ist es nicht es nicht mehr weit bis zum ersten Gipfel der Tour, der Krähe. Der kurze Weg dahin sollte aber noch für ordentlich Aufregung sorgen. Kurz hinter dem Gabelschroffensattel sind zwei steile Altschneefelder zu queren. Als Anja, die gerade vorne läuft, den zweiten Schritt auf dem Schneefeld macht, gibt der Schnee plötzlich nach. Anja stürzt und kommt ins rutschen. Auf unser Zurufen hin dreht sie sich in die Liegestützposition und schafft es glücklicherweise ihren Sturz schnell zu bremsen, der ansonsten 20m weiter unten an den angrenzenden Felsen ein wahrscheinlich unschönes Ende gefunden hätte. Wir eilen mit der nötigen Vorsicht herbei und helfen ihr wieder auf die Beine. Alles noch mal gut gegangen. Auf die Schneefelder folgt noch eine kleine, für Abwechslung sorgende Kletterstelle und schliesslich stehen wir kurz unterhalb des Gipfels. Über Wegloses Wiesengelände geht es die letzen Meter zum Gipfel der Krähe (2012m).

Die Bedingungen am Gipfel sind traumhaft. Stahlender Sonnenschein und eine gute Weitsicht Richtung Süden. Klar, dass wir unter diesen Voraussetzungen erst einmal eine ausgiebige Pause für ein zweites Frühstück einlegen. Zunächst sind wir noch allein auf dem Gipfel, doch schon bald gesellen sich nach und nach immer mehr Krähen zu uns. Der Berg macht seinem Namen alle Ehre. Die anfänglich noch etwas scheuen Tiere legen ihre Skepsis uns gegenüber jedoch bald ab und fressen die ihnen von uns hingehaltenen Brotkrümmel sogar aus der Hand. Ein scheinbar besonders begabtes Exemplar fängt ihm zugeworfene Krümmel elegant direkt aus der Luft. Wir vertreiben uns mit den Tieren noch ein wenig die Zeit und machen uns daraufhin auf zur nächsten Herausforderung des Tages; der Überschreitung der Hochplatte.

In noch gemächlichem Gelände geht es bergab bis zum Fensterl, einem Felsenfenster genau zwischen Krähe und Hochplatte. Hier beginnt auch der Einstieg in den Westgrat der Hochplatte, der teilweise über sehr exponierte Stellen zum Gipfel führt. Die am Vormittag noch weit unterhalb im Alpenvorland hängenden Wolken drängen immer weiter in den Süden vor und stauen sich nun an den senkrechten Nordwänden von Krähe und Hochplatte. Eine Gratwanderung an der Grenze zwischen Nebel und Sonnenschein beginnt. Immer wieder sind kleinere Kletterpassagen zu meistern, sei es bergauf oder bergab. Die ausgesetzten Stellen erfordern Trittsicherheit und natürlich Schwindelfreiheit, machen den Weg aber erst interessant. Als wir schliesslich den Gipfel der Hochplatte (2082m) erreichen, stehen wir leider mehr oder weniger im Nebel. Der Weg über den Westgrat hat die Besteigung der Hochplatte dennoch zu einem überaus spannenden Erlebnis werden lassen.

Wir halten uns nicht lange auf dem Gipfel auf und beginnen den Abstieg über den leider weniger spektakulären Ostgrat. Der Weg ist zu Beginn noch ausgesetzt, die Stelle aber abgesichert, und führt bald darauf durch dichtes Erlengestrüpp und ein sich daran anschliessendes Geröllfeld. Wir erreichen das Weitalpjoch und lassen den Abstieg von der Hochplatte damit hinter uns. Auf gemütlichen Wanderwegen geht es weiter Richtung Norden bis der folgende Anstieg uns zum Lösertaljoch bringt und umrunden daraufhin eine gewaltige Mulde zwischen dem Vorderscheinberg und dem Hasentalkopf. Die Höhenmeter des Tages und die schweren Rucksäcke machen sich langsam bemerkbar, insbesondere Aska ist fix und fertig und so legen wir in der Nähe der verfallenen Kesselhütte noch eine Pause ein.

Von hier aus geht es in steilen Serpentinen mehrere hundert Meter bergab zum Bäckenalmsattel, von dem aus es ebenso steil, dieses mal jedoch auf matschigen Wegen, eben diese mehreren hundert Meter wieder bergauf geht. Oben angekommen sehnen wir uns nach einem Lagerplatz. Das Gelände hier oben eignet sehr gut. Halbwegs ebene Wiesen und einen schönen Ausblick auf die gegenüberliegenden Berghänge sowie in das ganze Sägertal. Gerade als gegen Abend wieder dichter Nebel aufzieht bauen wir in der Nähe des Abhangs unsere Zelte auf, kochen noch ein Abendessen und verziehen uns aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters schnell in die Zelte. Es kommt Wind auf und kurz darauf beginnt es zu regnen.

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Ammergauer Überschreitung – 1. Etappe

Der Wecker klingelt um 6 Uhr und ein erster Blick aus dem Zelt zeigt, der Tag beginnt wie der gestrige endete, neblig und nass. Dennoch, voller Tatendrang geht es raus aus dem Zelt. Wir frühstücken, bauen unser Lager ab und starten in den Tag.

Entlang der Landstrasse geht es zurück nach Hohenschwangau. Eigentlich müsste links von uns Schloss Neuschwanstein inmitten seiner wunderbaren Alpenkulisse zu sehen sein, aber der dichte Nebel lässt dies nicht zu. Wir sehen nichts von all dem, kein Schloss, keinen einzigen Berg, nichts ausser grauem Nebel.

Zu dieser frühen Stunde hat sich noch kein Tourist hierher verirrt, die Parkplätze sind, wie gestern Abend auch, alle leer und so beginnen wir völlig ungestört über eine Asphaltstrasse den Aufstieg zum Schloss Neuschwanstein.

Als wir schliesslich am Fuße des Schlosses stehen, machen wir eine erste, kurze Pause. Direkt unterhalb des Schlosses gibt es eine kleine Aussichtsplattform, von der aus sich mit etwas Phantasie die Umrisse des Schlosses im Nebel erkennen lassen.

Als wir weiter gehen tauchen nach und nach auch die ersten Touristengruppen auf. Aska ist mit ihrem schicken roten, von Peter selbst entworfenem Regencape der absolute Hingucker und zieht dementsprechend alle Blicke auf sich. Wir umrunden das Schloss und erreichen die Marienbrücke, aber auch von hier sind nicht mehr als die Konturen des Schlosses im Nebel zu erkennen.

Von hier an lassen wir für die nächsten Tage endlich den Asphalt hinter uns und tauchen ein in die Bergwelt der Ammergauer Alpen. Auf schmalen Pfaden, eingerahmt von herrlich grünen Wäldern geht es über feuchte Wurzeln und nasse Steine nun stetig bergauf. Die Luft ist wunderbar frisch, aber die Luftfeuchtigkeit von 100% macht uns zu schaffen und so kommen wir gut ins Schwitzen. Teilweise direkt am Abhang windet sich der Weg in zahllosen engen Serpentinen immer weiter nach oben. Die Aussicht wäre mittlerweile bestimmt phänomenal, wenn…, ja richtig, wenn der Nebel nicht wäre. Als der Weg langsam flacher wird, näher wir uns dem Tegelbergkopf und haben somit einen Großteil des Aufstiegs für heute geschafft. Wir gönnen uns noch eine kleine Pause und futtern unsere selbstgemachten Müsliriegel.

Weiter geht es in mehr oder weniger flachem Gehgelände, bis kurz vor dem Tegelberghaus noch ein steiler, aber nur kurzer Anstieg zu bewältigen ist. Am späten Vormittag erreichen wir das Tegelberghaus auf knapp über 1700 m. In der Hütte angekommen legt der Hüttenwirt gerade Holz in den Ofen. Wir machen es uns am benachbarten Tisch gemütlich und entspannen eine Weile.

Bevor wir uns wieder auf dem Weg machen füllen wir noch unsere Wasservorräte für den Rest des Tages auf. Das “Kein Trinkwasser“-Schild über dem Wasserhahn wird dabei von uns ignoriert.

Auf schmalen Pfaden geht es an teilweise sehr steile Abhängen entlang weiter durch den Nebel. Nach einer Weile erreichen wir die Abzweigung Richtung Ahornspitze. In Anbetracht der Wetterlage entscheiden wir uns einstimmig gegen einen Gipfelabstecher und folgen dem Pfad stattdessen in Richtung Ahornsattel. Am Sattel angekommen nehmen wir uns etwas Zeit für eine kleine Stärkung und trauen unseren Augen kaum als die dichte Nebelwand plötzlich aufreisst und den Blick auf die umliegenden Berge freigibt. Der Himmel ist zwar weiterhin mit dichten Wolken bedeckt, aber immerhin können wir endlich mal weiter als 20m voraus schauen. Die Freude währt jedoch nur kurz, denn schon als wir weiter gehen ziehen bereits die ersten Wolken wieder dicht über unsere Köpfe hinweg, um uns von nun an im weiteren Verlauf des Tages in regelmäßigen Abständen immer mal wieder die Sicht zu rauben.

Unterhalb des Straußbergköpfl führt der Weg im ständigen Wechsel aus An- und Abstiegen zum Niederstraußbersattel, einer von Bergen eingerahmten, weitläufigen Wiesenlandschaft. Eigentlich wäre genug Zeit um noch etwas weiter zu laufen, aber der erste Gipfel der Tour, die Krähe, ist nicht mehr weit, das Wetter für einen Gipfelaufstieg aber immer noch alles andere als optimal. Wir beschliessen daher uns hier, trotz der frühen Stunde, einen Platz für die Zelte zu suchen und morgen, bei hoffentlich besserem Wetter, weiter zur Krähe zu laufen.

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Ammergauer Überschreitung – Anreise

Endlich ist es soweit, die Alpinsaison 2011 kann beginnen. Für den Start der Saison haben wir uns die Überschreitung der Ammergauer Alpen von Füssen nach Oberammergau vorgenommen. Viele Höhenmeter gilt es zu bezwingen, mehrere Gipfel wollen bestiegen werden und spannende Momente auf den Gipfelgraten erwarten uns. Das Wetter laut Vorhersage mehr schlecht als recht, aber wir lassen es einfach mal auf uns zukommen.



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Zu viert, Anja, Peter, seine Jack Russel Terrier Dame Aska und meine Wenigkeit starten wir am Mittwochnachmittag in Richtung Hohenschwangau. Die Fahrt zieht sich dank schier endloser Stunden im Stau merklich in die Länge und so erreichen wir Hohenschwangau, Heimat der Königsschlösser erst am späten Abend. Den Plan heute noch mit der Tour zu starten verwerfen wir schnell und sehen uns stattdessen lieber im Tal nach einem Zeltplatz um. Zunächst gar nicht so leicht, der Ort ist klar auf große Touristenströme ausgelegt. Parkplätze gibt es um diese Uhrzeit zwar reichlich, aber mit 6€ für 5 Stunden sind uns diese dann doch etwas zu teuer. Ein paar hundert Meter außerhalb des Ortes findet sich schließlich eine Parkbucht am Rande der Landstrasse. Umgeben von blühenden Wiesen sollte es nicht schwer fallen einen Zeltplatz zu finden. Wir schnappen unsere Rucksäcke und stapfen bei einsetzender Dunkelheit und leichtem Nebel durch das kniehohe, nasse Gras. Am Rande einer Gruppe von Bäumen, etwas abseits der Strasse finden wir einen geschützten Platz mit niedrigem Gras. In der Ferne lässt sich durch den Nebel noch das beleuchtete Schloss Hohenschwangau erkennen.

Mittlerweile ist es stockdunkel. Im Schein der Stirnlampen und bei leichtem Regen bauen wir die Zelte auf, kochen uns noch ein Abendessen und verkriechen uns daraufhin in unsere Schlafsäcke. Morgen wollen wir in aller Frühe in die Tour starten.

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Cahersiveen

Der Morgen ist recht warm, doch noch hängen dichte Wolken am Himmel. Dank des durch die Dünen vom Wind geschützten Zeltplatzes hatten wir eine ruhige und erholsame Nacht. Noch am gestrigen Abend haben wir beschlossen, den “verlorenen” Wandertag nach Cahersiveen heute mit dem Bus wieder aufzuholen. Wir brechen unser Lager ab, packen zusammen und machen uns auf den Weg nach Glenbeigh. Der Bus nach Cahersiveen hält vor dem dortigen Postamt an der Haupstrasse. Wir steigen über die Dünen, um an der östlichen Seite der Landzunge zunächst nach Rossbeigh zu laufen. Kaum überqueren wir den Dünenkamm werden wir von einem fantastischen Sonnenaufgang über der Rossbeigh Creek, der im Osten angrenzenden Bucht, begrüßt. Durch die langsam lichter werdenden Wolken bahnen sich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen ihren Weg zu uns. Wunderschön.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle machen wir in einem Supermarkt kurz Halt, um für Frühstück zu sorgen. Mit Käse und Brot geht es weiter zum Postamt, vor dem idealerweise eine kleine Bank auf uns wartet. Mit dem Frühstück vertreiben wir uns die Wartezeit auf den Bus. Die Fahrt nach Cahersiveen ist landschaflich sehr schön und führt meist direkt an der Küste entlang. Mittlerweile bedauere ich es fast mit dem Bus zu fahren. Es wäre sicherlich eine tolle Etappe geworden, zumal bei unserem Eintreffen in Cahersiveen alle Wolken verschwunden sind und der Himmel in einem perfekten Blau erstrahlt. Wir steigen aus dem Bus und plötzlich fällt uns auf, dass wir unsere Trekkingstöcke vergessen haben. “So ein Mist”, sie werden wahrscheinlich noch an der Bank vor der Post stehen. Was tun? Direkt um die Ecke des Busbahnhofs finden wir das gemütliche Sive Hostel, in dem wir auch die Nacht verbringen werden. Das Hostel verfügt zum Glück über einen Internetanschluss. Wir suchen die Telefonnummer der Post in Glenbeigh raus und rufen an. Der Postmitarbeiter zeigt sich sehr hilfsbereit. Kaum haben wir geschildert was passiert ist, sitzt er mit unseren Stöcken in der Hand schon wieder am Telefon: “I got ‘em, now they’re safe”. Morgen auf der Rückfahrt nach Killarney holen wir die Stöcke dort ab.

Im Hostel essen wir noch etwas zu Mittag und machen uns anschließend auf dem Weg die Umgebung zu erkunden. Wir starten im Hafen von Cahersiveen, überqueren anschließend den Fertha River und halten uns westlich. Wir entdecken einige alte Steinforts, von denen aus man einen schönen Ausblick auf die Umgebung hat. Nach einem kleinen Mittagsschläfchen bei strahlendem Sonnenschein geht es eine Stunde später in Richtung Norden bis wir eine kleine Bucht entdecken. Einige Einheimische gehen hier zu dieser Jahreszeit tatsächlich noch schwimmen. In Anbetracht des genialen Wetters reizt uns das natürlich auch, aber leider fehlen die Badesachen. In einem weiten Bogen geht geht es nun östlicher Richtung bis White Strand, ein ausgedehnter, schöner Sandstrand mit Blick auf Valentia Island. Bei einem Kaffee, unseren Trangia haben wir natürlich dabei, lassen wir den Tag hier gemütlich ausklingen. Auf dem Rückweg dann noch einen Abstecher zum verlassenen Ballycarberry Castle. Ein perfekter Tag.

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Glenbeigh – Rossbeigh

Heute lassen wir es locker angehen. Also, erstmal ausschlafen. Nach dem Aufstehen geht es mit knurrenden Mägen in den Frühstücksraum. Wir sind die einzigen Gäste. Ein gedeckter Tisch wartet bereits auf uns. Nach dem Essen eröffnet uns unsere Vermieterin ein sehr günstiges Angebot für eine weitere Nacht. Scheinbar ist man zu dieser Jahreszeit froh um jeden Gast. In Anbetracht des wirklich sehr leckeren Frühstücks, welches uns am nächsten Morgen noch einmal erwarten würde, wären wir fast schwach geworden. Aber nein, wir lehnen dankend ab. Es zieht uns weiter.

Zurück auf unserem Zimmer packen wir in aller Ruhe unsere Sachen zusammen, verabschieden uns schliesslich und machen uns wieder auf den Weg. Im Lädchen auf der anderen Strassenseite kaufen wir erstmal ausreichend Wasser und füllen unsere Trinkschläuche. Wir wollen zunächst unbedingt einen Abstecher zu Rossbeigh Strand machen. Eine 4 km lange Landzunge mit hohen Sanddünen und einem langgezogenen Sandstrand an der Westseite. Von Glenbeigh aus sind es etwa 4 km bis zur Landzunge. Immer an der Hauptstrasse entlang geht es zunächst durch Glenbeigh, bis wir uns am Ortsausgang schliesslich rechts halten. Am Fuße des Rossbeigh Hill geht es nun bis zum gleichnamigen Ort, von dem aus wir schon die ersten Blicke auf die Landzunge werfen können. Als wir bald darauf Rossbeigh Strand erreichen und ein wenig den Strand entlang wandern, entscheiden wir uns spontan den Tag hier zu verbringen. Die Dünenlandschaft scheint sich ausgezeichnet für eine Nacht im Zelt zu eignen und irgendwie steht uns der Sinn heute nach einem ausgedehnten Strandspaziergang. Also bleibt es dabei, wir bleiben hier. Unser Gepäck lassen wir getarnt in den Dünen zurück und erkunden entspannt die Landzunge mit ihrer herrlichen Dünenlandschaft, bis wir am Nachmittag wieder zurückkehren. Ein Platz für die Nacht ist schnell gefunden.

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